Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/inquisition-der-erste-ausflug-zu-dragon-age-3-1308-101304.html    Veröffentlicht: 31.08.2013 23:00    Kurz-URL: https://glm.io/101304

Inquisition

Der erste Ausflug zu Dragon Age 3

Eine eigene Burg, taktische Schlachten aus der Übersichtsperspektive, eine riesige Welt - und Drachen: Mit Dragon Age 3 will Bioware zurück zu alter Stärke. Golem.de zeigt Videomaterial aus dem Spiel und hat mit den Entwicklern gesprochen.

Entwickler von Computerspielen können gemein sein! Etwa die von Bioware: Sie zeigen bei einer Präsentation in London jede Menge Ingame-Szenen aus Dragon Age 3 Inquisition. Und dann kommt eine Stelle, an der ein spektakulär aussehender Drache über die Köpfe des Heldentrupps saust, und es wird klar: Gleich fliegen die Fetzen. In dem Moment blendet Jonathan Perry, der das Spiel vorführt und sonst als leitender Designer vor allem für die Zwischensequenzen zuständig ist, das Bild und den Ton ab. Die eigentliche Schlacht gegen das Biest will sein Team erst später zeigen.

Immerhin hat Perry vorher erstmals einen ausführlichen Blick auf das Rollenspiel gewährt. Trotzdem noch ein Wort zu den Drachen: Perry sagt, dass Bioware eine "ganze Reihe von Schlachten" gegen die mächtigen Wesen schaffen möchte, die alle sehr unterschiedliche Stärken, Schwächen und Kampfmuster haben sollen. Der bei der Präsentation vorgeführte Drache spuckt Feuer - viel mehr bekommen wir von ihm nicht zu sehen. Die Kämpfe gegen die Flügelwesen sollen erst etwas später im Spiel auftauchen. "Anfangs ist der vierköpfige Heldentrupp noch viel zu schwach, um auch nur den Hauch einer Chance gegen Drachen zu haben", sagt Perry.

Für Fans mindestens ebenso wichtig dürfte sein, dass Spieler in den Kämpfen von Inquistion zur isometrischen Taktik-Ansicht aus Origins greifen können - und dass sie natürlich das Geschehen wie schon im ersten Baldur's Gate jederzeit pausieren können, um ihrem Heldentrupp neue Befehle zu erteilen. Perry hat das demonstriert: Bei einem Kampf um eine belagerte Burg hat er mit seiner Hauptfigur erst in klassischer Actionmanier angegriffen, indem er dem feindlichen Blutmagier das Flammenschwert überzog. Dann hat er das Spiel pausiert, in die Vogelperspektive geschaltet, seinen Begleitern nach und nach Gegner zugewiesen und per Kreismenü die Spezialattacken ausgewählt.

Bei der Hauptfigur soll der Spieler laut Perry zwischen den drei Klassen Magier, Schurke und Krieger wählen können. Dazu kommen die Entscheidungen, ob der Spieler als Mensch, Zwerg, Elf oder als Qunari ins Abenteuer ziehen möchte und ob er das als weiblicher oder als männlicher Held macht. An Begleitern haben wir bislang nur den Zwerg Varric und Cassandra aus Dragon Age 2 gesehen, dazu eine neue Magierin namens Vivienne. Aus Origins wird insbesondere die mysteriöse Hexe Morrigan eine große Rolle spielen, allerdings nicht als Mitglied der Gruppe, sondern als Teil der Handlung.

Dämonen dringen durch den Riss...

Die dreht sich um einen Riss in eine andere Dimension, aus der Dämonen einen Großangriff auf die Welt Thedas starten. Dort gibt es aber auch schon jede Menge Konflikte, insbesondere der alte Streit zwischen Magiern und Templern spitzt sich zu. Steckt vielleicht noch eine andere, unbekannte Macht hinter all diesen Vorgängen?

Der Spieler soll das als Teil der sogenannten Inquisition herausfinden. Das Wort mag in Europa ungute Assoziationen an Gräueltaten der Kirchen wecken. In Dragon Age 3 soll die Inquisition eher eine Art Fantasy-FBI sein, die erst mal ermittelt und dann natürlich einen Weg finden muss, um mit der Gefahr fertig zu werden. Laut Perry soll es fünf oder sechs Arten von Enden für die Haupthandlung geben.

Besonderen Wert legt das Team laut Jonathan Perry auf "Figuren, die man lieben und hassen kann" und auf "komplexe Entscheidungen" mit spürbaren und langfristigen Auswirkungen - "eine einzelne Tat kann alles ändern", sagt Perry. Beispiele dafür nennt er allerdings noch nicht.

Ebenfalls noch nicht so richtig klar ist uns, wie offen die Spielewelt sein wird. Immerhin sagt Bioware, dass sie sehr viel größer als in Dragon Age 2 sein wird. Der Vorgänger soll beispielsweise vollständig in eine mittelgroße Region von Inquisiton passen, und in einem der präsentierten Gebiete würde der "Held zu Fuß per Luftlinie rund 15 Minuten" von einem zum anderen Rand unterwegs sein, so Perry.

