Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ios-7-im-test-bunte-farben-und-kleine-kompatibilitaetsprobleme-1309-101626.html    Veröffentlicht: 18.09.2013 19:00    Kurz-URL: https://glm.io/101626

iOS 7 im Test

Bunte Farben und kleine Kompatibilitätsprobleme

Bunt und doch schlicht hat Apple das mobile Betriebssystem iOS 7 designt. Dabei wird iOS insgesamt stimmiger in der Bedienung und Optik. Allerdings zeigt iOS 7 im Test Kompatibilitätsprobleme mit einigen Apps.

Apples Mobilplattform ist erst etwas mehr als fünf Jahre alt, doch die Zeit war wohl reif für einen Neuanfang: Etliche der neuen Funktionen der letzten iPhone-OS- und iOS-Versionen waren planlos an das System herangeflanscht worden, was ihm anzusehen war. Es gab Stilbrüche beim Design, und Funktionen wie die Benachrichtigungen passten nicht so recht ins Konzept. Mit iOS 7 stellt Apple nun einen interessanten Neubeginn vor, der sich weitgehend als durchdacht erweist, aber - wie alle Neuanfänge - nicht ganz ohne Probleme ist.

Apple hat nicht nur das Design überarbeitet, das nun zwar ziemlich bunt, aber dennoch schlicht wirkt, sondern auch die Architektur. Mit iOS 7 gibt es erstmals auch eine 64-Bit-Version, die wir allerdings mangels iPhone 5S nicht testen konnten. Mit dem 64-Bit-iPhone und dem dazugehörigen Betriebssystem stellt Apple eine Entwicklungsplattform für die Zukunft bereit. Entwickler können sich an den erweiterten Registern ausprobieren und sich schon auf iOS-Geräte mit mehr als 4 GByte RAM vorbereiten. Die hier getestete 32-Bit-Version bleibt trotzdem aktuell, schließlich hat Apple mit dem iPhone 5C gerade erst ein neues 32-Bit-Modell für den Einstieg vorgestellt.

Wir haben iOS 7 auf den ältesten und auch aktuellen Mobilgeräten getestet. Apple schränkt den iOS-Support wie üblich wieder ein. Aus dem Support fällt beispielsweise das iPhone 3GS, das jetzt vier Jahre alt ist. Nach gerade mal zwei typischen Vertragslaufzeiten gibt es keine (Sicherheits-) Updates mehr und so manche iOS-7-App wird nicht funktionieren. Trotzdem ist Apple hier vorbildlich. Android-Geräte werden selten so lange unterstützt. In unserem Test betrachten wir die beiden ältesten Geräte, das iPad 2 und das iPhone 4, sowie zwei aktuelle Geräte: das iPad Mini und das iPhone 5.

Komfort oder Sicherheit? Der neue Sperrbildschirm und das Control Center

Apple hat den Sperrbildschirm und die Schnelleinstellungen überarbeitet. Besonders praktisch ist das nun überall zugängliche Schnellmenü Control Center mit den wichtigsten Anwendungen. Dieses ist optional auf dem Sperrbildschirm oder innerhalb von Apps verfügbar. Letzteres ist eine sehr exklusive Angelegenheit. Ein Aufruf mit einem Wisch von unten, während ein Video abgespielt wird, verursacht beispielsweise eine Unterbrechung, was unserer Meinung nach nicht sein muss. Nur um die Helligkeit umzustellen, muss nicht der Film oder ein Livestream bei Youtube angehalten werden. Bei Spielen ist die Unterbrechung hingegen sinnvoll.

Die Verwendung im Sperrbildschirm hat Vor- und Nachteile. Wer es bequem mag, kann noch vor Eingabe eines Passworts zum Entsperren die Musik steuern, den Wecker umstellen, die Taschenlampe nutzen oder wie bisher auch die Kamera verwenden. Auch die Helligkeit, der Nicht-stören-Modus sowie Bluetooth lassen sich so komfortabel umstellen. Vor dem Sperrbildschirm liegt auch der Zugriff auf die WLAN-Komponente und die Mobilfunkverbindung. Ein Dieb könnte den Flugmodus einschalten und dann zumindest einfache Nummernkombinationen durchprobieren, ohne dass er eine Ortung befürchten müsste, das Telefon abschalten müsste er nicht.

