Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nexus-5-im-test-schlicht-schick-1311-102604.html    Veröffentlicht: 07.11.2013 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/102604

Nexus 5 im Test

Schlicht schick

Äußerlich ist das neue Nexus 5 von LG schlicht. Innen arbeitet aber kräftige und aktuelle Hardware. Nur bei der Kamera hat sich LG zurückgehalten. Die überraschte uns dennoch.

Mit dem Nexus 5 reicht LG im Auftrag von Google das nächste Referenzgerät für Googles mobiles Betriebssystem nach. LG hat zum zweiten Mal hintereinander das Google-Smartphone für Android entwickelt, diesmal mit der Version 4.4 alias Kitkat. Trotz kräftiger Hardware ist das Gerät äußerlich eher unscheinbar. Die Kamera überraschte allerdings.

Der erste Eindruck von unserem Nexus 5: Es ist schlicht. Es hat keinen Rahmen im Metallic-Look, Seiten und Rückseite sind komplett in mattem Schwarz gehalten. Es sieht kompakter und leichter aus als sein Vorgänger, das Nexus 4, das ebenfalls von LG stammt. Liegen die beiden Smartphones nebeneinander, wird deutlich, dass sie fast gleich groß sind. Das neue Nexus 5 ist mit 137,9 x 69,2 x 8,6 mm etwas schmaler und dünner als das Nexus 4, vor allem aber erkennbar länger. Die leicht abgerundeten oberen und unteren Kanten sowie die konvexe Rückseite verstärken den insgesamt schlanken Eindruck noch.

Das Nexus 5 wiegt mit 130 Gramm etwa 8 Gramm weniger als das Nexus 4. Zum Vergleich: HTCs metallenes One misst 137,4 x 68,2 x 9,3 mm und wiegt 143 Gramm, das Galaxy S4 von Samsung ist 137 x 70 x 7,9 mm groß und 137 Gramm schwer.

Ohne Micro-SD-Karte

Einzig der winzige Spalt zwischen Rahmen und Rückseite des Nexus 5 unterbricht das ansonsten im einheitlichen matten Kunststoff gehaltene Gehäuse. Dort lässt sich die rückseitige Abdeckung schon mit einem Fingernagel anheben. Abgenommen werden soll sie aber nicht. Für die Micro-SIM-Karte gibt es einen seitlich im Rahmen platzierten Einschub, der mit einem mitgelieferten Dorn entfernt werden kann. Für eine Micro-SD-Karte gibt es hingegen keinen Steckplatz. Wie bei den meisten Nexus-Vorgängern muss der Anwender auch beim Nexus 5 auf zusätzlichen Speicherplatz verzichten.

IFixit hat das Nexus 5 bereits auseinandergenommen und bestätigt, dass sich die Rückseite leicht abnehmen lässt. Der dort verborgene Lithium-Ionen-Akku hat eine Nennladung von 2.300 mAh und eine Kapazität von 8,74 Wattstunden. Insgesamt vergibt iFixit für die Reparierbarkeit des Nexus 5 gute Noten, die Komponenten lassen sich vergleichsweise gut reparieren. Nur das kratzresistente Mineralglas ist auf den IPS-Touchscreen aufgeklebt.

Gute Benchmarkergebnisse

Der Bildschirm hat eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln bei einer Bildschirmdiagonalen von 4,95 Zoll. Damit ergibt sich eine Pixeldichte von 445 ppi. Der Bildschirm zeigt natürliche, satte Farben mit erwartungsgemäß hohem Kontrast und ist weitgehend blickwinkelstabil. Im Vergleich ist das Display des Vorgängers Nexus 4 deutlich dunkler und das eines HTC One blaustichiger. Die Farben auf dem Nexus 5 wirken deutlich wärmer, ohne einen Farbstich zu haben. Selbst bei Sonnenlicht ist das Display gut lesbar, der Helligkeitssensor funktioniert zuverlässig. Auf Eingaben reagiert der IPS-Touchscreen zuverlässig.

Im Vierkernprozessor Snapdragon 800 MSM8974 von Qualcomm ist eine Adreno-330-GPU integriert, die für eine ruckelfreie Wiedergabe sorgt. Im Browser lässt sich damit flüssig scrollen. Anspruchsvolle 3D-Spiele laufen auf dem Nexus 5 durchweg flüssig, ebenso HD-Spielfilme.

