Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/branchenveteran-wolfgang-walk-immer-wieder-neu-lackierter-dreck-1311-102892.html    Veröffentlicht: 21.11.2013 16:42    Kurz-URL: https://glm.io/102892

Spielentwickler Wolfgang Walk

"Immer wieder neu lackierter Dreck"

Spielentwickler Wolfgang Walk (Albion, Die Siedler, Incubation, Schleichfahrt) rechnet mit der Games-Branche ab: Sie habe ihre Kreativität und Subversivität verloren.

"Besonders furchtbar ist es im AAA-Bereich", schreibt Wolfgang Walk. Der Branchenveteran, der bei Blue Byte an Klassikern wie Albion, Die Siedler, Incubation und Extreme Assault mitgearbeitet hat, rechnet in seinem Blog mit hierzulande ungewohnter Härte mit der Spieleindustrie ab. Mit offensichtlichem Bezug auf Call of Duty und Battlefield sieht er eine "Handvoll Giganten mit Milliardenumsätzen, die mit gegenseitig abgestimmten Release-Kalendern dem Spieler den immer wieder neu lackierten Dreck vorsetzt". Der Markt werde "von Menschen auf dem ethischen Niveau von Waffenhändlern" beherrscht.

Walk schreibt, dass er Computerspiele an sich liebt: "Für mich ist es keine Frage, dass Games das Zeug haben (oder besser: hatten), die große Kunstform der Gegenwart zu sein", aber sie hätten eben schon vor Jahren ihre "Seele, Kreativität und Subversivität verkauft".

Massive Fehlentwicklungen gibt es nach Auffassung von Walk nicht nur im AAA-Segment, sondern auch im Bereich Free-to-Play: Den hätten sich "zum größten Teil Anzüge angeeignet, für die ein Spiel nicht mal mehr Ware ist", sondern eben nur noch ein Produkt, mit dem Geld verdient werde.

Auch an den Indie-Games, denen an sich offenbar durchaus die Sympathie von Walk gehört, lässt er kein gutes Haar. "Letzten Endes dient der Indie-Bereich als selbstausbeuterischer Qualifikationsnachweis, um dann anschließend im AAA- oder FTP-Bereich (in der Regel immer noch selbstausbeuterisch) arbeiten zu dürfen." Titel wie Minecraft seien da eher die große Ausnahme und nicht die Regel.

Walk sagt, dass die Entwicklung der großen Blockbuster heutzutage "vorwiegend eine Materialschlacht" sei, "in der es auf eine Handvoll Millionen nicht mehr ankommt, da am Tag eins mit der Hilfe von unentrinnbaren Marketingkampagnen und einer überwiegend nur komplizenhaften Presse 20 Millionen Kopien in den Markt gedrückt werden und ein mittlerer neunstelliger Umsatz an Tag eins fast schon als Flop gilt."

Sonderlich große Hoffnungen auf Veränderungen in der Branche macht sich Wolfgang Walk offenbar nicht. Änderungen könnten nur von den Kunden ausgehen, die aber in erster Linie die Millionenprojekte kauften und Indies missachteten.  (ps)


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