Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/silk-road-verdaechtiger-weist-schwere-vorwuerfe-zurueck-1310-101979.html    Veröffentlicht: 06.10.2013 12:40    Kurz-URL: https://glm.io/101979

Silk Road

Verdächtiger weist schwere Vorwürfe zurück

Vor einem Regal mit Science-Fiction-Literatur ist der angebliche Betreiber der Handelsplattform Silk Road festgenommen worden. Sein Anwalt wies vor dem Haftrichter die Anschuldigungen zurück: Sie lauten auf Verschwörung zu Drogenhandel, Computerhacking und Geldwäsche sowie Anstiftung zum Mord.

Der mutmaßliche Betreiber der Handelsplattform Silk Road, Ross W. Ulbricht, hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Sein Anwalt Brandon LeBlanc sagte nach einem Haftprüfungstermin am 4. Oktober 2013 in San Francisco laut Bloomberg.com: "Wir weisen alle Anschuldigungen zurück, und damit ist Schluss mit der Debatte." Der Richter Joseph Spero stimmte demnach dem Vorschlag zu, erst am 9. Oktober über eine Freilassung auf Kaution zu entscheiden. Ulbricht wird vorgeworfen, die Internet-Handelsplattform Silk Road (Seidenstraße) betrieben zu haben. Darüber wurden überwiegend Drogen gehandelt. Die Staatsanwaltschaft lehnt eine Freilassung auf Kaution strikt ab.

Der Silk-Road-Betreiber war bis zu seiner Festnahme nur unter dem Pseudonym Dread Pirate Roberts bekannt, einer Figur aus dem Fantasyfilm Die Braut des Prinzen. Dem Bericht zufolge nahm ein halbes Dutzend Ermittler den Verdächtigen am 1. Oktober in einer öffentlichen Bücherei in San Francisco fest. Dabei warteten die Beamten offenbar den Zeitpunkt ab, bis sich Ulbricht an seinem Laptop eingeloggt hatte, um vollen Zugriff auf seine Daten zu bekommen. Der Verdächtige habe sich am Science-Fiction-Regal ohne Widerstand festnehmen lassen.

Obwohl zu der Beschlagnahme von Silk Road auch rund 26.000 Bitcoins im Wert von rund 2,4 Millionen Euro gehörten, soll Ulbricht bei einer Anhörung am 2. Oktober gesagt haben, dass er sich keinen Anwalt leisten könne. Medienberichten zufolge soll er unter falschem Namen ein Zimmer in San Francisco gemietet und mit zwei anderen Männern in einer WG gelebt haben. Einem LinkedIn-Profil zufolge, das ihm zugeschrieben wird, ist er 29 Jahre alt.

Die Staatsanwaltschaft lehnt eine Freilassung gegen eine Sicherheitsleistung unter allen Umständen ab. "Keine Kaution wird die öffentliche Sicherheit gewährleisten oder sein Erscheinen vor Gericht sicherstellen", sagte Staatsanwalt Randall Luskey. Auch für Richter Spero erschien es fragwürdig, wie sich der Vorwurf des Auftragsmords mit einer Freilassung auf Kaution vereinbaren lasse. Ein Nutzer von Silk Road soll gedroht haben, die Identität von Händlern aufzudecken. Daraufhin habe Ulbricht einer Person 1.670 Bitcoins (etwa 150.000 Euro) für den Mord bezahlt. Allerdings konnten die Ermittlungsbehörden bislang keine Leiche finden, es ist also zurzeit unklar, ob der Mord wirklich stattgefunden hat. Sollte Ulbricht für schuldig befunden werden, könnte ihm wegen der Vorwürfe zum Drogenhandel eine lebenslange Haft und eine Strafe von einer Million Dollar drohen.

Silk Road war nur über das Anonymisierungsnetzwerk Tor zu erreichen. Die Ermittler machten Ulbricht aber nicht über das Netzwerk ausfindig, sondern laut Anklageschrift über viele andere Spuren, die er im Netz hinterlassen hatte. Dazu zählten Profile und Accounts bei Wordpress, Google, LinkedIn, stackoverflow sowie IP-Adressen, die er beim Einloggen in die Silk-Road-Server benutzte. Gezahlt werden konnte auf Silk Road nur mit der kryptographischen Währung Bitcoin. Diese hat von der Festnahme Ulbrichts deutlich profitiert. Seit 2. Oktober ist deren Wert um mehrere Prozent gestiegen.  (fg)


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