Ordentliche Grafikleistung

Die Resultate der Grafik-Benchmarks auf dem Nexus 5 unterstreichen dessen Grafikleistung. Im 3DMark erhielten wir in den Benchmarks Ice Storm und Ice Storm Extreme eine Maxed-Out-Meldung. Das Gerät sei zu kräftig für diese Testläufe. Im anspruchsvollsten Benchmark Ice Storm Ultimate lag das Nexus 5 mit durchschnittlich 16.023 Punkten nur knapp hinter dem bei uns aktuell schnellsten Smartphone Xperia Z1 von Sony mit 17.507 Punkten. Das Nexus 4 schaffte noch 11.236 Punkte.

Bei den Fps-Messungen in GFXBench lagen das Nexus 5 und das Xperia Z1 in etwa gleichauf. In Egypt 2.5 im Onscreen-Modus schaffte das aktuelle Nexus 49 fps und liegt damit etwas unter den 52 fps des Xperia Z1. Im anspruchsvolleren T-Rex-Test 2.7 kommt das Nexus 5 auf 25 fps, während das Xperia Z1 24 fps erreicht. Mit seiner Adreno-320-GPU schlägt sich das etwa ein Jahr alte Nexus 4 mit 44 fps in Egypt 2.5 und sogar 25 fps in T-Rex 2.7 noch recht wacker. Das HTC One schaffte lediglich 39 fps in Egypt 2.5 und 14 fps in T-Rex 2.7.

Gut getaktet

Die mit 2,3 GHz getakteten vier Krait-400-Kerne des Snapdragon-800-Prozessors sorgen ebenfalls in den Benchmarks für eine ordentliche Leistung des Nexus 5. In Geekbench 3 im Single-Core-Modus schaffte das Gerät 822 Punkte im Vergleich zum Xperia Z1 mit 920 Punkten und liegt damit um fast 200 Zähler höher als das HTC One und das Galaxy S4 Active. Im Multi-Core-Modus liegt das Nexus 5 mit 2.555 Punkten ebenfalls knapp hinter dem Xperia Z1 mit 2.754 Punkten, jedoch um fast 1.000 Punkte vor Samsungs Galaxy 4 Active und dem HTC One.

Im Javascript-Benchmark Octane 1.1 schaffte das Nexus 5 hervorragende 4.153 Punkte, fast doppelt so viel wie die derzeit schnellsten von uns getesteten Geräte. Das deutet darauf hin, dass Google nochmals die Javascript-Engine in dem Chrome-Browser in Android 4.4 verbessert hat. Auch in der kürzlich erschienenen Version 2.0 von Octane schaffte das Nexus 5 3.983 Punkte. Zum Vergleich: Der Vorgänger Nexus 4 kam im Chrome-Browser unter Android 4.3 auf 2.175 Punkte und das HTC One schaffte im Standardbrowser von Android 4.2.2 1.906 Punkte.

Mäßige Akkulaufzeit bei hellem Bildschirm

Die von uns verwendeten Akkulaufzeittests funktionierten allesamt nicht oder brachen vorzeitig ab. Auch die Überwachung der Akkulaufzeit funktioniert nicht mehr ohne weiteres unter Android 4.4. Laut einem Bericht von Techhive soll das daran liegen, dass die Funktion ACCESS_BATTERY_STATS deaktiviert wurde. Im Antutu-Battery-Tester erhielten wir aber Informationen über die verbleibende Kapazität. Ob sie zuverlässig sind, konnten wir nicht feststellen. Bei voller Bildschirmhelligkeit, aktiviertem WLAN und LTE sowie dem regelmäßigen Abrufen von E-Mails und Twitter-Nachrichten sowie gewohnter Nutzung hielt der Akku des Nexus 5 einen Tag durch. Setzten wir hingegen die Bildschirmhelligkeit auf automatisch, mussten wir das Smartphone erst im Laufe des Nachmittags des nächsten Tages an das Ladegerät hängen. Das Nexus 5 kann wie das Vorgängermodell auch drahtlos geladen werden.

Das Smartphone unterstützt Quad-Band-GSM, UMTS und - anders als das aktuelle Nexus 4 - auch LTE. WLAN beherrscht das Gerät nach 802.11a/b/g/n und ac. Bluetooth läuft in der Version 4.0, ein GPS-Modul und ein NFC-Chip sind eingebaut.

