Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ipad-mini-retina-im-test-pixel-die-ins-gewicht-fallen-1311-102785.html    Veröffentlicht: 16.11.2013 13:34    Kurz-URL: https://glm.io/102785

iPad Mini Retina im Test

Pixel, die ins Gewicht fallen

Das iPad Mini Retina ist eine Dreiviertelversion des iPad Air: leistungsfähig und schick. Doch obwohl es für seine Größe nicht schwerer ist, fühlt es sich so an.

Als Apple vor zwölf Monaten das iPad Mini auf den Markt brachte, war das Retina-Display bei den 10-Zoll-iPads bereits Standard. In der 7,9-Zoll-Variante fehlte es. Der A5-Prozessor im ersten Mini war außerdem weniger leistungsfähig als die CPU im iPhone 5 und damit auf dem Stand des iPad 2. Beide Probleme geht Apple mit dem neuen iPad Mini an und rüstet es mit dem ersten 7,9 Zoll großen Retina-Display im bekannten 4:3-Format sowie dem aktuellen hauseigenen A7-Prozessor aus. Daher ist jetzt alles schöner und schneller, aber auch ein wenig dicker, schwerer und leistungshungriger. Das besonders geringe Gewicht, das uns beim Testen des ersten iPad Mini noch so gut gefallen hat, wird nicht gehalten.

Das iPad Mini Retina misst 200 x 134,7 x 7,5 mm und wiegt 331 Gramm. Die LTE-Version kommt auf 340 Gramm. Damit ist es zwischen 20 und 30 Gramm schwerer als das Vorgängermodell. Das ist durchaus spürbar, aber kaum störend. Bei den Kameras verbaut Apple die gleichen Komponenten wie im iPad Air: eine 5-Megapixel-Kamera auf der Rückseite und eine 720p-Linse für Facetime an der Vorderseite, die etwas lichtstärker geworden ist. Nach wie vor gibt es keinen Blitz auf der Rückseite.

Vor- und Nachteile des Mini-Retina-Displays

Das Retina-Display im neuen iPad Mini hat genauso viele Pixel (2.048 x 1.536) wie die hochauflösenden Bildschirme des iPad 3, 4 und Air. Nur in der sichtbaren Bildschirmdiagonalen von 7,9 statt 9,7 Zoll unterscheiden sie sich. Auch beim Seitenverhältnis bleibt Apple beim bewährten 4:3-Format. Die Vorteile von Apples blickwinkelstabilen und hochauflösenden IPS-Displays sind offensichtlich. Mit nicht wahrnehmbaren Pixeln sieht das Bild auf dem neuen iPad Mini so scharf aus wie auf einem Blatt Papier.

Die hohe Pixeldichte von 326 dpi (dots per inch) ist identisch mit der des iPhone 5S und höher als beim iPad Air. Mit dem Auge lassen sich diese Unterschiede kaum ausmachen. Hoch aufgelöste Grafiken werden extrem scharf dargestellt, niedrig aufgelöste Objekte sehen umso unschöner aus. Der Zoom auf Absätze in Textdokumenten oder zum Ausmachen feiner Details auf Fotos entfällt. Durch die sehr kompakte Bauweise übt der Anwender bei starkem Druck auf die Oberfläche zusätzlich Last auf das Display aus, was sich schneller in unschönen Schlieren zeigt als beim Vorgänger.

Das Retina-Display ist keine Neuheit mehr und viele Geräte mit Android liefern eine vergleichbare Pixeldichte zu einem günstigeren Preis als Apple. Das aktuelle Nexus 7 bringt zum Beispiel 1.920 x 1.200 Pixel auf 7 Zoll unter. Amazon stattet seine Kindle-Fire-Serie ebenfalls mit hochauflösenden Displays aus.

Im direkten Vergleich unterscheiden sich die maximalen und minimalen Helligkeitswerte von altem und neuem iPad Mini kaum, sie sind jedoch sichtbar. Das alte Mini ist bei der kleinsten manuellen Helligkeitseinstellung etwas heller als das neue.

