Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gigasoftware-amazon-haendler-verkauft-dubiose-windows-7-recovery-dvds-1309-101821.html    Veröffentlicht: 27.09.2013 11:42    Kurz-URL: https://glm.io/101821

Gigasoftware

Amazon-Händler verkauft dubiose Windows-7-Recovery-DVDs

Über den Amazon Marketplace bietet der deutsche Händler Gigasoftware Windows-7-Recovery-DVDs von Dell an. Nach eigenen Angaben hat er schon über 1.000 dieser Versionen verkauft, alle hätten sich aktivieren lassen. Ob es sich um vermutliche Fälschungen wie bei PCFritz.de handelt, wird von Microsoft geprüft.

Ein Amazon-Händler, der Windows-7-DVDs vertreibt, erregt derzeit den Argwohn von Kunden. Denn was er ausliefert, erinnert an den Fall eines anderen Händlers, der kürzlich beschuldigt wurde, gefälschte Datenträger verkauft zu haben. Er habe beim Amazon-Marketplace-Händler Gigasoftware Windows 7 Professional 64-Bit OEM für 55,90 Euro bestellt, berichtet ein Betroffener Golem.de. "Ich bin davon ausgegangen, dass ich eine alte Original-Microsoft-DVD originalverpackt bekomme, die jemand noch unbenutzt auf Lager hat. Doch im Paket war kein DVD-Cover, sondern eine Reinstallations-DVD von Dell in einem weißen Umschlag. Da stand alles drauf, von welchem Notebook und welcher Serie das kommt." Eine Quittung fehlte.

Der DVD lag ein Schreiben von Gigasoftware bei, in dem es heißt: "Bitte lassen Sie sich durch das Dell-Label auf der DVD nicht irritieren. Diese Software kann auf jedem Windows-7-fähigen PC problemlos installiert werden. Ich habe Hunderte verkauft und habe fast nur zufriedene Kunden."

Auf seine Reklamation über Amazon erhielt der Kunde eine Antwort von Gigasoftware. Der Kunde habe eine Recovery-DVD erhalten und wolle diese nicht, erklärte Amazon dem Händler. Dieser erwiderte: "Die Kennzeichnung durch eine Marke wie 'Dell' ist der hauptsächliche Grund, warum Sie diesen Artikel günstig erworben haben. Laut Microsoft ist dies hundertprozentig legal und erlaubt, da die Lizenz neu ist und nicht verwendet wurde. Wir haben diese auf mehreren Rechnern und Laptops ohne Probleme installiert und bei Microsoft per Telefon aktiviert." Der Händler habe bereits über 1.000 dieser Versionen verkauft und es habe kein Kunde Probleme bei der Installation und der Aktivierung gehabt.

Auf zwei Rücksendeanträge hat das Unternehmen nicht reagiert, ist aber auch von Amazon noch nicht gesperrt worden.

Gefälschte Datenträger waren Dell-Sicherheits-DVDs nachempfunden

Die Staatsanwaltschaft für Organisierte Kriminalität in Halle hatte am 18. September 2013 Geschäfts- und Lagerräume der Firma PCFritz.de Onlinestore sowie Privatwohnungen in Berlin und Halle durchsucht. Das Unternehmen hatte gefälschte Datenträger vertrieben, die Sicherheits-DVDs von Dell nachempfunden waren, die Dell PCs beifügt, wie Microsoft erklärte. Die Kopien, die Microsoft vorlägen, seien von PC Fritz mit einer eigenen Verpackung und einem ebenfalls gefälschten Echtheitszertifikat versehen und zu Konditionen vertrieben worden, die weit unter dem Marktpreis lägen. Woher die Fälschungen kämen, sei noch nicht geklärt. Es wurden 120.000 Produkte beschlagnahmt.

Ein Microsoft-Sprecher sagte Golem.de zu Gigasoftware: "Wir können aufgrund des Fotos nicht sagen, ob es eine Fälschung ist, das wird geprüft. Es ist aber die Frage, wo plötzlich massenweise Recovery-DVDs von Dell herkommen sollen. Vielleicht hat Gigasoftware auch eine Palette von PC Fritz gekauft." Solche Recovery-DVDs seien ein Backup-Medium für den Rechner und nicht zum Verkauf bestimmt. Diese Backups sind heute zudem meist auf einer Partition auf der Festplatte oder SSD. "Wenn die gebraucht waren, müssten sie von einem Microsoft Autorised Refurbisher kommen, der die Echtheitszertifikate vom Gerät abkratzt und wieder neu anbringt." Dies sei aber eine Frage zum Themenkomplex Gebrauchtsoftware.

PCFritz behauptet dagegen in einer Stellungnahme: "Bei den von uns angebotenen Produkten handelt es sich ausschließlich um Microsoft-Originalprodukte. Die Datenträger sind alle mit einer fälschungssicheren Mould-Code-IFPI-Nummer versehen. Diese befindet sich im Innenring des Datenträgers. Die Echtheitszertifikate werden ausschließlich über den Microsoft-Service online oder telefonisch aktiviert."  (asa)


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