Wer diesbezüglich Sorgen hat, kann in den Systemeinstellungen das Control Center auf dem Sperrbildschirm abschalten. Dann lässt es sich nur nach der Eingabe des Entsperrpassworts nutzen. Der Anwender verzichtet damit auf einigen Komfort. Die Helligkeitssteuerung geht verloren. Das Control Center lässt sich nicht weiter konfigurieren; Nutzer können beispielsweise keine eigenen Apps dort unterbringen. Die Musiksteuerung bleibt hingegen erhalten und ist verglichen mit iOS 6 besser geworden, da nun mehr Informationen übersichtlicher dargestellt werden.

Auch auf den App-Übersichtsseiten hinter dem Sperrbildschirm hat sich einiges geändert. Die Suche ist nun überall mit einer Ziehbewegung nach unten zugänglich, also auch auf der letzten Seite mit Apps. Das ist viel praktischer als der Doppelklick auf den Homebutton unter iOS 6. Ordner können jetzt mehrere Seiten enthalten. Wer es damit übertreibt, verliert allerdings die Übersicht und muss dann häufiger zur Suche greifen. Leider sieht der Nutzer auf dem Bildschirm nicht auf Anhieb, ob ein Ordner mehrere Seiten hat. Höchstens neun Icons eines Ordners können sichtbar sein.

App-Wechsel mit Vorschaubildern

Das Multitasking wurde aus Sicht des Anwenders überarbeitet. Die untere Leiste mit den zuletzt aufgerufenen Apps ist verschwunden. Stattdessen wird der gesamte Bildschirm genutzt: Oben gibt es Screenshots und darunter die Symbole der App. Damit kann die zuletzt verwendete Anwendung einfacher erkannt werden.

Die Vorschaubilder sind nicht aktuell. Die siebte Version von iOS merkt sich den letzten Zustand als Screenshot, der präsentiert wird. Wird die App neu aufgerufen, aktualisiert sich der Inhalt gegebenenfalls. Anwendungen haben durchaus die Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen und einen Screenshot zu verhindern. Die Commerzbank-App kann das leider nicht, so dass per Multitasking etwa der zuletzt aufgerufene Kontostand als Bild sichtbar ist. Andere Banking-Apps verschleiern die Inhalte, indem sie ein anderes Bild einblenden.

In der Praxis ließ sich feststellen, dass die Anzeige der Screenshots so manchen Extra-Aufruf einer App erspart, da ein kurzer Blick auf die zuletzt aufgerufenen Informationen ausreicht.

Der neue Browser kann mehr

Apple hat einige Apps grundsätzlich überarbeitet. Dazu gehört etwa der Kalender mit seinen neuen und praktischen Übersichten. Die Fotoanwendung gruppiert nun sogenannte Momente, was dem Programm sehr gut anhand der Ortsdaten gelingt. Passend dazu wurde die Foto-App überarbeitet; sie hat einen neuen Panorama-Modus, der aber nicht mit allen Geräten funktioniert: auf dem iPad 2 beispielsweise nicht, auf dem iPhone 5 dagegen schon.

Besonders der Browser wurde überarbeitet und erinnert vor allem in der iPhone-Variante ziemlich deutlich an Google Chrome. Die neue Tab-Darstellung ermöglicht ein Herauswischen von Tabs. In der Ansicht sind zudem offene Tabs anderer Geräte als Liste zu sehen. Die Adressleiste und die Navigationselemente werden automatisch ausgeblendet oder verkleinert, wenn es sich anbietet. Liest der Anwender etwa einen Text, verschwinden die störenden Bedienungselemente. Am Ende der Seite oder beim Hochscrollen werden sie wieder eingeblendet. Das klappt ziemlich gut. Sehr gut funktionieren auch die neuen Gesten. Mit einem Wisch vom linken Bildschirmrand kann der Nutzer die zuvor besuchte Seite aufrufen. Das geht auch in die andere Richtung. Neu ist zudem die Anzeige einer Bookmarkübersicht beim Antippen der Adressleiste. Das funktioniert geräteübergreifend. Die Hauptbookmarkleiste auf einem Mac wird die Bookmark-Übersicht unter iOS, praktischerweise inklusive Ordnern.