Benchmarks und Sound

Das iPad Mini mit Retina-Display ist in Benchmarks bis zu fünfmal so schnell wie das erste Mini. Der A7-Chip ist der gleiche, der auch im iPhone 5S und im iPad Air verbaut wird. Die Variante im neuen iPad Mini Retina ist wie das iPhone 5S mit 1,3 GHz getaktet. Die zwei Prozessorkerne im iPad Air laufen mit knapp 100 MHz mehr. Wie alle anderen Apple-Produkte mit dem A7-SoC unterstützt auch das iPad Mini Retina 64 Bit und hat den M7-Koprozessor zur Seite.

Während das alte iPad Mini im 3DMark bei 10 bis 13 Bildern pro Sekunde sichtbar ruckelt, muss das iPad Mini Retina die "Unlimited" genannte Variante des Benchmarks durchlaufen. Die beiden Standardtests liefern sonst nur das Ergebnis "maxed out". Die abschließenden Werte fallen beim iPad Mini Retina mit über 14.355 Punkten mehr als fünfmal so hoch aus wie beim Vorgänger. Ein ähnliches Bild zeichnen Durchläufe des Geekbench 3 auf beiden Geräten. Hier kommt das alte iPad Mini auf einen Wert von 264 im Test für den einzelnen Prozessorkern und 496 für mehrere Kerne. Das iPad Mini Retina erreicht erneut rund fünfmal so hohe Werte. Das iPad Air ist hier mit 2.675 (Multicore) vorn. Das iPhone 5S liegt mit 2.550 gleichauf mit dem iPad Mini Retina.

Besseres Stereo, das dennoch meistens Mono bleibt

Die Klangentfaltung des iPad Mini Retina gefällt uns etwas besser als beim letztjährigen Mini. Vor allem beim Bass sind Unterschiede hörbar, die neuen Lautsprecher klingen etwas wuchtiger.

Die Stereolautsprecher sind unten am Gerät links und rechts vom Lightning-Steckplatz angebracht, genau wie beim iPad Air. Von dem eigentlichen Stereoeffekt bleibt also auch beim neuen iPad Mini wenig übrig, da sie meist beide in eine Richtung tönen.

Kürzere Ladezeiten und schönere Spiele

Spiele wie Infinity Blade 3 oder Riptide GP 2 starten schneller. Besonders Real Racing 3 läuft sichtbar flüssiger. In EAs Rennspiel stößt das alte iPad Mini zuweilen an seine Leistungsgrenzen und ruckelt. Im noch recht neuen Titel Epoch 2 werden vom iPad Mini Retina viel schärfere Texturen verwendet als auf dem ersten iPad. Letzteres kämpft zusätzlich mit einigen Rucklern, die die Spielbarkeit belasten.

Auf dem iPad Mini Retina startet Infinity Blade 3 in elf Sekunden. Das alte iPad Mini benötigt lästige 36 Sekunden. Riptide GP 2 startet auf dem neuen Mini verglichen mit dem Vorgängermodell mehr als doppelt so schnell. Bei Real Racing 3 beträgt der Zeitunterschied zehn Sekunden. Statt 25 Sekunden wie auf dem alten Mini benötigt der Titel nur 15 Sekunden auf dem neuen Modell.

Unterschiede abseits von Spielen

Auch beim Surfen im Internet sind Unterschiede sichtbar. Webseiten mit vielen großen Bildern wie Interfacelift.com bleiben nicht lange im Cache des ersten iPad Mini. Bei jedem Besuch einer Seite muss also alles neu geladen werden. Das iPad Mini Retina profitiert in diesem Bereich von mehr Hauptspeicher - 1 GByte statt 512 MByte.

Den größten Unterschied bemerkten wir im App Store unter dem Reiter unserer getätigten Einkäufe. Die Liste ruckelt beim Scrollen deutlich auf dem iPad Mini, auf dem iPad Mini Retina stockt sie nur sehr selten.

33 Prozent höhere Leistungsaufnahme

Apple hat das Leistungsvermögen des Akkus von 16 Wattstunden beim Vorgänger auf nun 24 Wattstunden erhöht, um ausreichend Licht durch das Vierfache der Pixel zu schicken. Der vergrößerte Akku dürfte auch der Hauptgrund für die größeren Maße des iPad Mini Retina sein: Es wiegt 30 Gramm mehr als der Vorgänger und ist 0,3 mm höher.

