Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/elektromobilitaet-tesla-motors-plant-elektrokorridore-zwischen-ballungszentren-1309-101572.html    Veröffentlicht: 12.09.2013 19:06    Kurz-URL: https://glm.io/101572

Elektromobilität

Tesla Motors plant Elektrokorridore zwischen Ballungszentren

Der US-Elektroautohersteller Tesla Motors stellt auf der IAA in Frankfurt das Model S aus, das seit kurzem auch hierzulande erhältlich ist. Golem.de hat das Unternehmen nach den Zukunftsplänen gefragt.

In den USA ist das Auto schon seit über einem Jahr auf dem Markt, seit kurzem liefert der US-Elektroautohersteller Tesla Motors die Limousine Model S auch in Europa aus. Wie in den USA plant das Unternehmen auch hierzulande die Aufstellung von Schnellladern für Überlandfahrten.

Das Model S ist ein Elektrofahrzeug der oberen Mittelklasse. Der Antriebsstrang - der Motor, der je nach Ausführung eine Leistung von 225, 270 oder 310 Kilowatt hat, und der Akku mit einer Kapazität von 60 oder 85 Kilowattstunden - ist im Unterboden untergebracht. Entsprechend hat das Auto zwei Kofferräume. Im hinteren können zwei Kindersitze ausgeklappt werden, so dass in dem Auto fünf Erwachsene und zwei Kinder Platz finden können.

Tesla liefert das Auto mit zwei Akkuvarianten aus: mit 60 und 85 Kilowattstunden (kWh), was einer Reichweite von etwa 370 respektive 500 Kilometern entspricht. Eine kleinere Variante mit 40 kWh und einer Reichweite von 260 Kilometern sei zu wenig nachgefragt worden und werde deshalb nicht mehr angeboten, sagt Jochen Rudat, Vertriebschef bei Tesla Motors für die deutschsprachigen Länder sowie Frankreich und Italien, Golem.de auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt (Halle 5.0, Stand B36).

Jahresproduktion erhöht

Ganz günstig ist das Model S nicht: Mit dem 60-kWh-Akku kostet es in der Basisausführung über 71.000 Euro. Das Modell mit dem 85-kWh-Akku ist 10.000 Euro teurer. Trotz des Preises ist das Model S laut Tesla ein Erfolg. "Wir kommen kaum hinterher, die ganze Nachfrage zu bedienen", sagt Rudat. Die Jahresproduktion sei bereits von 20.000 auf 21.000 Fahrzeuge erhöht worden und schon ausverkauft.

Die Bestellungen kämen zu einem nicht unerheblichen Teil aus Europa, auch aus Deutschland. Hierzulande hat das Unternehmen Niederlassungen inklusive Service Center in Frankfurt und München. Um die Nachfrage bedienen zu können, will das Unternehmen weitere Service Center in Düsseldorf und Hamburg einrichten. Konkrete Zahlen nannte Rudat allerdings nicht.

Schnell laden in Norwegen

Wie in den USA will Tesla auch in Europa Schnellladestationen, die sogenannten Supercharger, aufstellen, an denen Fahrer ihre Elektrolimousine kostenlos laden können. Da Norwegen das erste Land in Europa war, in dem die Elektrolimousine im August ausgeliefert wurde, sind dort schon Ladesäulen aufgebaut worden, bis dato sechs Stück.

In Deutschland, wo das Model S seit diesem Monat verfügbar ist, sollen die ersten noch in diesem Jahr bereitstehen. Sie sollen dort eingerichtet werden, wo die Autos hauptsächlich gefahren werden - geplant seien Korridore von Nordrhein-Westfalen (NRW) Richtung Hamburg sowie über Frankfurt und Stuttgart nach München.

Laden zwischen Ballungszentren

Die Stationen würden "an Autobahnraststätten zwischen Ballungszentren" aufgebaut. "Also nicht direkt in Frankfurt in der Innenstadt oder an der Autobahn dort, sondern zwischen Frankfurt und NRW", erklärt Rudat. An seiner solchen Station werde der Akku in 20 Minuten zur Hälfte aufgeladen.

Das von Tesla vorgesehene Szenario sieht in etwa so aus: Morgens wird mit vollem Akku, der 500 Kilometer Reichweite bietet, gestartet. Gegen Mittag steuert der Fahrer eine Raststätte mit einem Schnelllader an, an den er sein Auto anschließt. Während er zu Mittag isst, wird der Akku noch einmal mit der Hälfte seiner Kapazität geladen. So könne an einem Tag eine Fahrstrecke von 700 bis 800 Kilometern bewältigt werden, sagt Rudat. Das sei "aus unserer Sicht schon mehr als alltagstauglich".

Teslas Alleingang

Allerdings verfolgt Tesla mit seiner Ladeinfrastruktur einen Sonderweg: An den Schnellladern kann nur das Model S geladen werden. Eine Vereinheitlichung, bei der sich viele Hersteller auf Standards einigen, koste viel Zeit - "Zeit, die wir eigentlich nicht haben. Wir wollen das Thema schnell voranbringen", begründet Rudat den Alleingang. Das Unternehmen sei aber bereit, bei Bedarf eine weitere Ladesäule aufzustellen, an der Fahrer anderer Elektroautos ihren Akku gegen ein Entgelt laden können.

Die Stationen sind dem Model S vorbehalten: Der eigene Sportwagen, der Tesla Roadster, ist mit dem System nicht kompatibel, da er nur auf einer Phase und nicht wie die später entwickelte Limousine auf drei Phasen lädt. Es sei nicht einmal sicher, ob die Nachfolger, etwa das für Ende 2014 angekündigte Model X, an den Säulen geladen werden können.  (wp)


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