Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/galaxy-tab-7-3-0-im-test-lieblose-neuauflage-1308-101205.html    Veröffentlicht: 27.08.2013 15:28    Kurz-URL: https://glm.io/101205

Galaxy Tab 7 3.0 im Test

Lieblose Neuauflage

Fast verschämt versteckt Samsung seine neuen 7-Zoll-Tablets auf seiner Produktseite. Unser Test zeigt, warum.

Samsung war einer der ersten Hersteller, der ein 7-Zoll-Tablet auf den Markt brachte. Zwischenzeitlich veröffentlichte Samsung die zweite Version des Galaxy Tab 7 mit dem Zusatz Plus, das ebenfalls einen guten Eindruck hinterließ, während das Galaxy Tab 7 2.0 eher ein funktionsreduziertes Modell darstellte, das nicht ganz als Nachfolger gewertet werden konnte. Das Galaxy Tab 7 3.0 ist hingegen ein deutlicher Rückschritt, wie unser Test zeigt.

Etwas leichter ist es geworden, das Galaxy Tab 7 in der Version 3.0. Während sein Plus-Vorgänger noch 347 Gramm wog, wiegt das dritte 7-Zoll-Tablet von Samsung 306 Gramm. Das Gehäuse ist der aktuellen Galaxy-Reihe angepasst, ein Rahmen in silberner Farbe ziert unser ansonsten komplett in Weiß gehaltenes Gerät. Das neue Galaxy Tab ist mit 188 x 111,1 x 9,9 mm kleiner und dünner als das Plus-Modell mit 194 x 121,5 x 10,2 mm. Das Tablet ist verwindungssteif und gut verarbeitet, nichts knarzt, und es gibt keine Spalten und Lücken zwischen Rahmen, Displayglas und rückseitiger Abdeckung. Die Rückseite ist Samsung-typisch aus glattem Kunststoff und rutscht leichter aus der Hand als andere Tablets mit rauer oder gummierter Rückseite.

Unsere Version des dritten Galaxy Tabs 7 hat lediglich 8 GByte internen Speicher. Davon bleiben dem Anwender nur etwas mehr als 5 GByte für Anwendungen, die sich nicht per A2SD auf eine Speicherkarte verschieben lassen. Das ist zu wenig, vor allem wenn grafisch anspruchsvolle Spiele installiert werden sollen. Der Micro-SDHC-Karten-Slot nimmt Speicherkarten mit maximal 64 GByte auf.

Die Darstellung auf dem TFT-Display ist gelinde gesagt enttäuschend. Die Auflösung von 1.024 x 600 Pixeln und 160 ppi ist kaum zeitgemäß. Zum Vergleich: Das neue Nexus 7 von Asus und Google hat eine Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixeln und 320 ppi. Die Schriften sind auf dem Galaxy Tab 7 3.0 dementsprechend pixelig. Immerhin ist die Farbdarstellung gut, die Farben wirken natürlich und die Kontraste sind ordentlich. Das Display ist auch blickwinkelstabil, es wird beim Kippen etwas dunkler. Die Displayabdeckung spiegelt hingegen ziemlich, bei direktem Sonnenlicht ist es kaum lesbar. Außerdem sammeln sich Fingertapser ziemlich schnell und verringern so die Lesbarkeit.

Laaangsam

Für die Grafik sorgt die GPU Vivante GC 1000+. Zwar liefen Spiele wie Riptide GP erstaunlicherweise recht flüssig auf dem inzwischen ebenfalls veralteten Android 4.1.2. Der Zweikernprozessor PXA986 von Marvell hingegen reicht einfach nicht mehr aus, um im Chrome-Browser ruckelfrei zu surfen. Insgesamt fühlte sich das Tablet langsam an. Anwendungen brauchten deutlich länger zum Starten als auf den meisten Tablets, die wir im vergangenen Jahr getestet haben. Bei grafisch anspruchsvollen Anwendungen ist am Gehäuse eine deutliche, aber nicht unangenehme Wärmeentwicklung zu spüren.

Im Geekbench-2-Benchmark erreicht das Galaxy Tab 7 3.0 magere 964 Punkte. Selbst der Plus-Vorgänger schaffte mit 1.080 etwas mehr. Der hat ebenfalls einen Zweikernprozessor und ist auch mit 1,2 GHz getaktet. Das Fonepad mit seinen zwei Hyperthreading-Kernen bei 1,2 GHz schaffte mit 570 Punkten noch weniger.

Schlechte Benchmarks

Im Javascript-Benchmark Octane Revision 22, den wir im Standardbrowser absolviert haben, liegt das neue Galaxy Tab 3 mit durchschnittlich 1.282 Punkten weit hinter dem aktuellen Nexus 7 mit 2.132 Punkten. Aber selbst das Plus-Modell mit zwei Kernen kommt immerhin schon auf 1.098 Punkte. Das Fonepad von Asus kommt auf 1.545 Punkte.

