Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/luc-verhaegen-intel-zerstoert-wettbewerb-zwischen-wayland-und-mir-1309-101536.html    Veröffentlicht: 11.09.2013 17:10    Kurz-URL: https://glm.io/101536

Luc Verhaegen

Intel zerstört Wettbewerb zwischen Wayland und Mir

Der Lima-Treiber-Entwickler Verhaegen schreibt, Intel verhindere mit dem Entfernen der XMir-Patches jeglichen fairen Wettbewerb zwischen Wayland und Mir. Das Unternehmen habe damit jeglichen moralischen Vorsprung gegenüber Canonical verspielt.

Der Grafiktreiber-Entwickler Luc Verhaegen kommentiert in seinem Blog die Entscheidung des Intel-Managements, die XMir-Patches wieder aus dem X.org-Treiber zu entfernen, mit deutlichen Worten: Er beschreibt sie als "Software-Faschismus". Diese Art von "Machtspielen" sei "ziemlich hinterlistig" und sehr viel schädlicher, als es zunächst erscheine.

Zum Schaden aller Nutzer

Denn das Unternehmen zerstöre jeglichen möglichen Wettbewerb der Software unter gleichen Voraussetzungen und schade damit letztlich allen Nutzern. Ein derartiges Verhalten neige dazu, die "technisch am wenigsten fortschrittliche und moralisch inakzeptabelste" Lösung zu bevorzugen.

Verhaegen glaubt darüber hinaus, dass dies möglicherweise erst der Anfang schlechter Entscheidungen sei, die die Entwicklung des Intel-Treibers nun beeinflussen könnten. Schlimmstenfalls könnte das Unternehmen sogar so weit gehen, die unter Mir auftretenden Fehler schlicht nicht zu akzeptieren und sich weigern, diese zu beheben - auch wenn diese nicht am Zusammenspiel mit Mir liegen, sondern im Treiber selbst.

Intel schadet sich selbst

Doch auch nach dem jetzigen Stand der Dinge füge Intel sich und seinen Kunden mehr Schaden als notwendig zu. Immerhin sei Ubuntu die mit Abstand meistgenutzte Linux-Distribution und damit wahrscheinlich auch die größte Testumgebung für Intels Treiber. Außerdem sei klar, dass Ubuntu Mir einsetzen werde. Als Hardwarehersteller habe Intel damit seinen Kunden gegenüber "die Pflicht, auch Mir zu unterstützen".

Das Testen und Debuggen des Treibers unter Ubuntu wird nun aber wesentlich erschwert, da die Fehler nicht mehr direkt an die Intel-Entwickler gemeldet werden, sondern an das Ubuntu-Team. Zudem kann neuer Treiber-Code wie etwa Fehlerbereinigungen nicht ohne weiteres unter Ubuntu getestet werden, da die XMir-Patches selbst angewandt werden müssen. Intel schade seinem eigenen Grafiktreiber also mehr als Canonical und Mir, meint Verhaegen.

Mir ist kein Problem

Als erfahrener Entwickler von Grafiktreibern habe er persönlich kein besonderes Problem mit der Existenz des Displayservers Mir, erklärt Verhaegen. Zwar begrüße er Canonicals Abkehr von Wayland nicht, aber Mir sei abgesehen von dem Contributor-License-Agreement schließlich freie Software und schade niemandem außer Canonicals eigenen Ressourcen und Nutzern.

Auch sei Mir, genau wie Wayland, nur eines der vielen und in freier Software häufigen neu erfundenen Dinge. Im Falle der beiden Displayserver eben die Neuerfindung des X-Servers. Aus Verhaegens Sicht war bisher der einzige Unterschied der moralische Vorteil auf Seiten Intels mit Wayland gegenüber Canonical und Mir. Doch diesen habe der Chiphersteller nun verspielt.  (sg)


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