Beim Lautsprecher gemogelt

In unserem Nexus 5 sind 16 GByte Speicher verbaut. Davon bleiben etwa 12 GByte für Anwenderdaten und Apps übrig. Wie bereits erwähnt, hat LG auf einen Steckplatz für eine externe Speicherkarte verzichtet. Der Arbeitsspeicher beträgt 2 GByte.

Beim Lautsprecher hat LG ein wenig gemogelt. Auf der unteren Längsseite sind zwei Öffnungen für den Klang zu sehen. Tatsächlich gibt es aber nur einen Lautsprecher, der auf der linken Seite liegt. Dem Klang fehlen die Mitten und er franst in den Höhen leicht aus. Er ist etwas besser als auf den meisten anderen Smartphones seiner Klasse, kommt aber nicht annähernd an die hervorragende Klangqualität des HTC One heran.

Tolle Kamera, wackeliger Schalter

Die Kamera mit 8 Megapixeln macht für eine Smartphone-Kamera hervorragende Aufnahmen. Auch beim Hineinzoomen sind bis zu einer 1-zu-1-Betrachtung so gut wie keine Artefakte zu sehen. In den Standardeinstellungen bei guten Lichtverhältnissen sind die Farben naturgetreu, der Kontrast ist gut und der automatische Weißabgleich funktioniert wie gewünscht. Bei Kunstlicht hat die Kamera etwas Schwierigkeiten beim Weißabgleich, mitunter wirken die Aufnahmen auch etwas überbelichtet. Bei kaum vorhandenem Umgebungslicht fehlen naturgemäß die Details, die Aufnahmen sind dennoch recht gut. Im Vergleich zu den Aufnahmen mit dem lichtempfindlicheren Sensor im HTC One schneiden sie allerdings deutlich schlechter ab. Dafür bringt das Nexus 5 aber ein entsprechendes LED-Fotolicht mit. Der Autofokus funktioniert unter fast allen Lichtverhältnissen zuverlässig und zügig. Die Frontkamera für die Videotelefonie hat 1,3 Megapixel.

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Der Ein- und Ausschalter hat in unserem Testgerät etwas viel Spiel in der Bewegung nach links und rechts. Wenn das Gerät geschüttelt wird, ist auch ein leichtes Klackern wahrnehmbar. Das melden auch zahlreiche Anwender im Forum der Webseite Xda-Developers. Der Nutzer Dean Saunders hat bereits eine - wenn auch etwas aufwendige - Lösung gefunden. Dabei dürfte aber die Garantie für das Gerät erlöschen. Er entfernte die Rückseite und eine Platine, fixierte den Schalter mit einem Papierschnipsel und hielt alles auf einem Video fest. Statt Papier funktioniere auch ein zugeschnittener Streifen Klebeband, schreibt ein weiterer Nutzer unter dem Youtube-Video.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Nexus 5 ist über Googles Play Store in den Farben Schwarz oder Weiß erhältlich. Mit 16 GByte Speicher kostet es 350 Euro, für die Variante mit 32 GByte will Google 400 Euro. Dazu kommen noch einmal 10 Euro Versandkosten. Zwischenzeitlich war die Variante mit 16 GByte ausverkauft, sie ist aber wieder verfügbar. Aktuell gibt Google für das weiße Modell eine lange Lieferzeit von zwei bis drei Wochen an. Beim schwarzen Modell sind es sogar vier bis fünf Wochen. Bis Ende November 2013 soll es das Nexus 5 dann auch bei Saturn und Media Markt geben, dort kostet aber die 16-GByte-Ausführung dann 50 Euro mehr, also 400 Euro.

Fazit

Auf bahnbrechende Hardware hat LG im Nexus 5 verzichtet. Der Prozessor gehört aber beispielsweise zu den gegenwärtig aktuellen, die auch in anderen High-End-Geräten verbaut sind, etwa in dem Xperia Z1 von Sony, das trotzdem etwa 50 Prozent mehr kostet. Im Nexus 5 ist er mit 2,3 GHz etwas höher getaktet als in den Geräten anderer Hersteller. LG hat mit dem Nexus 5 ein Gerät geliefert, das mit aktuellen High-End-Geräten mithalten kann und uns sehr gut gefällt. Das Nexus 5 lässt auch Android 4.4 alias Kitkat gut aussehen, für das ein eigener Test auf Golem.de folgen wird. Es gibt keine Ruckler und das Smartphone ist bis auf den wackeligen Schalter gut verbaut. Nicht nur Googles gewohnt niedrige Preise machen das Nexus 5 zu einem attraktiven Gerät.  (jt)


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