Im Grafikbenchmark GFXBench 2.7.2 schaffte das Galaxy Tab 7 3.0 2,4 fps im Offscreen-Test T-Rex HD 2.7 und noch 8,8 fps im Offscreen-Test Egypt HD 2.5. Dort schaffte das Plus-Modell bei T-Rex 2.7 noch 2,7 fps. Für den Benchmark Egypt HD reiche der Grafikspeicher nicht, meldet die Anwendung. Im GL-Benchmark Icestorm (3DMark) schaffte das neue Samsung-Tablet 2.158 Punkte. Hier liegt die neue Version immerhin deutlich vor der älteren Plus-Variante mit 1.585 Punkten. Allerdings schaffen bereits viele Smartphones ähnliche und sogar höhere Werte, und das aktuelle Nexus 7 liegt hier bei 11.500 Punkten. Der Vergleich ist zugegebenermaßen etwas unfair, da das Nexus 7 einen Vierkernprozessor hat, der auch höher getaktet ist.

Unterdurchschnittliche Hardware

Für das Umschalten zwischen UMTS und WLAN brauchte das Tablet manchmal mehr als eine Minute. Telefonieren lässt sich mit unserer Variante ebenfalls. Das Tablet lässt sich wie ein Smartphone ans Ohr halten, ein Headset liegt nicht bei. Neben HSPA+ (850, 900, 1.900 und 2.100 MHz) unterstützt das Gerät die GSM-Frequenzen 850, 900, 1.800 und 1.900. Außerdem verbindet es sich per Dualband-WLAN nach 802.11a/b/g/n. Bluetooth unterstützt das Gerät in Version 3.0. Ein NFC-Chip fehlt. Eine LTE-Variante des Tablets gibt es ebenfalls nicht. Sowohl Lage- als auch Helligkeitssensor arbeiteten zuverlässig.

Der nicht wechselbare Lithium-Ionen-Akku hat eine Nennladung von 4.000 mAh. Das ist aber für den offenbar leistungshungrigen Zweikernprozessor und das Display nicht genug. Bei maximaler Helligkeit reichte es für vier Stunden Videowiedergabe, bei normaler Nutzung musste das Gerät bereits nach etwa sechs Stunden wieder aufgeladen werden. Aufgeladen wird das Tablet nunmehr über einen Micro-USB-Steckplatz. In der vorherigen Version war es noch der breitere PDMI-Anschluss.

Kein Stereoklang

Beim Plus-Modell waren die beiden Lautsprecher oben und unten platziert, beim Halten im Querformat wurden sie dadurch zwar mit den Händen verdeckt, brachten aber einen ordentlichen Stereoklang. In der aktuellen Version von Samsungs 7-Zoll-Tablet gibt es nur einen Lautsprecher, dessen Klang sich aber über zwei Schlitze an der unteren Seite entfalten kann. Der Sound ist ordentlich mit guten Basstönen, aber im Vergleich zum Vorgänger schlechter.

Die Hauptkamera ist schlichtweg eine Enttäuschung. Mit nur 3 Megapixeln macht sie auch bei guten Lichtverhältnissen verwaschene Bilder, die beim Heranzoomen fehlende Details offenbaren. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist sie mangels Blitz kaum zu gebrauchen. Außerdem gibt es Probleme beim Fokussieren per Hand und die Optionen der Kamera-Applikation sind auf das Nötigste beschränkt. Zudem stürzt die Kamera-App regelmäßig ab. Die vorderseitige Kamera mit 1,2 Megapixeln reicht für die Videotelefonie. Würde sie nicht so eine geringe Auflösung bieten, würden wir sie als Schnappschuss-Kamera vorziehen.

Älteres Android

Samsung hat seinem neuen Tablet eine alte Android-Version gegeben. Version 4.1.2 ist fast ein Jahr alt. Immerhin hat Samsung seine Touchwiz-Funktionen größtenteils beigelegt, etwa die Spracherkennung S Voice. Die virtuelle Tastatur stammt ebenfalls von Samsung. Diese hat kleinere Tasten und dafür eine Zahlenreihe. Sie lässt sich im Querformat auch verkleinern, so dass sie nur die Hälfte des Bildschirms einnimmt. Auf aktuelle Funktionen von Touchwiz hat Samsung auf dem Tablet aber verzichtet, etwa das Deaktivieren des Bildschirm-Timeouts per Gesichtserkennung oder die Gestensteuerung.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Galaxy Tab 7 3.0 mit 8 GByte Speicher, aber ohne GSM ist in Weiß und Schwarz verfügbar und kostet 209 Euro. Eine Variante mit 16 GByte soll es ebenfalls geben, sie ist aber in Deutschland noch nicht verfügbar. Mit GSM und 8 GByte Speicher kostet das 7-Zoll-Tablet 100 Euro mehr.

Fazit

Der gegenüber dem gut ausgestatteten Plus-Vorgänger halbierte Speicher und ein schlechteres Display; Samsung hat an dem neuen Tablet zu viel gespart. Das macht auch das leichtere und kleinere Gehäuse nicht wett.

Der Zweikernprozessor macht das Tablet auch unnötig langsam. Das zeigt sich bei den merklichen Verzögerungen bei der Eingabe und bei der ruckelnden Darstellung im Chromebrowser. Mit dem Tablet zu hantieren, macht so einfach keinen Spaß. Wir waren überrascht, dass zumindest Spiele wie Riptide GP und auch die Videowiedergabe weitgehend ohne Ruckler liefen.

Samsung hat dem aktuellen Galaxy Tab 7 wenig Liebe gegeben und setzt offenbar stattdessen auf die größere 8-Zoll-Variante, die es sogar mit LTE gibt. Das zeigt sich auch auf der Produktwebseite des Unternehmens. Dort hat Samsung das Galaxy Tab 7 3.0 gut versteckt.  (jt)


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