Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/eroeffnung-zoo-palast-nostalgie-charme-und-dolby-atmos-1311-103018.html    Veröffentlicht: 29.11.2013 16:27    Kurz-URL: https://glm.io/103018

Eröffnung Zoo Palast

Nostalgie, Charme und Dolby Atmos

Nach fast drei Jahren Bauzeit ist der Berliner Zoo Palast wieder eröffnet worden. Deutschlands größter Saal mit Dolby Atmos wird kombiniert mit nostalgischem Flair und nagelneuer Technik. Wir waren bei der Eröffnung dabei und konnten Probe hören.

Die Wiedereröffnung des Zoo Palasts löst bei den Berlinern viele Emotionen aus. Es ist eines der letzten noch verbliebenen Kinos am Kurfürstendamm und wird, so die Hoffnung, das Kinosterben beenden, das nicht nur in Berlin zu beobachten war.

Hans-Joachim Flebbe, der nun den Zoo Palast leitet, ist nicht unschuldig daran, dass viele Kinos der Berliner City West eingegangen sind. Er hat die Cinemaxx-Kinos europaweit groß gemacht. Andere Multiplexe wie Cinestar und UCI waren mit dafür verantwortlich, dass mittlerweile nach 20 Uhr kaum jemand auf dem Ku'damm wandelt. Dazu kam das Heimkino, das vielen die Lust zum Kinogang nahm. Die Reste der Kinolandschaft der City West werden mittlerweile anderweitig verwendet: Der benachbarte Royal Palast wurde abgerissen und zum Technikpalast Saturn. Die Filmbühne Wien ist einer von Apples größten Apple Stores geworden.

Flebbe versucht nun im großen Stil, was er mit der Astor Film Lounge in Berlin schon in kleinem Stil probiert hat: Der Kinobesuch soll zu einem Erlebnis werden. Der neue Zoo Palast hat nach dem Umbau immerhin noch sieben von ehemals neun Sälen. Die Technik im luxuriösen Nostalgieoutfit und so manche Besonderheit sollen die Besucher jenseits der 30 Jahre zurückbringen.

Der Zoo Palast bietet dafür den richtigen Rahmen. Die beiden Säle 1 und 2 sind denkmalgeschützt und wurden mit altem Charme aufwendig renoviert. Die anderen fünf Säle sind zwar Neubauten, doch wer sie betritt, hat dank vieler Details das Gefühl, im 1957 eröffneten Zoo Palast zu sein. Passend dazu eröffnete die Schweizer Schauspielerin Liselotte (Lilo) Pulver am 27. November 2013 erneut den Zoo Palast. Sie tat das bereits 1957.

Deutschlands größter Dolby-Atmos-Saal

Das Kino ist aber nicht nur nostalgisch, sondern auch modern. 3D-Kino dank zweier 4K-Projektoren von Christie (423), die die Hobbit-Filme auch im HFR-Modus mit 48 Bildern pro Sekunde zeigen können, und 3D-Sound in Form von Dolby Atmos finden sich im Saal 1 (Grundriss). Trotz des Rückbaus von rund 1.200 auf 850 Plätze ist er damit der größte Saal Deutschlands, der Dolby-Atmos-Technik bietet. Das Raumklangsystem arbeitet mit bis zu 128 Kanälen und kann diese auf 64 Lautsprecher verteilen. Viele davon befinden sich in der Deckenkonstruktion. Das Setup ist den jeweiligen Kinos überlassen. Im Zoo Palast werden 40 Kanäle verwendet. Gerade einmal sechs weitere Kinos können Dolby-Filme mit Atmos-Tontechnik in einigen Sälen zeigen: Cinecitta (Nürnberg), Traumpalast (Backnang nahe Stuttgart), IMM UCI (Düsseldorf), UCI Ruhr Park (Bochum) sowie die ebenfalls in Berlin befindlichen Kinos Cinestar Original und Am Eastgate.

