Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/chelsea-manning-es-ging-um-transparenz-nicht-um-pazifismus-1310-102061.html    Veröffentlicht: 10.10.2013 11:41    Kurz-URL: https://glm.io/102061

Chelsea Manning

Es ging um Transparenz, nicht um Pazifismus

Chelsea Manning hat die geheimen US-Dokumente mehr aus Gründen der Transparenz als aus pazifistischen Beweggründen veröffentlicht. Das schreibt sie in einer Stellungnahme zu einem Friedenspreis, der der Wikileaks-Informantin kürzlich verliehen wurde.

Chelsea Manning, ehemals Bradley Manning, hat kürzlich einen Friedenspreis erhalten. Sie selbst sehe sich allerdings eher als "Verfechterin von Transparenz", schreibt Manning in einer Stellungnahme, die die britische Tageszeitung The Guardian veröffentlicht hat. Es sei die erste öffentliche Äußerung Mannings seit der Verkündung des Strafmaßes im August, berichtet der Guardian.

Das International Peace Bureau hatte Manning im September den Sean-MacBride-Friedenspreis 2013 verliehen. Sie sei davon geschmeichelt. Allerdings seien ihre Handlungen nicht unbedingt durch den Wunsch nach Frieden motiviert gewesen, schreibt sie. "Ich betrachte mich selbst nicht als 'pazifistisch', 'anti-Krieg' oder (besonders) als 'Kriegsdienstverweigerin'".

Pazifistische Interpretation

Es möge pazifistische Folgerungen in den Handlungen geben. Diese beruhten aber auf der Interpretation anderer. Ebenso gut könne die Veröffentlichung der Dokumente als das Gegenteil ausgelegt werden: Sie könnten als Rechtfertigung für den Krieg angesehen werden.

Genau da habe 2010 ihre Motivation gelegen, geheime Dokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie diplomatische Depeschen an Wikileaks weiterzugeben. "Ich glaube, dass die Öffentlichkeit nicht entscheiden kann, welche Handlungen oder politische Maßnahmen gerechtfertigt sind, wenn sie nicht einmal ansatzweise Details darüber und über die Auswirkungen kennt", erklärt Manning.

Ein US-Militärgericht hatte Manning im Juli wegen der Weitergabe dieser Geheimdokumente unter anderem der Spionage, des Diebstahls und des Computereinbruchs für schuldig befunden. Im August war Manning deswegen zu 35 Jahren Haft verurteilt worden.

Gnadengesuch an Obama

Manning hat Anfang September ein Gnadengesuch bei US-Präsident Barack Obama eingereicht. Er kann das Strafmaß abmildern. Falls nicht, kann Manning erst in etwa zehn Jahren auf Bewährung entlassen werden. Manning ist derzeit im Militärgefängnis Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas inhaftiert.

Manning hat kurz nach der Verurteilung erklärt, sie wolle als Frau leben und habe den Vornamen Chelsea angenommen. Sie hat nach eigenen Angaben eine Behandlung ihrer Geschlechtsidentitätsstörung beantragt. Am Ende ihres Schreibens dankt sie allen, die ihre neue Identität und ihren neuen Vornamen Chelsea akzeptieren.  (wp)


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