Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-total-war-rome-2-strategie-mit-epischen-dimensionen-1309-101499.html    Veröffentlicht: 10.09.2013 14:19    Kurz-URL: https://glm.io/101499

Test Total War Rome 2

Strategie mit epischen Dimensionen

Viele Völker, riesige Schlachten zwischen mehreren Parteien und spannende neue Funktionen offenbart der neue Teil der Total-War-Reihe - aber auch altbekannte KI-Schwächen.

Einen großen Sprung zurück in die Vergangenheit unternimmt Total War: Während Fans der Reihe zuletzt in Shogun 2 im Japan des 16. Jahrhunderts unterwegs waren, geht es nun ins Jahr 272 vor Christus. Da fängt die Kampagne von Rome 2 an, dem jüngsten Teil der Total-War-Reihe von Creative Assembly. Während sich die letzten Serienteile um lokal und historisch begrenzte Konflikte drehten, ist Rome 2 wieder deutlich epischer: Spieler treten als Oberbefehlshaber der römischen Streitkraft, wahlweise aber auch als Chef der Truppen von Ägypten, Karthago, Makedonien oder vier weiterer spielbarer Fraktionen an, alle mit eigenen militärischen oder wirtschaftlichen Stärken und Schwächen. Insgesamt gibt es sogar 117 Fraktionen - die meisten dürften selbst sehr Geschichtsinteressierten kaum bekannt sein.

Am grundsätzlichen Spielprinzip der Total-War-Reihe ändert sich in Rome 2 nichts: Der Spieler zieht auf einer Weltkarte seine Runden beim Aufbau von Siedlungen und der Platzierung der Truppen. Wenn es zum Kampf kommt, wechselt das Programm in den Schlachtfeldmodus, in dem der Spieler als Oberbefehlshaber seine Armeen in den Kampf steuert. Dazu kommen weitere Elemente wie Diplomatie, Handel und Wirtschaft sowie Forschung. Das alles funktioniert trotz vieler Detailänderungen ähnlich gut wie in früheren Serienteilen. Auch die bei Serienprofis unbeliebte Tatsache, dass jeder Zug nun einem Jahr entspricht, wirkt sich in der Praxis nicht negativ aus.

Die meisten größeren Neuerungen machen einen positiven Eindruck. So lassen sich nun mehrere Regionen zu einer Provinz zusammenfassen, die der Spieler dann als Ganzes verwaltet - was den Aufwand beim Mikromanagement deutlich reduziert. Außerdem lassen sich dann Edike veröffentlichen, also für die ganze Provinz geltende Befehle, die zu Verstärkungen etwa der Kampfkraft führen.

Größere Auswirkungen hat auch die Verzahnung von Land- und Seeschlachten. Eine Armee kann nun von Land aus Schiffe beschießen. Umgekehrt können aber auch Schiffe ans Ufer segeln und dort mit ihren Truppen an den Kämpfen teilnehmen.

Auch bei den Echtzeitgefechten hat sich einiges getan. Allerdings fangen hier die größeren Probleme an. So ist es nun beispielsweise möglich, dass sich mehrere Soldaten gleichzeitig mit einzelnen Feinden anlegen. Allerdings hat die KI massive Schwierigkeiten, damit zurechtzukommen, kann sich immer wieder nicht entscheiden, was sie tun soll - und tut dann oft gar nichts, was für den Spieler bedeutet, dass er sehr auf die tatsächlichen Vorgänge am Boden aufpassen muss.

Multiplayer, Grafik und Fazit

Auch mit anderen Neuerungen auf dem Schlachtfeld, etwa den echten Sichtlinien, ist die KI immer wieder überfordert. Das führt auch dazu, dass viele Schlachten vergleichsweise einfach zu gewinnen sind, weil die Gegner-KI viele Standardfehler begeht und etwa mit ihren wichtigsten Truppen und den Anführern auf vorhersehbaren Routen unterwegs ist. Creative Assembly hat bereits angekündigt, die Probleme mit einer Reihe von Patches nach und nach zu lösen.

Einzelspieler sind mit Rome 2 locker mehrere Dutzend Stunden beschäftigt - im Grunde ist der Titel sogar eines der Programme, mit denen man sich unbegrenzt lange beschäftigen kann. Zusätzlich gibt es einen Multiplayermodus, der sich vor allem auf vergleichsweise schnelle Direktkonfrontationen zwischen zwei Parteien aus jeweils ein bis vier Mitstreitern, kurze Mehrspielerkampagnen zwischen zwei Parteien aus je einem Spieler sowie einen 2-Spieler-Koopmodus konzentriert. Das alles läuft entweder mit vorkonfigurierten Armeen oder mit von Hand zusammengestellten Streitkräften ab.

Die Grafik hat Creative Assembly gegenüber den Vorgängern zwar nicht grundlegend verändert, aber doch deutlich überarbeitet. Einheiten sind noch aufwendiger animiert, es gibt eine schicke Verfolgerkamera für Bodentruppen, dazu kommen sehenswerte Licht- und Schatteneffekte und sehr detaillierte Landschaften.

Rome 2 ist nur für Windows-PC erhältlich. Das Programm kostet um die 50 Euro. Preisvergleiche lohnen sich: Bei Amazon.de ist die Downloadversion derzeit für 42 Euro erhältlich, bei Steam sind 55 Euro fällig. Mit einer ersten Erweiterung für rund 8 Euro sind außerdem die Griechen spielbar. Das Spiel muss in jedem Fall bei Steam aktiviert werden, ein Weiterverkauft ist dann wie immer nicht möglich.

Für ein Strategiespiel hat Rome 2 recht hohe Hardwareanforderungen - kein Wunder bei den teils riesigen Schlachtfeldern und den großen Armeen. Das Spiel läuft wahlweise unter DirectX-9c oder DirectX-11 - da sollten CPU und Grafikkarte aber schon etwas aktueller sein; in beiden Fällen belegt das Programm mindestens 35 GByte auf der Festplatte. Hierzulande erscheint es ungeschnitten und vollständig übersetzt mit einer USK-Freigabe ab 12 Jahren.

Fazit

Das historische Rom ist an seiner eigenen Größe zugrunde gegangen. Bei Rome 2 droht diese Gefahr nur auf den ersten Blick: Obwohl das Strategiespiel ein Komplexitätsmonster und Zeitfresser geworden ist, hat Entwickler Creative Assembly eine gelungene Mischung aus Altbewährtem und sinnvollen Neuerungen gefunden. Das Gefüge aus Provinzsystem, Land- und Seeschlachten sowie dem bewährten Total-War-Spielprinzip funktioniert sehr gut. Ärgerlich sind die vielen Programmfehler, die stellenweise unfassbar offensichtlich sind. Dazu zählen grundsätzliche Schwächen der KI. Trotzdem ist Rome 2 das beste Total War seit langem - vor allem für langjährige und erfahrene Serienfans.  (ps)


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