Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ubuntu-trademark-eff-widerspricht-canonicals-rigider-markenwahrnehmung-1311-102752.html    Veröffentlicht: 14.11.2013 13:03    Kurz-URL: https://glm.io/102752

Ubuntu-Trademark

EFF widerspricht Canonicals rigider Markenwahrnehmung

Canonical hatte den Betreiber der kritischen Webseite Fix Ubuntu gebeten, auf die Nutzung des Logos der Distribution zu verzichten. Mittlerweile räumt das Unternehmen ein Versehen ein, die EFF gibt sich in einer grundlegenden Position aber noch nicht zufrieden.

Es sei nur ein Versehen und nicht beabsichtigt gewesen, die kritische Webseite Fixubuntu.com zensieren zu wollen, heißt es im Canonical-Blog und auch bei Mark Shuttleworth. Das Unternehmen müsse aber seine Rechte an der Marke durchsetzen, um nicht Gefahr zu laufen, diese zu verlieren. In einer offiziellen Stellungnahme der Electronic Frontier Foundation (EFF) akzeptiert die Organisation zwar, dass Canonical nicht bösartig habe handeln wollen, mit der Argumentation will sich die EFF aber nicht abfinden.

Redefreiheit und Markenverlust

Denn zum einen erlaube der erste Verfassungszusatz also die Redefreiheit jedweder Art von nichtkommerzieller Nutzung einer Marke, insbesondere auch eine Auseinandersetzung mit dieser. Glücklicherweise lebten wir nicht in einer Welt, in der es die Erlaubnis eines Rechteinhabers brauche, um deren Marken zu kritisieren.

Zum anderen widerspricht die EFF aber dem "Mythos", dass Markenrechte zwingend durchgesetzt werden müssten, um die Rechte daran nicht zu verlieren. Denn es gebe tatsächlich nur sehr wenige Voraussetzungen, die diese Aberkennung rechtfertigen würden. Dazu gehört etwa, wenn der Name eines Produktes in den Standard-Sprachgebrauch übergeht, wie dies in den USA bei Zypper (Reißverschluss) und Escalator (Rolltreppe) der Fall gewesen sei. Das heißt, solange Ubuntu kein allgemeingültiger Ausdruck für Betriebssystem werde, wird Canonical die Markenrechte daran auf keinen Fall verlieren.

Die zweite Möglichkeit, die Rechte an einer Marke zu verlieren, ist, die Marke über mehrere Jahre hinweg nicht mehr zu verwenden. Nicht gegen Rechtsverletzungen vorzugehen, heiße aber eben nicht, dass ein Unternehmen eine Marke aufgebe. Mit dieser Erklärung möchte die EFF grundlegend auf den Missstand der übereifrigen Rechtsdurchsetzung hinweisen. Denn dies sei einzig "großartig für Anwälte, aber irritierend und kostspielig für alle anderen."

Fix Ubuntu

Auf der Webseite Fixubuntu.com stellt der EFF-Mitarbeiter Micah Lee eine Anleitung bereit, mit der sehr schnell die Weiterleitung der Unity-Dash-Suche auf fremde Server unterbunden werden kann. Wie vor einer Woche bekanntwurde, hat die Rechtsabteilung von Canonical mit einem Cease-And-Desist-Letter, ähnlich einer deutschen Abmahnung, Lee dazu aufgefordert, das Ubuntu-Logo nicht weiter zu verwenden.

Dieser hat daraufhin das Logo entfernt, wird aber weiterhin den Namen der Domain behalten und weist nun in einer etwas polemisch formulierten Haftungsablehnung darauf hin, dass die Webseite in keiner Weise mit Canonical assoziiert sei und auch nicht von dem Ubuntu-Macher anerkannt.  (sg)


Verwandte Artikel:
Fix Ubuntu: Canonical setzt Marke gegen kritische Webseite ein   
(08.11.2013, https://glm.io/102640 )
RHEL 7.4: Red Hat beendet Unterstützung für Btrfs   
(02.08.2017, https://glm.io/129266 )
Virtualisierung: Microsoft will einfach nutzbare Ubuntu-Gäste für Hyper-V   
(01.03.2018, https://glm.io/133082 )
Streit mit Google: Amazon löscht Chromecast-Eintrag wieder   
(09.03.2018, https://glm.io/133237 )
Librem 5: Purism-Smartphone bekommt Smartcard für Verschlüsselung   
(09.03.2018, https://glm.io/133248 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/