Die Leistungsaufnahme haben wir bei vollgeladenen iPads direkt an der Steckdose gemessen, nachdem durch den Ladevorgang keine Leistungsaufnahme mehr nachweisbar war. Der Energiebedarf ist höher als beim Vorgänger. Beim Spielen von Infinity Blade 3 mit voller Helligkeit verbraucht das iPad Mini Retina rund 7,5 Watt, während das erste iPad Mini nur 5 Watt benötigt. Zum Vergleich: Das iPad Air braucht 9,7 Watt.

Bei der Akkulaufzeit interessierte uns wie beim Test vom iPad Air ein Vergleich unter Last mit dem direkten Vorgänger. Nach einer Stunde Infinity Blade 3 sank die Akkukapazität beim alten und neuen iPad Mini um ungefähr 20 Prozentpunkte. Nach einer weiteren Stunde mit Epoch 2 waren auf dem alten iPad Mini noch 58 Prozentpunkte, auf dem neuen sogar 61 Prozentpunkte übrig. In diesem Worst-Case-Szenario kamen wir auf knapp über vier Stunden Akkulaufzeit bei sehr hoher Belastung durch weitere Benchmarks für beide Geräte. Damit bietet Apple nach wie vor die konstant hohe Akkulaufzeit von knapp zehn Stunden, die für einen normalen Tag mit Spielen, Websurfen und Musikhören ausreicht.

Für genügend Stromzufuhr sorgt das gleiche 12-Watt-Netzteil wie beim iPad Air. Das erste iPad Mini wurde mit einem kleineren und leichteren 5-Watt-Netzteil verkauft. Eine volle Ladung nach der Selbstabschaltung bis auf 100 Prozent dauerte bei unserem neuen Testgerät vier Stunden und zehn Minuten. Danach lädt das iPad Mini Retina noch einige Zeit lang mit schwächerem Ladestrom nach.

Verfügbarkeit und Fazit

Das iPad Mini mit Retina-Display wird von Apple bereits verkauft, ist jedoch nicht in allen Größen sofort lieferbar. Die Varianten reichen von 16 bis 128 GByte Speicher. Der Einstiegspreis liegt bei 389 Euro. Das iPad Mini ist in den Farben Schwarzgrau und Silber erhältlich. Die Versionen mit Mobilfunkmodem sind jeweils 120 Euro teurer und benötigen eine Nano-SIM-Karte. Insgesamt 14 LTE-Bänder unterstützt das iPad Mini Retina.

Fazit

Nutzer des iPad Mini mit Retina-Display gehen nun noch weniger Kompromisse ein als letztjährige Käufer von Apples kleinem Tablet. Endlich stimmen auch Auflösung und Leistung beim Mini. Anwender, die sich nicht an den Limitierungen von iOS stören, erhalten ein sehr gutes, wenn auch teures Gesamtpaket. Das Format gefällt uns weiterhin: Fast alle Golem.de-Redakteure bevorzugen 7- und 8-Zoll-Tablets gegenüber den größeren Modellen aufgrund der angenehmen Mobilität.

Gerade deshalb ist es schade, dass das Mini etwas Gewicht zugelegt hat. Obwohl es eigentlich eine Dreiviertelversion des iPad Air ist - sowohl bei der Größe als auch beim Gewicht -, wirkt es nicht so schlank und leicht. Wer das neue iPad Mini Retina in eine und das iPad Air in die andere Hand nimmt, wundert sich darüber, wie leicht das iPad Air ist, da sich das Gewicht bei mehr Größe besser verteilt. Das neue Mini wirkt dagegen fast etwas klobig, obwohl es deutlich weniger wiegt.

Sehr viel schwerer als der Vorgänger ohne Retina-Display ist das neue Mini allerdings nicht geworden. Das lässt erahnen, was Apple bauen könnte, wenn nicht das Display, sondern Gewicht und Maße Priorität hätten: ein noch viel leichteres, aber dennoch leistungsfähigeres Tablet.

Nutzer, die ihr Tablet lange in einer Hand halten und beispielsweise viel lesen, könnte das für diese Größe vergleichsweise hohe Gewicht des iPad Mini Retina stören. Da lohnt sich ein zweiter Blick auf das neue Kindle-Fire-HDX oder Googles Nexus 7, die beide unter 300 Gramm wiegen.  (mw)


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