Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/u-cat-roboterschildkroete-aus-estland-1311-103021.html    Veröffentlicht: 28.11.2013 15:44    Kurz-URL: https://glm.io/103021

U-Cat

Roboterschildkröte aus Estland

U-Cat sieht aus wie ein zu groß geratenes Überraschungsei mit Flossen. Der von estnischen Wissenschaftlern entwickelte Tauchroboter ist aber überaus wendig und soll künftig gesunkene Schiffe erkunden.

Ab ins Wasser: Wissenschaftler von der Technischen Universität der estnischen Hauptstadt Tallinn haben einen Roboter nach dem Vorbild einer Meeresschildkröte entwickelt. Der Tauchroboter, der ein wenig an die Kapseln in den Überraschungseiern erinnert, hat dieser Tage in London Weltpremiere.

Angetrieben wird der etwa 50 Zentimeter große Unterwasserroboter von vier Flossen, die durch Paddeln für Vortrieb sorgen. Die Flossen können einzeln angesteuert werden, damit der Roboter manövrieren kann. Sie sind um 360 Grad drehbar. Will der Roboter die Richtung ändern, muss er nicht wenden: Die Flossen werden einfach nach hinten geklappt und der Roboter schwimmt in die entgegengesetzte Richtung zurück. U-Cat kann sich aber auch auf der Stelle um die eigene Achse drehen.

Diese Wendigkeit ist wichtig: Der Roboter ist dafür konzipiert, in Schiffswracks zu tauchen und diese zu erkunden. Der Flossenantrieb mache aber nicht nur wendiger als der herkömmliche Schraubenantrieb. Er bewege auch das Wasser nicht so stark und wirbele weniger Sand vom Meeresboden auf, erklärt Taavi Salumäe, einer der Entwickler von U-Cat.

Europäisches Projekt Arrows

Entwickelt wurde U-Cat im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes Arrows, eine Abkürzung für Archaeological Robot Systems for the World's Seas. Ziel ist, technische Systeme für die Unterwasserarchäologie zu bauen. Da die Unterwasserroboter, die beispielsweise bei der Öl- oder Gasförderung eingesetzt werden, zu groß und unhandlich sind, werden Wracks heutzutage immer noch hauptsächlich von Tauchern erkundet.

Deren Einsatzdauer unter Wasser ist beschränkt. Zudem ist das Tauchen in Wracks gefährlich. Roboter wie U-Cat sollen künftig diese Aufgabe übernehmen: Er ist mit einer Kamera ausgestattet, die Bilder aus dem Inneren des gesunkenen Schiffs liefert. U-Cat soll zuerst in der heimischen Ostsee sowie im Mittelmeer getestet werden.

Inspiration Natur

"Die sogenannten biomimetischen Roboter - also Roboter, die Tieren oder Pflanzen nachempfunden sind - sind ein wachsender Trend in der Robotik", sagt Maarja Kruusmaa, Leiterin des Centre for Biorobotics an der Universität in Talinn. "Dabei versuchen wir, technische Hemmnisse zu überwinden, indem wir uns alternative technische Lösungen von der Natur abschauen."

Die Esten präsentieren ihren Schwimmroboter erstmals der Öffentlichkeit im Rahmen der Robot Safari. Das ist eine Ausstellung des Londoner Wissenschaftsmuseums, die 13 Dutzend Roboter zeigt, die nach dem Vorbild von Tieren und Pflanzen konstruiert sind. Die Ausstellung ist vom 29. November bis 1. Dezember 2013 zu sehen.  (wp)


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