Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wikipedia-software-soll-sockenpuppen-suchen-1311-102748.html    Veröffentlicht: 14.11.2013 11:57    Kurz-URL: https://glm.io/102748

Wikipedia

Software soll Sockenpuppen suchen

Bisher müssen die Autoren der Onlineenzyklopädie Wikipedia mühsam nach falschen Nutzern suchen. Eine Software, die Forscher in den USA entwickelt haben, soll ihnen künftig helfen: Sie identifiziert Nutzer an ihrem Schreibstil.

Sockenpuppen, also Mehrfachnutzerkonten, sind ein großes Problem für die Mitmachenzyklopädie Wikipedia: Nutzer melden sich mehrfach unter verschiedenen Identitäten an und manipulieren Einträge. Sie ausfindig zu machen, ist jedoch schwierig: Zwar könnten die Betreffenden anhand ihrer IP-Adressen identifiziert werden. Die können aber aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes die wenigen Administratoren einsehen. Die Wikipedianer müssen die Sockenpuppen deshalb anhand ihrer Texte identifizieren. Eine neue Software könnte ihnen dabei in Zukunft helfen.

Entwickelt wurde sie von einer Gruppe Wissenschaftler der Universität des US-Bundesstaates Alabama in Birmingham. Sie analysiere den Schreibstil von Artikeln und identifiziere daran den Autor, erklären die Forscher um Ragib Hasan in einem Aufsatz, der auf dem Dokumentenserver Arxiv veröffentlicht ist.

Als Datenbasis dienten den US-Forschern frühere Ermittlungen gegen Nutzer, die sich unter mehreren Namen angemeldet hatten. Darauf setzten sie den Algorithmus an. Der untersucht die Texte auf über 200 Merkmale wie etwa Wortwahl oder grammatikalische Eigenheiten.

Kurze Texte

Die Schwierigkeit sei dabei, dass die Texte in der Wikipedia oft sehr kurz seien, sagte Thamar Solorio, einer der Autoren der Studie, dem britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist. Die Software habe dadurch nur wenig Material zur Verfügung, mit dem sie arbeiten könne. Dennoch soll sie mit einer Genauigkeit von 75 Prozent erkennen, ob es sich bei einem Nutzer um eine sogenannte Sockenpuppe handelt.

250 Nutzerkonten gesperrt

Im Oktober waren über 250 solcher falschen Konten gesperrt worden. Hinter ihnen steckte offensichtlich eine Werbeagentur, die eine Sockenpuppen-Armee angelegt hatte, um in der Wikipedia Werbung für Organisationen und Produkte zu machen.

Bezahltes Schreiben in der Wikipedia sei "extrem problematisch", schrieb Sue Gardner, Chefin der Wikimedia Foundation, seinerzeit. Es verletze die Grundregeln der Wikipedia und werde als "Black-Hat-Methode" eingestuft.  (wp)


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