Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wie-1992-cern-laesst-den-line-mode-browser-wiederauferstehen-1310-101914.html    Veröffentlicht: 02.10.2013 10:00    Kurz-URL: https://glm.io/101914

Wie 1992

Cern lässt den Line Mode Browser wiederauferstehen

Eine Gruppe von Webentwicklern hat am Cern den ersten plattformübergreifenden Webbrowser, den "Line Mode Browser", als Web-App wiederbelebt. Damit kann im Netz gesurft werden wie im Jahr 1992.

Der Line Mode Browser war zwar nicht der erste Browser - diese Ehre gebührt dem von Tim Berners-Lee geschriebenen Programm WorldWideWeb -, aber der erste Browser, der plattformübergreifend funktionierte und damit das Web für viele zugänglich machte. Heute spielt der Line Mode Browser keine Rolle mehr, aber ein Team von Webentwicklern hat ihn, organisiert vom Cern, als Web-App wiederauferstehen lassen, so dass er in modernen Browsern genutzt werden kann.

Der Line Mode Browser war ein minimalistischer Browser, der nur per Kommandozeile bedient wurde und auch nur Text anzeigte. WorldWideWeb lief nur auf NeXT-Computern, setzte ein grafisches User Interface voraus und wurde per Maus bedient. Da die wenigsten Computer Ende der 1980er Jahre diese Kriterien erfüllten, hatte Tim Berners-Lee den Studenten Nicola Pellow 1990 damit beauftragt, den Line Mode Browser zu entwickeln.

Er wurde zunächst als Telnet-Dienst zur Verfügung gestellt, 1992 dann in der Version 1.1 erstmals zum Download angeboten. 1994 übernahm das neu gegründete World Wide Web Consortium (W3C) die Weiterentwicklung des Browsers. 2004 wurde der Code im Rahmen der Libwww der Open-Source-Community übergeben.

Wie das WWW angefangen hat

Wer will, kann nun mit der App so durchs Web browsen wie vor rund 20 Jahren, mit 80 Zeichen und 24 Zeilen. Das gilt für die Optik sowie für die Geräuschkulisse, die ebenfalls emuliert wird.

Die Idee, den Line Mode Browser als Web-App wiederaufleben zu lassen, stammt von Dan Noyes, der auch dafür verantwortlich war, dass die erste Website wieder unter ihrer alten URL verfügbar ist. Noyes geht es darum, künftigen Generationen zu zeigen, wie das WWW angefangen hat: "Ich möchte, dass meine Kinder die Bedeutung dieses Augenblicks in der Geschichte verstehen: Das Web ist inzwischen so allgegenwärtig, so normal, dass das Risiko besteht, nicht zu erkennen, wie grundlegend es sich verändert hat", sagte Dan Noyes der BBC. Die Beweggründe hinter dem Projekt erläutert Noyes in einem Blogeintrag.

Derzeit steht die Webversion des Line Mode Browsers unter line-mode.cern.ch zur Verfügung. Der Code der Webversion steht auf Github zum Download bereit und läuft unter Node.js.  (ji)


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