Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/solara-50-unbemanntes-solarflugzeug-soll-fuenf-jahre-autonom-fliegen-1308-101150.html    Veröffentlicht: 22.08.2013 16:48    Kurz-URL: https://glm.io/101150

Solara 50

Unbemanntes Solarflugzeug soll fünf Jahre autonom fliegen

Solara 50 ist ein autonomes Flugzeug, das mit Solarstrom fliegt und fünf Jahre lang im Einsatz sein soll. Hersteller Titan Aerospace will damit Satelliten Konkurrenz machen.

Geht es nach dem US-Unternehmen Titan Aerospace, werden künftig keine Satelliten mehr das Wetter vorhersagen, sondern ein unbemanntes Flugzeug (Unmanned Aerial Vehicle, UAV). Es wird mit Solarenergie betrieben und soll mehrere Jahre in der Luft bleiben.

Das Flugzeug heißt Solara 50, es ist 15,5 Meter lang und hat eine Spannweite von 50 Metern. Es hat ein maximales Gewicht von 159 Kilogramm, davon sind rund 32 Kilogramm Nutzlast. Ein größeres UAV, Solara 60 mit einer Spannweite von 60 Metern, soll 100 Kilogramm Nutzlast tragen können.

Akkus für den Nachtflug

Angetrieben wird der schlanke Flieger von einem Propeller, der mit Solarstrom gespeist wird. Die Module, die diesen erzeugen, sitzen auf den vorderen und hinteren Flügeln sowie auf dem Seitenleitwerk. 3.000 Module sind über das Flugzeug verteilt, die eine Leistung von 7 Kilowatt erzeugen. Der tagsüber erzeugte Strom wird zum Teil in Lithium-Ionen-Akkus gespeichert, die in den Tragflächen untergebracht sind. Sie versorgen den Motor nachts mit Strom.

Die Drohne soll in einer Flughöhe von 20.000 Metern operieren. In dieser Höhe ist sie dem Wettergeschehen nicht ausgesetzt. Bis zu fünf Jahre soll das unbemannte Solarflugzeug autonom in der Luft bleiben. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 104 Kilometern pro Stunde soll es in dieser Zeit etwa 4,5 Millionen Kilometer zurücklegen.

Titan Aerospace bezeichnet seine Produkte als Atmospheric Satellites. Sie sollen Aufgaben übernehmen, für die heute Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen werden. Ihre Vorteile sind vor allem die geringeren Kosten, aber auch die Wartung: Das Solarflugzeug ist weniger aufwendig als ein Satellit und muss nicht von einer Rakete transportiert werden. Wenn etwas nicht funktioniert oder ausgetauscht werden muss, kann es gelandet werden.

Wetterbeobachtung, Kartierung, Spionage

Einsatzmöglichkeiten für das UAV gibt es laut Hersteller viele: Es könnte beispielsweise mit verschiedenen Geräten für die Beobachtung des Wetters und der Atmosphäre ausgestattet werden. Andere Anwendungsmöglichkeiten sind Überwachung und Kartierung eines großen Terrains. Das kann zu Spionagezwecken sein, aber auch zur Beobachtung von überirdischen Rohrleitungen oder bei Katastrophen wie Überschwemmungen oder Großbränden. Schließlich könnte Solara 50 als fliegende Kommunikationsstation eingesetzt werden.

Drei Bestellungen liegen Titan Aerospace bereits vor. Wer jetzt eine Solara 50 ordert, bekommt seine Solardrohne im Juni kommenden Jahres. Über den Preis macht das Unternehmen keine Angaben.

Aerovironment, Boeing, DLR, Qinetiq

Ganz neu ist die Idee indes nicht: Schon Ende der 1990er-Jahre bauten die US-Weltraumbehörde Nasa und das US-Unternehmen Aerovironment das unbemannte Solarflugzeug Helios. Es stieg im August 2001 bis in eine Höhe von knapp 30 Kilometern auf. 2003 stürzte das Flugzeug westlich von Hawaii in den Pazifik.

Solar Eagle für die Darpa

2010 hat der US-Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing von der Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa) den Auftrag erhalten, ein unbemanntes Solarflugzeug zu bauen. Solar Eagle soll ebenfalls fünf Jahre lang in der Luft bleiben können. Das Flugzeug ist deutlich größer als die Solara 50: Die Spannweite soll knapp 122 Meter betragen. Es kann eine Nutzlast von einer halben Tonne transportieren. Die ersten Testflüge sollen im kommenden Jahr stattfinden.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet seit einigen Jahren an einem ultraleichten, unbemannten Solarflugzeug mit der Bezeichnung Solitair. Es hat eine Spannweite von 20 Metern und wiegt dabei nur 70 Kilogramm. Auch Solitair soll mehrere Monate in der Luft bleiben, wenn es - voraussichtlich Mitte des Jahrzehnts - fertiggestellt ist.

Langstreckenflieger Zephyr

Deutlich weiter ist Qinetiq: Das britische Forschungs- und Rüstungsunternehmen hat ein unbemanntes Solarflugzeug, das bereits seit einigen Jahren im Einsatz ist: Zephyr hat eine Spannweite von knapp 23 Metern und wiegt rund 50 Kilogramm.

2008 schaffte das Solarflugzeug einen inoffiziellen Drohnen-Weltrekord, als es über 82 Stunden in der Luft blieb. 2010 ließ Qinetiq den Zephyr zwei Wochen lang über dem Südwesten der USA kreisen.  (wp)


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