Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wikileaks-informant-mannings-anwaelte-reichen-gnadengesuch-ein-1309-101363.html    Veröffentlicht: 04.09.2013 11:12    Kurz-URL: https://glm.io/101363

Wikileaks-Informant

Mannings Anwälte reichen Gnadengesuch ein

Die Anwälte des verurteilten Wikileaks-Informanten Manning haben bei US-Präsident Barack Obama ein Gnadengesuch eingereicht. Es enthält auch eine persönliche Botschaft an Obama.

Chelsea Manning, vormals Bradley Manning, hat über ihre Anwälte ein Gnadengesuch bei US-Präsident Obama eingereicht. Das Gnadengesuch soll gestern an das Weiße Haus verschickt worden sein.

Darin schreibt Manning selbst an den US-Präsidenten: Als sie sich entschieden habe, vertrauliche Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen, habe sie das aus Liebe zu ihrem Vaterland getan. Ihr sei bewusst, dass sie damit gegen das Gesetz verstoßen habe. Sollte ihr Gnadengesuch abgelehnt werden, werde sie die Zeit im Gefängnis in der Überzeugung verbringen, einen hohen Preis dafür zu zahlen, in einer freien Gesellschaft zu leben.

Präsident Obama werde ein Gnadengesuch von Manning prüfen wie jedes andere auch, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses kurz nach der Verkündung des Strafmaßes. Während der Verhandlung hatte Manning mehrfach betont, sie habe mit der Weitergabe der Dokumente vor allem auf das Unrecht der Kriegseinsätze und das Töten von Zivilisten durch die US-Streitkräfte hinweisen wollen.

Gnadengesuch auch per Petition

Manning wurde von einem US-Militärgericht zu 35 Jahren Haft verurteilt. Sie darf frühestens in 11 bis 12 Jahren auf eine Freilassung auf Bewährung hoffen. Kurz nach ihrer Verurteilung hatte Manning über ihre Anwälte mitgeteilt, sie wolle nunmehr als Frau leben, habe den Vornamen Chelsea angenommen und bitte die Medien, ihre Entscheidung zu berücksichtigen. Sie ist gegenwärtig im Militärgefängnis in Fort Leavenworth in Kansas inhaftiert.

Auf der Petitionsseite des Weißen Hauses ist ebenfalls ein Gnadengesuch für Manning eingereicht worden. Die Verurteilung zu 35 Jahren Haft sei unangemessen, heißt es dort in dem Schreiben. Das Urteil stehe in unverhältnismäßigem Kontrast zu denjenigen, die andere erhalten haben, die Folter und andere Verbrechen gegen die Menschheit begangen haben. Mit seiner Zustimmung zu einem Gnadengesuch würde Obama auch ein deutliches Zeichen zum Schutz für Whistleblower setzen. Damit die Petition überhaupt an Obama weitergereicht wird, müssen mindestens 100.000 Unterschriften geleistet werden. Bisher haben etwas mehr als 22.000 Menschen die Petition unterschrieben.  (jt)


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