Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/e-personalausweis-regierung-schiebt-verantwortlichkeit-auf-den-buerger-ab-1309-101613.html    Veröffentlicht: 16.09.2013 11:53    Kurz-URL: https://glm.io/101613

E-Personalausweis

Regierung "schiebt Verantwortlichkeit auf den Bürger ab"

Virenschutz und Firewall machen den elektronischen Personalausweis nicht sicher, sagen die Hacker vom Chaos Computer Club. Sicherheitssoftware nennen sie Snake-Oil, die moderne Schadsoftware oft nicht erkennt.

Der Chaos Computer Club kritisiert, dass das Bundesinnenministerium die Verantwortung für die Sicherheit des elektronischen Personalausweises auf die Nutzer abschiebt. So behauptet die Behörde, dass sich der Bürger "durch regelmäßige Aktualisierung des Betriebssystems, ein aktuelles Virenschutzprogramm sowie eine Firewall schützen" könne.

Experten des Chaos Computer Clubs war es im August 2013 erneut gelungen, einen Computer mit einem Trojaner zu infizieren, um die PIN einer Ausweisnutzerin auszulesen und so ihren Rentenversicherungsverlauf und damit Informationen über ihre Berufstätigkeit auszulesen. Der Angreifer konnte auch ein Bankkonto unter der Identität der Nutzerin eröffnen. Nach Angaben der Hacker handelte es sich um die alte Sicherheitslücke von 2010, die aber immer noch besteht. Aber auch die neue Version der Ausweis-App bringe Software mit Exploits auf den PC.

Dazu erklärte der Chaos Computer Club: "Moderne Schadsoftware wird oft nicht von Antivirenprogrammen und anderem Snake-Oil erkannt. Und wie eine Firewall gegen einen Keylogger helfen soll, möge das Bundesinnenministerium bitte erst einmal erklären. Dass es aber möglich ist, unentdeckbare Spionagesoftware - beispielsweise auf dem Rechner eines Beschuldigten, der mit einem Staatstrojaner ausspioniert werden soll - zu verankern, sollte das Ministerium mittlerweile wissen. Immerhin nimmt es sich selber vor, das 'Risiko einer Entdeckung [des Staatstrojaners] durch geeignete technische Maßnahmen so gering wie möglich' zu halten."

Zudem erklärt das Ministerium, der Ausweis könne "bei Kenntnis der PIN nur missbraucht werden, wenn er selber zur Verfügung stünde - zum Beispiel gestohlen wird - und die eID noch nicht im Sperrregister gesperrt wurde." Zwar ist derzeit noch kein Verfahren publiziert, wie ein ePA-Chip zerstörungsfrei geklont werden kann, doch ein Angreifer könne den kompletten Kartenleser zusammen mit darauf liegendem elektronischem Personalausweis aus der Ferne übernehmen. Allerdings seien die Voraussetzungen für einen erfolgreichen breiten Angriff nur eingeschränkt vorhanden, räumen die Hacker ein.

Das Innenministerium behauptet zudem, es gebe seit der Einführung des Ausweises "keinerlei Vorfälle, die Zweifel an der Sicherheit des Chips und der in ihm gespeicherten Daten hervorrufen".

Dass bisher keine Fälle bekanntgeworden seien, ist laut den Hackern kein Beweis dafür, dass der im Ausweis verwendete Chip nicht bereits "geöffnet, reverse engineered und geklont" sei. Dass der im E-Ausweis verwendete Chip gebrochen wird, sei nur eine Frage der Zeit.  (asa)


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