Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sicherheit-mit-linux-mint-wuerde-ich-kein-onlinebanking-machen-1311-102830.html    Veröffentlicht: 19.11.2013 11:15    Kurz-URL: https://glm.io/102830

Sicherheit

"Mit Linux Mint würde ich kein Onlinebanking machen"

Der Ubuntu-Entwickler Oliver Grawert hat einen Streit um die Sicherheit der Ubuntu-basierten Distribution Linux Mint ausgelöst. Sicherheitskritische Updates werden nur zu spät oder gar nicht übernommen. Das Linux-Mint-Team reagiert prompt: Grawert habe keine Ahnung von der Distribution.

In einer Diskussion um ein neues Ubuntu-Derivat hat sich der Canonical-Entwickler missbilligend zur Updatepolitik von Linux Mint geäußert: Sicherheitskritische Pakete werden von der Ubuntu-basierten Linux-Distribution unzureichend oder gar nicht aktualisiert. Er würde daher davon abraten, mit Linux Mint Onlinebanking zu machen, schreibt der Ubuntu-Entwickler Oliver Grawert. Linux-Mint-Initiator Clement Lefebvre wirft Grawert seinerseits Ahnungslosigkeit vor. Anwender könnten selbst bestimmen, welche Software in Linux Mint aktualisiert werden könne.

Grawerts Kommentar fiel in einer Diskussion auf Ubuntus Entwickler-Mailingliste über eine mögliche neue Ubuntu-Variante mit dem Mate-Desktop. Mate wird als Fork von Gnome 2 entwickelt, dessen Pakete weder in den offiziellen Softwarequellen von Ubuntu noch in denen von Debian bereitgestellt werden, aus denen auch etliche Ubuntu-Pakete stammen. Grawert nannte aber nicht die Pakete des Mate-Desktops als mögliche Unsicherheitsquelle, sondern listete den Grafikserver X.org, den Linux-Kernel, den Browser Firefox sowie den Bootloader und weitere Softwarepakete auf, die in Linux Mint nicht zwingend aktualisiert werden. Er zitiert dabei aus der Datei Mintupdate-Rules, die vor Updates zahlreicher Softwarepakete warnen.

Mehrstufige Updates

Tatsächlich dient Mintupdate-Rules als Vorlage für den Mint-eigenen Update Manager, der Aktualisierungen in fünf Stufen einteilt. Diese Stufen weisen auf mögliche Instabilitäten des Betriebssystems hin, die nach einem Update auftreten, etwa wenn die von Nvidia bereitgestellten proprietären Treiber nicht mit einer neueren Version des Linux-Kernels funktionieren.

Diese Vorgehensweise sei bereits 2007 vom Linux-Mint-Team beschlossen worden, um Anwender vor einem nicht mehr funktionierenden System zu bewahren, schreibt Lefebvre in seiner Replik auf die Vorwürfe. In der Vergangenheit habe es bei Ubuntu immer wieder Regressionen bei Aktualisierungen gegeben.

Der Browser Firefox werde in Linux Mint ohnehin standard- und regelmäßig aktualisiert. Lediglich in der Linux Mint Debian Edition (LMDE) sei Firefox bis vor kurzem noch nicht schnell genug aktualisiert worden. Lefebvre vermutet, dass sich Grawert in seinem Posting darauf bezog. Dort sei das Browserupdate aber inzwischen automatisiert worden. Daher werden auch hier Aktualisierungen schneller ausgeliefert.

Updates nach Wahl

Im Update Manager könne der Anwender selbst bestimmen, welche Aktualisierungen er auch direkt von Ubuntu übernehmen könne. Die Stufen 1 bis 3 weisen Updates als unbedenklich aus. Firefox sei bei Linux Mint in Stufe 2 eingeordnet. Aktualisierungen in Stufen 4 und 5 können laut Linux Mint zu einem instabilen System führen, die Begründungen dafür sind in der Datei Mintupdate-Rules. Daher seien diese Stufen standardmäßig deaktiviert. Sie können vom Anwender dennoch jederzeit eingeschaltet werden, schreibt Lefebvre. Ohnehin sei die Diskussion aufgeblasen worden. Er habe den Eindruck, dass bei Canonical kaum einer genau wisse, welche Pakete Linux Mint von Ubuntu beziehe. Das gehe auch aus seiner Korrespondenz mit Canonicals Rechtsabteilung hervor, mit der er gegenwärtig über die Lizenzierung von Ubuntu-Paketen diskutiere. Seit Mint 9 im Jahr 2010 erschien, melde sich der User Agent der Linux-Distribution ohnehin als "Ubuntu".

Er möchte sich lieber um die Fehlersuche in Linux Mint 16 RC1 kümmern, statt sich um die mangelnden Kenntnisse Canonicals und aufgeblähten Meldungen aus der Presse zu kümmern, schließt Lefebvre seinen Blogpost.  (jt)


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