Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ouya-schummel-vorwuerfe-bei-kickstarter-1308-101244.html    Veröffentlicht: 28.08.2013 11:46    Kurz-URL: https://glm.io/101244

Ouya

Schummel-Vorwürfe bei Kickstarter

Geht bei zwei Kampagnen für Ouya-Exklusivspiele auf Kickstarter alles mit rechten Dingen zu? Spieler und die US-Presse äußern Zweifel - etwa, weil bei einem Projekt namens Gridiron Thunder jeder Unterstützer im Durchschnitt mehr als 600 US-Dollar bereitstellt.

Unterstützer wie die von Gridiron Thunder wünscht sich jedes Kickstarter-Projekt: Die gerade mal 126 Backer haben insgesamt schon mehr als 78.000 US-Dollar zusammenbekommen - pro Person sind das mehr als 600 US-Dollar. Die Finanzierungshürde von 75.000 US-Dollar ist erreicht, seitdem tut sich bei dem für Ouya angekündigten Titel so gut wie nichts mehr. Zum Vergleich: Broken Age von Double Fine hat rund 38 US-Dollar pro Unterstützer erhalten, das deutsche Battle Worlds Kronos von King Art rund 34 US-Dollar.

Im Forum des Spiels und in der US-Presse, insbesondere in einem längeren Artikel von Gamasutra.com, gibt es nun Vorwürfe, dass Mogo TXT, das Entwicklerstudio hinter Gridiron Thunder, schummelt. Der Verdacht: Das Studio hat es vor allem darauf abgesehen, eine von Ouya versprochene Verdopplung der Summe für die Entwicklung Ouya-exklusiver Spiele zu erhalten.

In einem Thread auf Neogaf haben Mitglieder der Community herausgefunden, dass zahlreiche Nutzerkonten bei der Kampagne für Gridiron Thunder neu angelegt wurden und die Accountnamen auffällig oft dem Namen von Mogo-TXT-Chef Andrew Won oder dem von Prominenten ähneln.

Won verteidigt sich auf Gamasutra. So nennt er als Ursache für die hohe Beitragssumme pro Unterstützer, dass er viele reiche Freunde im Silicon Valley und in der Profisportler-Szene habe, die Geld bereitgestellt hätten. Auf einige konkrete Nachfragen habe Won allerdings gar nicht geantwortet, schreibt die Redaktion.

Ähnliche Vorwürfe gibt es bei Elementary, My Dear Holmes - allerdings sind die Umstände dort längst nicht so auffällig. Jeder Unterstützer hat im Durchschnitt etwas mehr als 70 US-Dollar bereitgestellt, und der Chef des Entwicklerstudios, Sam Chandola, hat sich direkt in den Foren zu Wort gemeldet und will die Angelegenheit selbst untersuchen.

In beiden Fällen kann nach aktuellem Stand nicht von Betrug die Rede sein, sondern eher von Manipulation des Systems innerhalb von dessen Regeln. Spieler würden wohl nicht geschädigt - betroffen wäre in erster Linie die Firma Ouya, weil sie Spiele finanziell unterstützen müsste, die erstens in der Community nicht auf echte Leidenschaft stoßen und deren Entwickler zweitens eher an Geld als an guten Games interessiert sind. Ouya Inc. hat in seinem Blog bereits angekündigt, beiden Titeln die versprochenen Finanzmittel zukommen zu lassen.

Auch bei anderen Projekten ist unter der Hand durchaus mal davon zu hören, dass ein reicher Onkel oder befreundeter Chef eines anderen Entwicklerstudios die letzten paar tausend US-Dollar investiert, falls die Kampagne kurz vor dem Erreichen des Ziels zu scheitern droht. Verboten ist so etwas nicht. Wenn es zu starken Auffälligkeiten wie offenbar bei Gridiron Thunder kommt, dürfte allerdings das Vertrauen der Community in Crowdfunding langfristig Schaden nehmen.  (ps)


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