Ein brachial lauter Saal 1 des Zoo Palasts

Der Dolby-Atmos-Ton ist teilweise brachial laut, aber auch fein verortbar, wie eine Vorführung am 21. November gezeigt hat. Vorgeführt wurde eine in Dolby Atmos abgemischte, mehrere Minuten lange Tauchszene, die ein gleichermaßen beeindruckendes wie bedrückendes Raumgefühl erzeugte. Der Besucher hatte das Gefühl, im Wasser zu stecken. Zur Eröffnung wurden zwei Dolby-Atmos-Trailer sowie ein nur für den Zoo Palast erstellter Trailer vorgeführt, der die Fähigkeiten der 155.000-Watt-Anlage in Saal 1 demonstrierte. Das Publikum applaudierte spontan - obgleich letztendlich nichts gezeigt wurde, was in Berlin nicht schon in dem Cinestar Original, das fast nur englische Filme ohne Untertitel zeigt, und dem Kino Am Eastgate möglich ist. Das zeigte sich beispielsweise bei Oblivion, einem Dolby-Atmos-Film, keinem Upmix, im Saal 5 des Cinestar Orignal. Dort sind die Deckenlautsprecher feiner verortbar, doch der Ton ist nicht ganz so imposant.

Von diesen Kinos hebt sich der Zoo Palast nicht durch Technik, sondern durch das kontrastierende Nostalgieambiente ab. Die sieben Säle sind im Flair der 1950er Jahre designt und werden doch mit moderner Vielfarben-LED-Beleuchtung bestrahlt, die auch für Lichtspiele verwendet werden kann, im Saal 1 sogar in Verbindung mit einer Regenwand. Das Personal kümmert sich im Retro-Look um die Gäste und bedient sie sogar an den Logenplätzen, die 2,50 Euro extra kosten. Es gibt an manchen Plätzen ausfahrbare Fußstützen, Sessel mit verstellbarer Rückenlehne und viel Beinfreiheit. Sie sind exklusiv: Gerade einmal zwei Reihen in der Mitte des Saals 1 sind als Loge definiert. Das sind etwas mehr als 50 von 850 Plätzen. Dazu gibt es ein Begrüßungsgetränk und Besucher können kostenlos ihre Garderobe abgeben. Aber auch die normalen Sitzplätze bieten deutlich mehr Platz als Logenplätze in Multiplex-Kinos.

Filmrollen und 4K

Die Mischung aus Nostalgie und moderner Technik erstreckt sich auf den Projektorraum. Dort stehen nicht nur die beiden 4K-Projektoren, sondern auch zwei Altprojektoren: ein 35-mm-Projektor und ein 70-mm-Projektor. Kühle und kompakte Festplattentechnik gegen kilometerlange Filmbänder mit Tonspur im Originalformat.

Mehr etwas für die Optik als für die Praxis sind die wenigen beengten Kassen im Stil des letzten Jahrhunderts im Foyer. Sie will der Betreiber mit dem Onlineverkauf entlasten. Mit Hilfe von QR-Code-Tickets kommt der Besucher dann schneller ins Kino. Karten können dabei ohne Aufpreis online gekauft werden. Die Cinestar-Kinos verlangen hingegen einen Aufpreis. Auch andere Technik wird berücksichtigt: Nervige Handytelefonate will der Kinobetreiber mit Hilfe von Aufpassern unterbinden. Nachos wird es übrigens auch nicht geben, die machen zu viel Lärm.

Mit diesem Konzept will Betreiber Flebbe alte Kinogänger von den Multiplexen und den Heimkinos zurückholen und sich auch etwas in der Werbung einschränken. Allerdings kostet der Luxus. Ein Ticket im normalen Platzbereich kostet bis zu 11 Euro. Mit dem Logenzuschlag sind es dann 13,50 Euro. Früher war Kino günstiger.  (ase)


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