Das ist allerdings etwas inkonsistent, denn die Desktopvariante von Safari hat dafür eigentlich die Topsites, die nicht synchronisiert werden. Wer will, kann in der Mobilvariante einfach einen anderen Ordner als Bookmarkansicht auswählen. So kann sich der mobile Nutzer seine Lieblingsseiten für unterwegs anlegen, ohne die Bookmarks auf seinem Mac umsortieren zu müssen. Beim Eintippen einer URL versucht Safari zudem herauszufinden, welche Seite der Nutzer vermutlich besuchen will, und schlägt diese vor. Im Laufe der Zeit funktioniert das immer besser. Diese Topseiten werden unter iOS zudem vorgeladen, sobald sie erkannt wurden. Wir waren überrascht, wie schnell häufig besuchte Webseiten geladen werden. Diese und andere Erweiterungen der Browserfunktionen sind sehr gut gelungen.

Neue Funktionen für Webentwickler

Auch für Webentwickler hält iOS einige Neuerungen bereit, die Maximiliano Firtman zusammengetragen hat. So können Webentwickler unter anderem Untertitel bei Videos über das Track-Element integrieren, Fortschrittsbalken mit dem Progress-Element umsetzen und mit dem Attribut "seamless" nahtlose iFrames ohne Ränder und Scrollbalken verwenden. Zudem unterstützt der Browser das Page Visibility API und mit dem Airplay API können Webentwickler genauer steuern, welche Medieninhalte auf andere Geräte gestreamt werden und wie.

In Sachen CSS hat Apple Unterstützung für CSS Regions ergänzt, womit ein Textfluss über mehrere HTML-Elemente möglich wird. Zudem wird das neue Flexbox-Modell per Präfix unterstützt und mit "-webkit-sticky" lassen sich Elemente im Viewport an eine feste Stelle setzen, sobald sie aus dem Viewport herausrutschen würden.

Fehlende Verbesserungen und Verschlechterungen

Während der Browser deutlich verbessert wurde, hat sich Apple bei der wichtigen Mail-App zu sehr auf das Design konzentriert. Sie ist weiterhin einer der schlechtesten IMAP-Clients, die wir kennen. Das Abonnementsystem fehlt und mit vielen, nicht einklappbaren Ordnern wird es unübersichtlich. Die Funktion, bestimmte Ordner auf der Hauptseite des Mailprogramms zu hinterlegen, hilft nur bedingt und ist letztendlich nur ein Nachbau dessen, was IMAP besser kann.

Anhand eines Beispiels lässt sich erklären, dass der Nachbau dem Anwender nicht hilft. Wir setzen beispielsweise jeweils zu Veranstaltungen den Unterordner Termine, also beispielsweise Inbox.Ifa.Termine und Inbox.Cebit.Termine. Werden beide Ordner auf der Übersicht eingeordnet, sieht der Anwender nicht den übergeordneten Ordner, sondern nur die Zugehörigkeit zum Mailaccount. Die beiden Termine-Ordner sehen identisch aus. Zudem stockt die neue Mail-App manchmal während des Empfangs von E-Mails. Das Problem war bereits in den Betaversionen vorhanden. Das wird hoffentlich mit iOS 7.0.1 endgültig beseitigt.

Musik-App mit Umwegen

Die Musik-App ist Apple in Teilen gelungen. Die neue Darstellung von Künstlerporträts gefällt uns gut. Wenn keine Bilder von Künstlern vorhanden sind, blendet iOS den Namen diagonal übers Albumcover, auch das gefällt uns. Künstlerporträts müssen außerdem nicht unbedingt mit dem Albumcover übereinstimmen. Die Bedienung ist zwischen iPhone und iPad gut angeglichen worden.

Verwundert sind wir über einige für Apple untypische Umwege. Bewertungen etwa sind nicht möglich, wenn der Anwender aus einem Album ein Stück startet. Dort wird nur angezeigt, dass das Stück abgespielt wird. Er muss dann erst auf "Sie Hören" klicken. Dort sieht er jedoch nur das Albumcover. Klickt er dann auf das Listensymbol oben rechts, erscheint eine Darstellung, die der Albumdarstellung aus der Übersicht nahezu gleicht.

