Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/motorola-project-ara-das-modulare-smartphone-von-google-1310-102406.html    Veröffentlicht: 29.10.2013 08:32    Kurz-URL: https://glm.io/102406

Motorola Project Ara

Googles Smartphone selbst zusammenstellen

Die Google-Tochter Motorola hat Project Ara der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Unternehmen arbeitet an einem Konzept eines modularen Smartphones. Der Käufer soll die Möglichkeit erhalten, sein Smartphone beliebig zu verändern, indem er die gewünschten Komponenten selbst auswählt.

Unter dem Projektnamen Ara arbeitet Motorola derzeit an der Entwicklung eines modularen Smartphones auf Open-Source-Basis. Das Ziel sei es, "für Hardware das zu erreichen, was Android für die Software erreicht hat", heißt es von Motorola. Die Google-Tochter will Smartphones auf den Markt bringen, die vom Kunden beliebig angepasst werden können. Dabei dürften die von Google aufgekauften Modu-Patente auch eine Rolle spielen. Im Unterschied zu Modu ist ein ganzes Ökosystem geplant, für das Drittanbieter Hardwarekomponenten entwickeln können.

Für Käufer wird es damit die Möglichkeit geben, selbst zu bestimmen, was für einen Touchscreen das Smartphone haben soll, mit welchem Prozessor es läuft und welche Kapazität der Akku haben soll. Aber auch die verwendete Kamera, die Größe des internen Speichers oder die Art der Tastatur soll der Käufer festlegen können. Die jeweiligen Komponenten sollen dann nicht nur von Motorola kommen, sondern können auch von anderen Anbietern stammen.

Motorola arbeitet mit Phonebloks zusammen

Das Konzept erinnert stark an die Idee von Phonebloks, das der niederländische Designer Dave Hakkens im September 2013 präsentiert hatte. Laut Motorola laufen die Arbeiten an Project Ara bereits seit einem Jahr, sie haben sich mit Phonebloks zusammengetan und wollen die beiden Projektideen kombinieren.

Somit wird es voraussichtlich erst einmal keine zwei modularen Smartphone-Konzepte parallel geben. Stattdessen will Motorola die Kapazitäten auch von anderen Entwicklern bündeln, damit das modulare Smartphone Wirklichkeit werden kann.

Google hat Patente speziell für modulare Mobiltelefone

Basis von Project Ara ist ein Endoskelett, das von Motorola Endo genannt wird. An diesem Endo sollen sich dann Module anbringen lassen, um das Smartphone fertig zu bauen. Diese Module könnten im Grunde alles Mögliche sein, betont Motorola und will damit aufzeigen, dass damit ganz neue Gerätekategorien erschaffen werden könnten. Alles hängt von den Ideen der Hardwareentwickler ab.

Freiwillige können sich an Project Ara beteiligen

Freiwillige können sich auf www.dscout.com/ara registrieren, um das Projekt zu unterstützen. Sie sollen sich einbringen und Ideen zur Realisierung und Umsetzung geben. In den kommenden Monaten wird es dann auch Einladungen an Entwickler geben, sich an dem Projekt zu beteiligen. Zunächst will Motorola aber weiter Ideen sammeln.

Im kommenden Winter ist die Veröffentlichung einer ersten Alphaversion eines Module Developer's Kit (MDK) geplant. Damit sollen Hardwareentwickler die einzelnen Module für Ara entwickeln können.

Google kaufte Modu-Patente schon vor zwei Jahren

Mit Modu gab es vor fünf Jahren schon einmal ein Konzept eines modularen Mobiltelefons. Vor zwei Jahren hat Google die Modu-Patente aufgekauft, die möglicherweise in das Project Ara einfließen werden. Denn Anfang 2011 war die Idee Modu erst einmal gescheitert, das israelische Unternehmen war zahlungsunfähig.

Das Konzept von Modu sieht ein Basisgerät vor, das alle relevanten Funktionen bietet. Dieses Basisgerät kann in Jackets gesteckt werden, um zusätzliche Funktionen, aber auch technische Verbesserungen zu erhalten. So kann das Display im Jacket eine höhere Auflösung und eine größere Fläche als das Basisgerät selbst haben. Der Modu-Besitzer kann etwa beim Joggen ein anderes Jacket verwenden, als wenn er beruflich unterwegs ist oder abends ausgeht. Dabei stehen alle Handydaten immer zur Verfügung, weil das Basismodul gleich bleibt.

Nachtrag vom 30. Oktober 2013, 13:03 Uhr

Der Phonebloks-Initiator Dave Hakkens hat ein Video anlässlich der Zusammenarbeit mit Motorola veröffentlicht. Dieses Video wurde in den Artikel integriert und zeigt unter anderem, wie Project Ara funktionieren könnte. Es ist zu sehen, wie sich die einzelnen Module voraussichtlich auswechseln lassen.  (ip)


Verwandte Artikel:
Google: Erhalten Android-Smartphones ein Mäntelchen?   
(20.05.2011, https://glm.io/83635 )
Honor 7X, Moto X4 und U11 Life im Test: Drei gute Alternativen zu teuren Smartphones   
(13.12.2017, https://glm.io/131619 )
Building 8: Facebook arbeitet an modularem Mobilgerät   
(21.07.2017, https://glm.io/129061 )
Librem 5: Purism-Smartphone bekommt Smartcard für Verschlüsselung   
(09.03.2018, https://glm.io/133248 )
Galaxy S9 und S9+ im Test: Samsungs Kamera-Kompromiss funktioniert   
(08.03.2018, https://glm.io/133164 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/