Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-killzone-shadow-fall-bling-bling-und-bum-bum-an-der-mauer-1312-103083.html    Veröffentlicht: 02.12.2013 16:27    Kurz-URL: https://glm.io/103083

Test Killzone Shadow Fall

Bling-bling und Bum-bum an der Mauer

Schicke Lichteffekte und spektakuläre Landschaften, aber auch eintönige und stellenweise nervige Shooter-Action: Das als Starttitel für die Playstation 4 verfügbare Killzone Shadow Fall hat nicht das Zeug zum Systemseller.

Einige der Eigenheiten der Killzone-Reihe sind seit jeher die merkwürdig vagen Anspielungen auf die deutsche Historie. Etwa das Auftreten, Verhalten und die Uniformen des außerirdischen Volks Helghast, die an Wehrmacht und Geheimpolizei erinnern. Auch in ihrem jüngsten, von Guerrilla Games als Starttitel für die Playstation 4 erhältlichen Killzone Shadow Fall spielen viele Elemente seltsam vage auf die deutsche Geschichte an. Allerdings an eine andere Epoche: Diesmal geht es um eine Mauer, die Menschen voneinander und sogar eine ganze Welt trennt.

Das riesige Bauwerk steht auf dem Planeten Vekta. Dessen Bewohner haben im Vorgänger die Heimatwelt der Helghast zerstört, also gewähren sie den nach wie vor tödlich verfeindeten Überlebenden Asyl und schützen sich selbst durch besagte Mauer. Sehr viel besser als dieser seltsam konstruierte Plot ist auch der Rest der Handlung nicht. Der Spieler steuert einen Mann namens Lucas Kellan, dessen Vater einst bei einem Fluchtversuch über die Grenze getötet wurde, und der nun im Auftrag der Vektaner als Agent arbeitet - um dann herauszufinden, dass auch seine eigenen Leute zu finsteren Taten in der Lage sind.

Shadow Fall gibt sich zumindest anfangs viel Mühe, den Spieler in halbwegs offene Umgebungen zu versetzen. Im ersten Abschnitt der eigentlichen Kampagne ist Agent Lucas in einem hübschen Waldgebiet unterwegs, das direkt neben einem riesigen Gebäude und einem Wasserfall liegt. Er kann sich hinter Bäumen verstecken und zumindest ein Stück weit selbst bestimmen, ob er den direkten Weg nimmt oder doch versucht, sich an einer Helghast-Ansammlung vorbeizuschleichen. Später geht es dann in sehr düstere Innenräume - sehr schön sind die Gebiete nicht umgesetzt, außerdem wiederholen sich die Details in den dann linearen Levels oft.

Eine kleine Besonderheit ist eine Drohne, auf die Lucas kurz nach dem Start Zugriff erhält. Der fliegende Roboter greift auf Befehl Feinde an, überlädt mit einem elektrischen Impuls ihre Schilde oder schützt Lucas mit einem Schild. An bestimmten Stellen kann sie ein Seil spannen, damit der Spieler etwa über einen Abgrund gelangt. Vor allem aber kann sie Lucas mit einem Adrenalinstoß wiederbeleben, wenn der ins Gras gebissen hat. Dauerhaft kaputtgehen kann die Drohne nicht - sobald sie selbst zu viele Treffer eingesteckt hat, verschwindet sie und erholt sich dann allmählich wieder.

Ohne zumindest einen gelegentlichen Adrenalinstoß dürften übrigens auch erfahrene Spieler kaum durch die Kampagnen von Shadow Fall gelangen. Immer wieder tauchen Gegner scheinbar aus dem Nichts auf, oder sie lauern irgendwo im Dickicht und treffen selbst auf größere Entfernungen mit fast immer tödlicher Präzision.

Das ist schon ärgerlich genug, wird aber durch das Checkpoint-System auch nicht besser: Mit etwas Pech speichert das Spiel, wenn die Lebenspunkte oder Munitionsvorräte schon aufgebracht sind, außerdem muss man immer wieder mal längere Passagen erneut absolvieren.

Multiplayer und Fazit

In seinen guten Momenten - und die gibt es natürlich auch - machen die Kämpfe in den halboffenen Umgebungen von Killzone aber Spaß. Beispielsweise, wenn Agent Lucas erst die Drohne vorschickt, um die Gegner aus der Reserve zu locken und sie aus einem halbwegs sicheren Versteck heraus erst zu betäuben und dann mit etwas Hin- und Herbewegung einen nach dem anderen auszuschalten.