Sie hat eine zusätzliche Schaltfläche, die sich Wertung nennt. Wird diese aktiviert, blenden sich die bekannten Sterne unterhalb des aktuellen Songs ein. Eine Übersicht über die Bewertungen aller Songs gibt es hier nicht - nicht einmal auf dem iPad, auf dem genug Platz vorhanden ist. Update: Es genügt auch ein Antippen des Album-Covers oder des Titels unter dem Cover, um die Bewertung aufzurufen. Apple verschwendet beim iPad viel Platz und schafft es nicht, den Neuanfang mit iOS 7 konsequent durchzusetzen. Das gilt übrigens auch für die iPad-Version der Uhren-App. Sie bleibt also vergleichsweise umständlich zu bedienen und wurde nur im Design angepasst.

Überarbeitete Standard-Apps, praktische Systemsteuerung und kleine Änderungen in iOS 7

Die Überarbeitung der Standard-Apps ist überwiegend gelungen. Die meisten Apps, die keine nennenswerten Neuerungen mitbringen, wurden als Screenshot in der Galerie abgelegt. Zu den besonders gelungenen Apps ohne große Neuerung gehört die Wetter-App. Sie erinnert uns an HTCs aufwendige Wetter-App für Android und bietet hübsche Wettereffekte. Das neue Gamecenter übertreibt es hingegen mit seiner Schlichtheit. Hier verwendet Apple zu viele weiße Flächen ohne Inhalt.

Nicht nur die Standard-Apps, sondern auch die Einstellungen wurden überarbeitet. In erster Linie wurde am Design gearbeitet. Die Einfarbigkeit der früheren Betaversionen ist verschwunden und die einzelnen Systemeinstellungen sind thematisch gruppiert in verschiedenen Farben gehalten. Das erleichtert die Orientierung. Die Symbole sind einfach gehalten und eindeutig. Die Farbzuteilung wirkt aber willkürlich. Warum die Netzbetreibereinstellungen wie WLAN und Bluetooth blau sind, während Mobilfunkeinstellungen und WLAN-Hotspot grün sind, erschließt sich uns nicht.

Minimale Änderungen mit großen und kleinen Auswirkungen

Ein paar Änderungen sind klein und doch so interessant, dass wir sie kurz erwähnen wollen. Mit iOS 7 bricht Apple etwa mit der traditionellen Darstellung der Mobilfunksignalstärke in Form von Balken. Jetzt werden kleine Kugeln verwendet. Das passt zwar zum Design, stellt allerdings weiterhin nicht die tatsächliche Signalstärke dar. Balken - oder jetzt Kugeln - sind nicht standardisiert. Die zugrundeliegenden Dezibelwerte können Hersteller beliebig den Balken zuordnen. Glücklicherweise ermöglicht es Apple zumindest beim iPhone, die Signalstärke in der Titelleiste dauerhaft in Dezibel anzuzeigen.

Große Auswirkungen hat das neue Autoupdate. Apples iOS kann installierte Apps automatisch aktualisieren, auf Wunsch sogar über die Mobilfunkverbindung. Das erspart dem Anwender die Synchronisation unterwegs. Wer einen Datenvertrag mit kleinem Inklusivvolumen hat, sollte allerdings aufpassen. Nutzer, die viele Apps auf ihrem Smartphone installiert haben, müssen mit zahlreichen Updates innerhalb einer Abrechnungsperiode rechnen. Wer iTunes-Accounts aus verschiedenen Ländern hat, muss jedoch weiterhin zwischen den Accounts wechseln, sonst werden nur die Apps aus einem Land aktualisiert.

Zu den nützlichen Neuerungen gehören zahlreiche Statistiken, deren Verteilung jedoch gewöhnungsbedürftig ist. Die Speicherbelegung findet der Anwender etwa unter Allgemein/Benutzung. Dort können Musikstücke gelöscht werden. Der Nutzer kann zudem sehen, wie viele Daten die Nachrichtenfunktion verwenden. Sortiert wird nach der Speicherbelegung. Apps mit besonders viel Speicherbedarf stehen oben. Anders ist das bei der mobilen Datennutzung: Sie findet sich unter dem Menüpunkt Mobiles Netz und wird - wenig sinnvoll - alphabetisch sortiert. Immerhin ist die Datennutzung für Apps einzeln ausgewiesen und kann praktischerweise einzeln unterbunden werden. Außerdem werden Roamingdaten getrennt summiert.

