Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/brain-to-brain-interface-mensch-steuert-anderen-mit-gedanken-fern-1308-101246.html    Veröffentlicht: 28.08.2013 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/101246

Brain-To-Brain Interface

Mensch steuert anderen mit Gedanken fern

Einem US-Wissenschaftler ist es gelungen, einen Kollegen fernzusteuern. Er hat seine Gedanken in dessen Gehirn übertragen und eine Bewegung ausgelöst, ohne dass der andere das wollte.

Ein Mensch kontrolliert die Gedanken eines anderen: Das haben Wissenschaftler der Universität des US-Bundesstaates Washington in Seattle getan. Über eine Gehirn-zu-Gehirn-Schnittstelle (Brain-To-Brain Interface) hat der Informatiker Rajesh Rao auf das Bewegungszentrum seines Kollegen Andrea Stocco zugegriffen, um ein Computerspiel zu bedienen.

Für das Experiment trug Rao eine Datenkappe, die per Elektroenzephalografie seine Gehirnströme aufzeichnete. Stocco befand sich in einem anderen Gebäude auf dem Campus und trug eine Badekappe, in die eine Spule eingearbeitet war. Diese sollte per transkranieller Magnetstimulation (TMS) sein Gehirn beeinflussen.

Rao spielte ein Computerspiel, bei dem er mit der rechten Hand einen Feuerknopf bedienen musste. Statt seine Hand zu bewegen, dachte er nur daran. Das EEG empfing die Signale aus dem Bewegungszentrum seines Gehirns und sandte diese an einem Computer. Über das Internet wurden die Daten an dem Computer in den anderen Raum übertragen und von dort an die Spule auf Stoccos Kopf.

Unfreiwillige Bewegung

Der bewegte daraufhin unfreiwillig seinen rechten Zeigefinger und drückte die Leertaste auf der Tastatur des Computers, also die Feuertaste. Später erklärte er, die Bewegung des Fingers habe sich angefühlt wie ein nervöses Zucken. Er konnte das Spiel selbst nicht sehen und trug Ohrstöpsel, um akustische Hinweise auszuschließen - die Mitglieder des Forscherteams kommunizierten per Skype miteinander. Rao und Stocco konnten die Kommunikation nicht verfolgen.

"Es war gleichermaßen aufregend und unheimlich, dabei zuzusehen, wie eine gedachte Handlung in meinem Gehirn von einem andern Gehirn in eine tatsächliche Aktion übersetzt wird", kommentierte Rao. Bei dem Experiment habe es sich noch um eine Einwegverbindung von seinem Gehirn zu Stoccos gehandelt. "Der nächste Schritt ist eine gleichberechtigte Zwei-Wege-Kommunikation direkt zwischen den beiden Gehirnen."

Keine Telepathie

Es handele sich aber nicht um echte Telepathie, beruhigt Rao. Die Technik könne lediglich bestimmte, einfache Gehirnströme auslesen. Sie ermögliche es auch nicht, Menschen gegen ihren Willen zu beeinflussen. Beide Probanden trugen eine spezielle Ausrüstung, das Experiment fand unter Laborbedingungen statt.

"Ich glaube, das wird einige Menschen verunsichern, weil sie die Technik überschätzen", sagt Stoccos Ehefrau Chantel Prat - beide sind Psychologen. Aber wie Rao sieht sie auch keine Chance für einen Missbrauch: "Es gibt keine Möglichkeit, unsere Technik, unwissentlich oder ohne deren bereitwillige Beteiligung bei einer Person einzusetzen."

Von Ratten und Menschen

Das Neue an dem Versuch der UW-Wissenschaftler ist die Kommunikation zwischen zwei menschlichen Gehirnen. Anfang des Jahres haben Wissenschaftler von der Duke-Universität in Durham im US-Bundesstaat North Carolina schon Ratten untereinander von Gehirn zu Gehirn kommunizieren lassen. Dabei saß die eine Ratte in Durham, die andere in Natal im Nordosten Brasiliens.

Im Frühsommer vernetzten Wissenschaftler der Harvard-Universität das Gehirn eines Menschen mit dem einer Ratte. Mit der Kraft ihrer Gedanken konnten die Menschen den Schwanz der Ratte bewegen.  (wp)


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