Der erste Abstecher bei der Präsentation führt nach Crestwood. Das ist eine halb aus steinigen Hügeln, halb aus wunderbar aussehenden Tälern mit saftigem Gras, viel Grün und schönen Seen bestehende Umgebung in der Region Ferelden. Hier macht sich die Frostbite-3-Engine sehr bemerkbar, das Ganze sieht um Längen besser aus als die Vorgänger und stellt auch Titel wie Skyrim deutlich in den Schatten.

In Crestwood muss der Heldentrupp mehrere Siedlungen retten, die von Blutmagiern angegriffen werden. Beim Ansturm auf die Feinde setzt Perry erst Mal deren am Ufer liegende Schiffe mit Feuergranaten in Brand, um die Gefahr einer Flucht zu verhindern. Dann entspinnen sich die eigentlichen Kämpfe - wie bereits geschildert erst in einer eher an Actiontitel erinnernden Art, dann vor allem in der Taktikansicht.

Ein paar Beobachtungen am Rande: Am Strand läuft der Heldentrupp angesichts des morastigen Bodens kurz - und sehr gut animiert - mit langen Schritten wie in einem Sumpf. Offensichtlich hat Bioware mehrere Bewegungsarten in petto, die je nach Untergrund abgerufen werden. Und: Es gibt auch Pferde! Am Rande der Schlacht sehen wir kurz einige in dicker Panzerung, die wir laut Perry zum Vorankommen in der Welt tatsächlich benutzen können.

Ebenfalls ein kleines Detail, das aber langfristige Auswirkungen haben dürfte: Die Helden heilen nach Kämpfen nicht mehr automatisch, sondern müssen Potions oder Zauber anwenden. Das soll dafür sorgen, dass der Spieler etwas überlegter in den Schlachten agiert oder einen Trupp Banditen am Wegesrand auch mal einfach stehenlässt, um Ressourcen zu sparen.

Fantasy-Freiheit und eine packende Handlung

Eine zweite Umgebung, die Perry zeigt, trägt den Namen Westwood Approach. Sie erinnert mit felsigen roten Steinen und viel Sand an typische Wüsten aus Wild-West-Filmen. Nach Angaben des Designers ist auch dieses Areal riesig und enthält zusätzlich zur Hauptmission noch jede Menge Nebenquests. Nicht zu allen sollen Auftraggeber führen, viele soll der Spieler durch das Erforschen der Landschaft selbst finden können. Jedenfalls, wenn er Lust hat, sich auf die Jagd nach derlei Abenteuern zu machen, unbedingt nötig zum Vorankommen soll es nicht sein.

Rasch kommt der Heldentrupp zu einem Hügel, auf dem wie ein gewaltiges Vogelnest eine von wuchtigen Eisendornen geschützte, ziemlich düstere Burg thront. Hier demonstriert Perry, im Schnelldurchgang, eine weitere Neuerung in Dragon Age 3: Diese Burg kann der Spieler einnehmen und zu seinem Stützpunkt machen. Das ist ein Nebenquest, also nicht unbedingt nötig. Soweit wir das verstanden haben, soll es mehrere solcher Burgen geben, die zum Teil der Inquisition werden können.

Im konkreten Fall soll es mehrere Wege in das Innere der Festung geben. Beispielsweise hat Varrik in einem früheren Multiplechoice-Gespräch erfahren, dass es versteckte Tunnel gibt. Im konkreten Fall zertrümmert allerdings Cassandra das Tor mit Magie. Dann entspinnt sich ein erbitterter Kampf, inklusive spektakulär aussehender Zauber-Meteorhagel und per Eismagie festgefrorener Gegner.

Schick animiert ist der Anführer der feindlichen Besatzer: Er wirbelt ein schwebendes Zauberbuch um sich, aus dem er immer wieder neue magische Sprüche holt und sie anwendet. Sobald die Burg dem Spieler gehört, lädt das Spiel eine eroberte Version des Gebäudes in den Speicher. Das einst düstere und halb zerstörte Bauwerk sieht jetzt hell und freundlich aus, Soldaten unserer Armee haben ihre Zelte aufgebaut.

Noch nicht konkret äußert sich Bioware dazu, wie die Fantasywelt von Dragon Age 3 aufgebaut ist. Klar scheint zu sein, dass es sich anders als bei Skyrim nicht einfach um eine riesige Sandbox handeln wird; das erlaubt wohl die Frostbite-Engine nicht so ohne weiteres, und außerdem legt Bioware sehr viel Wert darauf, eine packende Handlung zu erzählen, wie Perry und einige weitere Mitarbeiter von Bioware mehrfach betonen. Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass der Spieler weiter entfernte oder höherstufige Regionen erst betreten kann, wenn er über ausreichende Erfahrungspunkte oder andere Ressourcen verfügt. Das dürfte aber so in die Handlung integriert sein, dass es sich ganz natürlich anfühlt. Stopp-Schilder mit der Aufschrift "Keine Helden unter 20" erwarten wir nicht.

Laut Bioware handelte es sich bei der vorgeführten PC-Fassung um eine sehr frühe Pre-Alpha-Version. Die Entwickler werden mindestens noch ein Jahr für die weitere Produktion brauchen, derzeit geht Publisher Electronic Arts von einer Veröffentlichung Ende 2014 aus. Dragon Age 3 Inquisition soll für alle relevanten Plattformen erscheinen.  (ps)


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