Indirekt zu den Statistiken gehört auch die Kontrolle über die Tätigkeiten der installierten Apps. Wer will, schaut regelmäßig in den Systemeinstellungen nach, welche Apps etwa auf die Erinnerungen oder Fotos zugreifen, und unterbindet dies bei Bedarf.

Viele Apps müssen für iOS 7 aktualisiert werden

Apple hat so viel im Hintergrund geändert, dass einige Apps nicht mehr funktionieren oder Probleme zeigen. Manchmal sind nur Bedienungselemente leicht verschoben. Einige Apps funktionieren hingegen ohne Update gar nicht mehr. Ein Beispiel ist die Sparkassen-App, die ohne Update sogar vor iOS 7 warnte: Wegen eines angeblichen Jailbreaks sollte der Anwender die App lieber nicht nutzen. Dass die Behauptung Unsinn war, zeigte das Update 2.2.0 vom 17. September 2013. Die neue Version warnt nicht mehr vor dem angeblichen Jailbreak.

Vor allem bei Spielen fielen uns Abstürze auf. One Epic Knight, Benji Banana oder About Love, Hate & the other ones waren entweder instabil oder stürzten beim Start ab. Die vielen Instabilitäten sind für einen iOS-Wechsel ungewöhnlich. Viele Entwickler passen deswegen ihre Apps derzeit an. Es ist seit der Veröffentlichung des Goldmaster-Builds eine erhöhte Aktivität der App-Entwickler zu beobachten. Die niederländische Fluggesellschaft KLM hat beispielsweise kurz nach der Veröffentlichung des Goldmasters eine neue Version zum Download angeboten. Diese App funktioniert ohne Update ebenfalls nicht mit iOS 7.

Bei noch aktiv weiterentwickelten Apps ist iOS 7 demzufolge kein Problem. Wer sichergehen will, wartet lieber ein bis zwei Wochen, bis die meisten Entwickler ihre Apps angepasst haben. Ist eine App aufgegeben worden, hat der Nutzer kaum eine andere Möglichkeit, als sie zu deinstallieren und sich eine Alternative zu suchen. Googles Übersetzungsprogramm Translate dürfte eine aufgegebene App sein. Sie stürzt unter iOS 7 ab und hat noch nicht einmal eine Anpassung an das iPhone 5 bekommen.

Unter iOS 7 sehen alte Apps wie Fremdkörper aus. Bis die meisten Entwickler sich angepasst haben, dürfte viel Zeit vergehen. Zudem sind die neuen Apps zum Teil nicht mehr mit alten iOS-Versionen kompatibel, weshalb Apple alten Geräten alte App-Versionen anbietet.

Airdrop, Benchmarks und subjektive Auswirkungen auf die Akkulaufzeit

Airdrop ist etwas für die Zukunft, da es nur von wenigen Geräten unterstützt wird. In der Theorie ist die Funktion sehr praktisch. Ohne Kopplung können Airdrop-Teilnehmer Bilder oder andere Daten austauschen. Mit iOS 7 werden die Funktechniken der Geräte genutzt, um Datentransferpartner zu finden. Der Anwender kann dabei drei Einstellungen setzen: Aus, Datentransfer mit bekannten Kontakten in der unmittelbaren Umgebung oder Datentransfer mit allen, also auch fremden Kontakten.

Ein iPad 2 oder das iPhone 4 kann diese Funktion nicht nutzen. Der Versuch, von einem iPhone 5 Daten auf ein Macbook Pro 2009 zu übertragen, scheiterte auch, obwohl beide Systeme Airdrop beherrschen. Apple unterscheidet anscheinend zwischen zwei Airdrop-Versionen, ohne das eindeutig zu kommunizieren. Ob sich das mit der nächsten Mac-OS-Version ändert, ist noch nicht sicher. Zwischen dem iPad Mini und dem iPhone 5 funktionierte Airdrop hingegen auf Anhieb.

