Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bci-auto-bremst-unaufmerksame-1309-101830.html    Veröffentlicht: 27.09.2013 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/101830

BCI

Auto bremst Unaufmerksame

Dieses Auto fährt nur, wenn der Fahrer konzentriert ist. Der trägt ein BCI, das seine Hirnaktivitäten misst. Ist der Fahrer unaufmerksam oder achtet nicht auf die Straße, bremst das Fahrzeug ab.

Unaufmerksamkeit ist eine häufige Unfallursache. Der Automobilverband Royal Automobile Club of Western Australia (RAC) will das ändern: Fahrer sollen ihr Auto nur dann bedienen, wenn sie sich darauf konzentrieren.

Attention Powered Car - etwa mit Aufmerksamkeit angetriebenes Auto - nennen die Australier ihr Projekt. Dessen Fahrer trägt eine Gehirn-Computer-Schnittstelle, (Brain Computer-Interface, BCI). Die ist mit dem Bordcomputer des Autos, einem Hyundai i40, verbunden. Das BCI misst die Gehirnaktivitäten des Fahrers und erlaubt ihm, entsprechend seiner Aufmerksamkeit, das Auto zu fahren.

Bremsen bei Unaufmerksamkeit

Konzentriert sich der Fahrer auf die Straße und den Verkehr, erlaubt das System, die volle Fahrleistung auszunutzen. Stellt das System hingegen fest, dass er nicht aufmerksam ist oder etwas anderes macht, bremst das Fahrzeug automatisch langsam ab, bis es eine Geschwindigkeit von etwa 15 Kilometern pro Stunde erreicht hat.

Bei dem BCI handelt es sich um das Epoc von dem Unternehmen Emotiv, das auch zur Spielesteuerung eingesetzt werden kann. Es hat 14 Sensoren, mit denen es die Aktivität im vorderen Bereich, an den Schläfen, am Scheitel sowie in den Wahrnehmungsbereichen misst.

Abgelenkt, unkonzentriert, müde

Auf diese Weise kann das System feststellen, wenn der Fahrer abgelenkt ist, etwa weil er gerade telefoniert, sich am Radio zu schaffen macht oder an etwas anderes denkt. Außerdem erkennt es an den Augenbewegungen und der Häufigkeit des Augenzwinkerns, wenn die Konzentration nachlässt, der Fahrer ermüdet oder mit seinen Gedanken abschweift. Schließlich ist es mit einem Gyroskop ausgestattet, das erfasst, ob der Fahrer auf die Straße schaut oder seinen Kopf etwas anderem zuwendet.

In den vergangenen Jahren passierten immer häufiger Unfälle, weil Autofahrer unkonzentriert oder unaufmerksam seien, erklärt der RAC. Unaufmerksamkeit sei im Bundesstaat Western Australia inzwischen die dritthäufigste Ursache von tödlichen Unfällen.

Aufmerksamkeit für Unaufmerksamkeit

Das Powered Vehicle ist ein Prototyp, um auf das Problem aufmerksam zu machen sowie es weiter zu erforschen. Ziel ist etwa, herauszufinden, welche Aktivitäten die Aufmerksamkeit beeinträchtigen und in welchem Maße.

Dass ein solches System auch serientauglich ist, dürfte eher fraglich sein: Andere Verkehrsteilnehmer würden sich wohl sehr wundern, wenn Autos plötzlich unmotiviert abbremsen.  (wp)


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