Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/google-web-designer-ausprobiert-html5-inhalte-erstellen-fuer-lau-1311-102262.html    Veröffentlicht: 20.11.2013 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/102262

Google Web Designer ausprobiert

HTML5-Inhalte erstellen für lau

Google hat seinen kostenlosen Google Web Designer in einer ersten Betaversion veröffentlicht. Er erstellt in der aktuellen Version hauptsächlich Bannerwerbung, ist aber langfristig auch für Webseiten gedacht.

Flash-Werbung ist rechenintensiv und fehleranfällig. Viele Nutzer deaktivieren solche Inhalte. In der Werbeindustrie gibt es trotzdem kaum Bemühungen, die Alternative HTML5 zu nutzen. Woran liegt das? Zum einen fehlt es an guten Werkzeugen zur Erstellung von HTML5-Werbung. Mit Programmen wie Adobe Edge lassen sich zwar Standardwerbemittel in hoher Qualität erstellen, die Ergebnisse sind aber oft noch so umfangreich, dass sie nicht von Vermarktern akzeptiert werden.

Dazu kommt, dass zwischen einem Werbekunden und seiner Agentur und der Website, die die Werbung ausspielen soll, oft Vermittler stehen, die technische Lösungen bereitstellen, die mit HTML-Code nicht umgehen können. Manche Agentur, die sich frühzeitig auf die neue Technik eingelassen hat, musste feststellen, dass sie die Werbung nur auf wenigen Websites ausspielen konnte.

Google will mit seinem Web Designer in Kombination mit seinen Adserver-Plattformen Doubleclick und Admob zumindest die technischen Hürden beseitigen. So sollen sich mit dem Google Web Designer Werbebanner in HTML5 ohne Programmierkenntnisse erstellen lassen, die dann direkt über die weit verbreiteten Systeme von Doubleclick und Admob ausgespielt werden können, auch auf mobilen Endgeräten.

Dabei bietet der Google Web Designer für Google-Plattformen fertige Projektvorlagen, es ist aber auch problemlos möglich, Onlinewerbung für andere Werbeplattformen zu erstellen, gibt der Web Designer doch Dateien mit HTML, CSS und Javascript aus. Und die Erstellung von Onlinewerbung soll nur der erste Schritt sein, langfristig sollen sich mit dem Web Designer auch Webseiten erstellen und bearbeiten lassen. Derzeit ist es aber noch nicht möglich, mit anderen Editoren erstellte HTML-Dateien mit dem Web Designer zu öffnen.

Wysiwyg-Editor

Im Grunde ist der Google Web Designer ein Wysiwyg-Editor, der HTML5-, CSS3- und Javascript-Code generiert. Google will damit eine Alternative zu Adobe Flash bieten, das mittlerweile zwar auch über einen HTML5-Export verfügt, für die Erstellung von Onlinewerbung derzeit aber eigentlich nicht einsetzbar ist.

Auch Adobe hat erkannt, dass sich der Trend weg von Flash hin zu HTML5 entwickelt. Daher hat Adobe eine Reihe von neuen Werkzeugen entwickelt, zusammengefasst unter dem Oberbegriff Adobe Edge. Dem Web Designer am ähnlichsten ist das Programm Adobe Edge Animate, das ebenfalls HTML5, CSS3 und Javascript Code generiert. Edge Animate hat einen etwas anderen Funktionsumfang. Demgegenüber enthält der Web Designer Funktionen wie 3D-Werkzeuge und fertige Komponenten, die man so in Adobe Edge nicht findet.

Für Programmierer bietet Edge Animate einen Javascript-Code-Editor mit Funktionsbausteinen und eine gute Javascript-API-Dokumentation. Dagegen kann der Nutzer im Web Designer direkt in die HTML-Code-Ansicht umschalten, wobei der Code-Editor Syntaxhervorhebung beherrscht. Außerdem kennt der Code Editor Autovervollständigung, indem er zum Beispiel nach dem Erstellen des Start-Tags das Ende-Tag automatisch ergänzt. Zur Erstellung von Ereignissen bietet der Web Designer einen Assistenten an, in dem Ereignisabläufe ausgewählt werden können. Er erstellt automatisch Javascript-Code, der sich im Code-Editor bearbeiten lässt.

Der wichtigste Programmteil zur Animation von Objekten ist die Zeitleiste. Diese steht im Web Designer im erweiterten Animationsmodus zur Verfügung. Darin lassen sich Keyframes für die Objekte zu einer bestimmten Zeit im Ablauf setzen, so dass damit eine Animation entsteht. Diese ist direkt abspielbar. Keyframes lassen sich in der Zeitleiste per Drag-and-Drop verschieben, außerdem kann der Nutzer die Eigenschaften einzeln anpassen. Die Verzögerung von Bewegungen zwischen Keyframes lässt sich durch Kurveneigenschaften beeinflussen.

Automatischer Schlüsselbildmodus

Bei Adobe Edge Animate ist die Zeitleiste ähnlich aufgebaut. Hier ist der Funktionsumfang größer. Keyframes müssen nicht manuell gesetzt werden, dafür sorgt ein automatischer Schlüsselbildmodus. Dadurch geht die Erstellung der Animation leichter von der Hand. Insgesamt ist die Vorgehensweise zur Erstellung von Animationen bei beiden Editoren Adobes Flash Professional sehr ähnlich.

Die empfohlenen maximalen Bannergrößen in der Werbebranche variieren je nach Bannerabmessung. Der Google Web Designer zeigt die Outputgröße beim Veröffentlichen an. Hier lassen sich auch Optionen wie Komprimierung einstellen. Der Output produziert hochwertigen HTML-Code. Dagegen stand Edge Animate anfangs in der Kritik, da Kritiker Adobe vorwarfen, den HTML-Standard nicht zu beachten.

Mit Web Designer kann Google den Umstieg zu HTML 5 herbeiführen

Google hat einen Anteil an der weltweiten Onlinewerbung von etwa einem Drittel. Mit dem Web Designer stellt Google ein kostenloses Werkzeug zur Verfügung, mit dem Agenturen die hauseigenen Werbeplattformen problemlos bedienen können. Damit könnte Google zukünftig seine Marktmacht nutzen, um einen Umstieg vom Adobe-Flash-Format in das HTML5-Format herbeizuführen. Das frühe Betastadium macht sich aber noch in der Funktionsvielfalt bemerkbar. Wenn Google die Entwicklung im Web-Editoren-Bereich weiter vorantreibt, wäre der Web Designer auch dort eine interessante Alternative. Damit könnte Google die gesamte Wertschöpfungskette bedienen, angefangen bei der Erstellung von Bannerwerbung und Webseiten mit dem Web Designer über die Verteilung und Vermarktung mit Hilfe der eigenen Dienste bis hin zur Anzeige mit Chrome.

Der Google Web Designer kann für Windows und Mac OS von der Web Designer Homepage heruntergeladen werden. Eine Linux-Version hat Google momentan noch nicht bereitgestellt. Gruppendiskussionen sind im Web Designer Forum zu finden, und auf der Hilfeseite stellt Google eine Einführung und einige Videos zur Verfügung. Außerdem sind einige Beispieldateien im Hilfebereich zu finden.  (mm)


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