3DMark zeigt bei einigen Geräten Verbesserungen

Für die Benchmarks haben wir auf Futuremarks vor kurzem veröffentlichtes 3DMark für iOS zugegriffen. Beide sollen in gewissen Grenzen plattformübergreifend gültige Ergebnisse liefern. Wir beschränken uns zunächst auf den Ice-Strom-Test zwischen iOS 6 und iOS 7 auf dem iPad Mini, iPhone 4 und iPhone 5.

Keine Zuwächse haben wir beim alten iPhone 4 gesehen. Die Werte lagen bei 498 zu 492 Punkten für iOS 6 beziehungsweise iOS 7. Unter Berücksichtigung der Messtoleranzen sind die Werte identisch. Das iPad Mini profitiert minimal von dem Update mit 2.815 zu 2.906 Punkten. Beim iPhone 5 sahen wir einen deutlichen Gewinn. Das Smartphone erreicht statt 5.410 Punkten mit iOS 6 nun rund 6.029 Punkte. Offenbar hat Apple bei dem Gerät noch Optimierungspotenzial gefunden.

In der Praxis hatte iOS 7 kaum Nachteile bei der Geschwindigkeit. Wir konnten die Geräte wie gehabt nutzen. Zwei Ausnahmen gab es jedoch: Zum einen gab es wie bereits erwähnt Verzögerungen in der Mail-App, die auch das schnelle iPhone 5 betrafen, zum anderen fiel uns einmal bei der WLAN-Synchronisation mit einem iPad 2 auf, dass das Gerät damit etwas überfordert ist. Während die Apps aktualisiert werden, ruckelte die Oberfläche und der Start von Programmen verzögerte sich.

Unser Test mit der finalen Version von iOS 7 zeigte keine Auffälligkeiten bei der Akkulaufzeit. Nach wie vor muss das iPhone 5 bei unserer Nutzung einmal am Tag aufgeladen werden, ein iPhone 4 erreicht annähernd zwei Tage. Inwiefern zukünftige Apps, die von neuen Multitaskingfähigkeiten in iOS 7 Gebrauch machen, Einfluss auf die Laufzeit nehmen, lässt sich noch nicht sagen.

Verfügbarkeit, Voraussetzungen und Fazit für iOS 7

Apples iOS 7 ist für viele mobile Geräte des Herstellers verfügbar. Für die Synchronisation mit dem Rechner ist allerdings ein Update auf iTunes 11.1 notwendig. Wer das installiert hat, kann iOS 7 auf iPad Mini, iPad 2 und neueren Geräten, iPhone 4 und neueren Geräten und einigen iPod Touch installieren. Das Image ist über 1 GByte groß. Die Over-the-Air-Updates sollten kleiner sein. Apple verteilt die Aktualisierung auf iOS 7 kostenlos.

Fazit

Nach Monaten der Benutzung - wir begleiten iOS 7 bereits seit der ersten Beta - fühlt sich das neue Design an, als wäre es immer da gewesen. Wenn wir nun auf iOS 6 zurückblicken, erscheint uns das alte Betriebssystem altbacken. Zwar nicht an allen Stellen, denn Apple hat schon früher bestimmte Teile wie etwa die Karten-App mit einem neuen Design versehen. Allerdings überwog das alte Design, gemischt mit Holzimitaten und diversen, nicht in sich stimmigen Teilen des Betriebssystems. Die siebte Version von iOS ist in dieser Hinsicht gelungen.

Konnten die iOS-Anwender in der Vergangenheit schnell mal ein Update durchführen, sollten sie dieses Mal mit Bedacht vorgehen. Wer viele, möglicherweise geschäftskritische Anwendungen hat, sollte ein wenig warten. Die siebte Version von iOS verändert viel im Hintergrund, was eine Korrektur an Apps erfordert. Bei Apps, die noch aktiv entwickelt werden, muss sich der Nutzer wenig Sorgen machen. Die hohe Aktivität bei den App-Entwicklern, die letzte Anpassungen und Fehlerkorrekturen vornehmen, lässt hoffen, dass bald die meisten aktuellen Apps für iOS7 geeignet sind. Von einigen alten Apps muss sich der Nutzer wegen Inkompatibilität jedoch trennen.

Apples iOS 7 ist eine solide Grundlage für die Zukunft mit einem hübschen und überwiegend übersichtlichen Design, das allein die Aktualisierung wert ist.  (ase)


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