Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mediengewalt-achtjaehriger-erschiesst-grossmutter-nach-gta-4-konsum-1308-101215.html    Veröffentlicht: 27.08.2013 11:55    Kurz-URL: https://glm.io/101215

Jugendschutz

Ist GTA 4 verantwortlich für Gewalttat eines Jungen?

Kurz vor der Veröffentlichung von GTA 5 sorgt in den USA ein tragischer Unglücksfall für Schlagzeilen: Offenbar hat ein achtjähriger Junge seine Großmutter erschossen - direkt nachdem er GTA 4 gespielt hat.

In der US-Presse, insbesondere in der Spielefachpresse, sorgt ein Unglücksfall für Schlagzeilen. Wie einige Medien, darunter CNN, berichten, soll im Bundesstaat Louisiana ein achtjähriger Junge seine 87-jährige Großmutter mit einem Kopfschuss von hinten getötet haben - kurz nachdem er GTA 4 gespielt hatte, so der ermittelnde Sheriff. Die Waffe gehörte der Großmutter.

An der Faktenlage gibt es wenig Zweifel. Die Tat hat in einer als ruhig und friedlich beschriebenen Wohnwagensiedlung stattgefunden, auffällige Anzeichen für familiäre Probleme gibt es den Medienberichten zufolge nicht.

GTA 4 ist kein Spiel, das für ein Kind in dem Alter geeignet ist: In den USA prangt eine "Mature"-Warnung auf der Packung, der zufolge das Programm nur für Personen ab 17 Jahren geeignet ist. Verbindliche Auswirkungen, etwa auf den Verkauf, hat das allerdings nicht. In Deutschland hat die USK eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Viele Details des Unglücks sind noch nicht geklärt. Im Grunde vermitteln die Berichte das Bild, dass der Junge eine ihm möglicherweise nicht in vollem Umfang verständliche Aktion aus dem Spiel nachgestellt haben könnte, ohne dass er eigentlich aggressiv wurde oder gar wirklich töten wollte.

Nach aktuellem Stand der Pädagogik versteht ein typisches Kind in dem Alter noch nicht, dass bestimmte Taten zum Tod eines Menschen führen können. Der Junge muss keine strafrechtlichen Folgen fürchten - in Louisiana droht Kindern erst ab einem Alter von zehn Jahren eine Verfolgung.

Rockstar Games, der Publisher von GTA 4, hat in einer Erklärung verneint, dass sein Spiel eine Schuld an der Tragödie trifft. Derartige Theorien würden die "offensichtlichen tatsächlichen Ursachen" ausblenden. Welche Ursachen damit gemeint sind, sagt das Unternehmen nicht.

In den USA könnte der Fall für ein Wiederaufleben der Diskussion um die Zusammenhänge von Medien und Gewalt sorgen. Sie war durch Amokläufe entfacht worden, insbesondere das Massaker von Sandy Hook im Dezember 2012, bei dem 28 Menschen ums Leben kamen, vor allem Kinder. Das Kabinett von US-Präsident Barack Obama hatte wenig später unter anderem bei der Gesundheitsbehörde (CDC) und dem Nationalen Gesundheitsinstitut (NIH) Studien in Auftrag gegeben, die untersuchen sollen, ob Computerspiele pathologisch auffälliges Verhalten fördern.  (ps)


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