Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/qt-webengine-qt-wechselt-von-webkit-zu-chromium-1309-101566.html    Veröffentlicht: 12.09.2013 16:06    Kurz-URL: https://glm.io/101566

Qt Webengine

Qt wechselt von Webkit zu Chromium

Qt setzt künftig auf Googles Browser-Engine Chromium und kehrt damit dem Webkit-Projekt den Rücken. Nach Google und Apple waren die Qt-Entwickler bislang die größten Unterstützer des Webkit-Projekts.

Seit 2007 bietet das Qt-Projekt mit Qt Webkit eine eigene Adaption der freien Browser-Engine Webkit an. Künftig wird diese durch die neue Qt Webengine ersetzt, die auf Googles Webkit-Fork basiert, kündigt Qt-Chefentwickler Lars Knoll an.

Chromium habe einen klaren Cross-Plattform-Ansatz, der Browser stehe auf allen großen Desktopplattformen und Android zur Verfügung. Für Webkit gelte das nicht mehr, da Apple sich auf Mac OS X konzentriert. Daher müssten sich die Qt-Entwickler um alle anderen von ihnen unterstützten Betriebssysteme selbst kümmern, beschreibt Knoll einen der Wechselgründe.

Zudem biete Chromium vieles fertig an, was die Qt-Entwickler in Webkit selbst mit viel Arbeit umsetzen müssten. Das gilt beispielsweise für neue HTML5-Funktionen wie WebRTC, die sich ohne Qt-spezifischen Code mit Chromium direkt nutzen lassen. Da also weniger Anpassungen an Betriebssysteme notwendig sind, bleibt den Qt-Entwicklern mehr Zeit, um sich auf andere Aspekte zu konzentrieren, beispielsweise ein einfaches API zur Integration in Qt-Applikationen.

Zudem setzte Google bei Chromium einen hohen Qualitätsstandard an, was den Testaufwand für die Qt-Entwickler vereinfache und die neue Qt Webengine stabiler machen soll. Knoll geht zudem davon aus, dass der Umstieg auf Chromium zu mehr Geschwindigkeit führen wird, wovon Qt Quick und die Widgets profitieren. Darüber hinaus sei das Chromium-Projekt sehr dynamisch, so dass Chromium der Browser sei, der sich derzeit am schnellsten weiterentwickelt.

All das habe dazu geführt, dass sich die Qt-Entwickler entschieden haben, von Webkit auf Chromium zu wechseln, so Knoll. Sie gehen davon aus, dass der Umstieg zu einer besseren Webengine für Qt führen wird, als das, was Qt Webkit heute bietet. Allerdings bedingt der Umstieg eine Änderung des APIs, was in der Multi-Prozess-Architektur von Chromium begründet ist. Dennoch sollen viele Qt-Applikationen ohne große Änderungen mit dem neuen API funktionieren und Qt Webkit wird auch noch weiter gepflegt. Nur neue Funktionen wird Qt Webkit nicht mehr erhalten.

Schon mit Qt 5.2 im Herbst soll eine Technology Preview der neuen Qt Webengine vorliegen. Qt 5.3 soll dann die neue Qt Webengine unter Windows, Linux und Mac OS X vollständig unterstützen. Details dazu will Digia auf den Qt Developer Days verraten, die vom 7. bis 9. Oktober 2013 in Berlin und vom 6. bis 8. November 2013 in San Francisco stattfinden.  (ji)


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