Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/imho-whatsapp-wird-fuer-facebook-zur-bedrohung-1310-101919.html    Veröffentlicht: 02.10.2013 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/101919

IMHO

Whatsapp wird für Facebook zur Bedrohung

Der entwicklungstechnisch einfache Messenger Whatsapp kommt dem börsennotierten Facebook gefährlich nahe. US-Medien berichten von einer riesigen Bedrohung. Zu Recht, sagt Netzredakteur Martin Weigert.

Anwender in Europa und auf einigen anderen Erdteilen sind wahrscheinlich nicht überrascht darüber, welche Reichweite Whatsapp mittlerweile aufgebaut hat. Die US-Amerikaner dagegen haben den Aufstieg des pressescheuen Dienstes bisher wenig beachtet - trotz der kalifornischen Herkunft des Konkurrenten - und sind jetzt überrascht, dass selbst das riesige Social Network Facebook in der Gunst bestimmter Nutzergruppen hinter die Chat-App zurückfällt.

"Plötzlich sieht Whatsapp nach einer riesigen Bedrohung für Facebook aus", schrieb Business Insider gestern und verwies auf eine Reihe von aktuellen Medienberichten, die sich damit auseinandersetzen. Aus denen erfahren wir unter anderem, dass die Anwendung des Startups aus Mountain View in Südafrika das dominierende soziale Netzwerk ist und dass auch Israelis den Dienst sehr stark nutzen.

Passend dazu wurde eine Umfrage unter 2.500 Studenten im Alter von 18 bis 25 Jahren in der deutschen Presse veröffentlicht. Danach verwenden junge Menschen Whatsapp mehr als eine Stunde täglich - deutlich länger als Facebook: Das soziale Netzwerk kommt auf 44 Minuten pro Tag. Zum Vergleich: Telefonate und SMS bringen es nur noch auf 13 Minuten am Tag.

Schon länger wird in Medien und Fachkreisen vermutet, dass Facebooks Anziehungskraft auf junge Leute nachlässt. Jüngst untermauerte eine Studie aus der Schweiz diese Theorie. Die aktuelle Untersuchung, deren Repräsentativitätsgrad nicht bekannt ist, legt zumindest nahe, dass sich Whatsapp in dieser Altersgruppe als wichtigste soziale Applikation etablieren konnte. Im August kam eine Hochrechnung des von Focus Online zusammen mit Statista erstellten App Monitors zu dem Schluss, dass Whatsapp erstmals den Spitzenplatz der am meisten genutzten mobilen Anwendungen in Deutschland innehat und Facebook mit einem Vorsprung von rund einer Million Nutzern hinter sich gelassen hat. In den Vormonaten hatte sich eine derartige Entwicklung schon angedeutet.

Wenn jetzt auch die US-Presse auf den Aufstieg des simplen Messengers aufmerksam wird, dann könnte dies den Beginn eines Whatsapp-Eroberungszuges auch auf der anderen Seite des Atlantiks einleiten. Selbst wenn die dort verbreiteten SMS-Flatrates sowie der größere Marktanteil von iMessage als Folge einer ungebrochenen iOS-Dominanz in den USA die Nachfrage nach Smartphone-Messengern bisher geschwächt hat. Doch gerade bei Gruppenchats, wo die Wahrscheinlichkeit von Teilnehmern mit anderen Betriebssystemen hoch ist, punktet Whatsapp.

Je mehr Nutzer Whatsapp gewinnen kann und je mehr Zeit diese mit der Anwendung verbringen, desto stärker geht der Dienst auf Kollisionskurs mit Facebook. Denn trotz der initial unterschiedlichen Positionierungen gibt es im Zuge des Wechsels vom Desktop zum mobilen Gerät immer mehr Bereiche, in denen sich die zwei Angebote überlappen. Bei Whatsapp gibt es zwar keine Fanpages, Markenpräsenzen und Selfies. Möglicherweise ist es aber genau das, was User an dem sich durch eine Nutzungsgebühr finanzierenden Chat-Messenger schätzen.

Whatsapp, der 2009 gegründete, bisher verkaufsunwillige David mit seinen gerade einmal 70 bei LinkedIn gelisteten Mitarbeitern, gegen den börsennotierten Goliath Facebook. Das verspricht - mit einem potenziellen "Nebenstrang", nämlich der Expansion des Whatsapp-Wettbewerbers Line - einen überaus spannenden Herbst/Winter 2013.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)  (maw)


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