Die Grafik macht auf den ersten Blick einen tollen Eindruck. Shadow Fall hat schöne Effekte, oft mit gutaussehenden orange- und türkisblauem Licht - so etwas sieht ja eigentlich immer gut aus. Wenn man dann genau hinsieht, sind aber immer wieder kleinere Grafikfehler zu erkennen, die bei einem Launchtitel für eine Next-Gen-Konsole nicht so schön sind: Da überblenden sich die Lichtquellen, oder sie leuchten durch Objekte hindurch - nichts Dramatisches, aber halt auch nicht perfekt.

Der zweite große Hingucker von Killzone sind die teils spektakulär aussehenden Stadtumgebungen: etwa die große, erst halbfertige Mauer, die sich bis zum Horizont hinzieht und die umgeben ist von einem Meer aus Wolkenkratzern. Das ist beeindruckend, aber zum einen sind die schönsten Stellen immer nur in Zwischensequenzen zu sehen, wo die Grafik stark optimiert ist. Und zum anderen steht der Spieler nach manch toller Kamerafahrt dann doch in einem dunklen Gang, den so ähnlich auch schon ältere Konsolen hätten darstellen können.

Killzone bietet immerhin sehr gut angepasste und fein aufgelöste Texturen, gelungene Partikel, Licht- und Feuereffekte sowie richtig gute Kantenglättung. Für PC-Spieler mag das alles nicht spektakulär aussehen, auf einer Playstation gibt es das in der Form bislang nicht. Nett: Shadow Fall nutzt auch ein paar Funktionen des neuen Controllers. Die Auswahl der Befehle für die Drohne etwa erfolgt über eine schnelle Wischbewegung auf dem Trackpad. Und wenn Lucas etwa eine Sprachnachricht findet, wird die über den internen Lautsprecher des Dualshock 4 wiedergegeben.

Im Multiplayermodus können Spieler auf zehn Karten antreten, und zwar wie in den Vorgängern wahlweise auch gegen Bots. Normalerweise treten Helghast gegen Vektaner an, auf beiden Seiten gibt es drei Klassen. Waffen und Fähigkeiten müssen nicht erst freigeschaltet werden, durch Erfahrungspunkte lassen sich aber Sachen wie die Abklingzeiten von einigen Ausrüstungsgegenständen verkürzen. Der Multiplayermodus ist schnell und macht Spaß - für leidenschaftliche Battlefield- und Call-of-Duty-Spieler dürfte er langfristig aber zu wenig Motivation bieten.

Killzone Shadow Fall ist nur für die Playstation 4 verfügbar und kostet rund 70 Euro. Das Programm erscheint hierzulande mit oft nicht lippensynchroner und teils schlecht abgemischter deutscher Sprachausgabe. Die USK hat dem nicht geschnittenen Programm eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Fazit

Das neue Killzone verdankt seine Daseinsberechtigung vor allem der Tatsache, dass es das PS4-Launch-Actionspiel von Sony ist. Es sieht auf den ersten Blick gut aus - was allerdings zum Teil an Taschenspielertricks wie dem geschickten Einsatz von Lichteffekten und den spektakulären, aber nicht direkt begehbaren Stadtumgebungen liegt. Im ganz realen Kampfalltag stapft und schleicht der Spieler dann doch sehr oft durch schöne, aber nicht weiter aufregende Gebiete und durch düstere Tunnel.

Auch aus spielerischer Sicht ist Shadow Fall trotz einer Handvoll spannender Ideen eine Enttäuschung. Die Drohne macht Spaß, das Waffenarsenal und die halbwegs abwechslungsreichen Aufgaben auch. Die eigentlichen Kämpfe allerdings nur selten - wegen Gegnern, die aus dem Nichts im Rücken des Spielers auftauchen und ihn selbst aus sehr großen Entfernungen zielsicher ausschalten können. Auch andere Abschnitte, etwa Verteidigungsmissionen, haben viele ähnlich nervende Elemente. So etwas wie ein Spielfluss kommt kaum auf.

Wer eine PS4 hat und unbedingt jetzt ein einigermaßen nach Next-Gen aussehendes Actionspiel haben möchte, kann Killzone Shadow Fall eine Chance geben. Wir würden auf bessere Titel warten, auch wenn es bis zu deren Veröffentlichung vermutlich noch etwas dauert.  (ps)


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