Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/xbox-one-microsoft-lockt-in-die-neue-heimat-des-fussballs-1308-101106.html    Veröffentlicht: 21.08.2013 10:03    Kurz-URL: https://glm.io/101106

Xbox One

Microsoft lockt in die "neue Heimat des Fußballs"

Mit einstigen Weltklassefußballern und Fifa 14 versucht Microsoft in Köln, Vorbesteller für die Xbox One zu gewinnen. Hauseigene Titel standen bei der Gamescom-Keynote-Ansprache etwas im Abseits, während zusätzliche Inhalte für Multiplattformtitel mehr Rampenlicht genießen durften.

Für einen Moment konnte Microsoft bei der Keynote-Ansprache auf der Gamescom 2013 tatsächlich Aufregung entfachen. Als der ehemalige Fußballer Ruud Gullit auf die Bühne gerufen wurden, tuschelten einige Journalisten: "Ist das nicht der Verrückte, der Rudi Völler in die Haare gespuckt hat?" Knapp daneben, diese unvergessliche Szene der WM 1990 hat uns dessen Nationalmannschaftskollege Frank Rijkaard beschert. Viel mehr Grund zum Flüstern bot Microsoft am Dienstagmittag vor dem Gamescom-Start nicht. Zwischen allen vorgestellten Titeln gab es nur zwei richtige Neuankündigungen.

Fable Legends soll die Action-Rollenspielserie von Lionhead auf Multiplayer-Abenteurer ausrichten. Im Onlinetitel mit Unreal Engine 4 ziehen Helden kooperativ durch Albion, während ein Spieler die Rolle des Schurken übernimmt. Er platziert Fallen und schickt Monster in den Kampf, wahlweise mit dem Controller oder per Smart Glass vom Tablet aus.

Ubisoft bindet mobile Geräte im Taktik-Shooter The Division auf ähnliche Weise interaktiv ein. Die Funktion wurde in einem neuen Trailer veranschaulicht, aber nicht live gezeigt. Dasselbe gilt für Fighter Within für Kinect 2.0. Das Beat 'em Up mit Bewegungssteuerung verspricht im Grunde das Gleiche, was Fighters Uncaged für die erste Version von Kinect noch nicht halten konnte: eine präzise Umsetzung der Kampfbewegungen, die der Spieler vor dem Sensor ausübt. Mit eigenen Augen sehen oder selber ausprobieren durften wir das noch nicht.

Eigentlicher Kern der Rede war eine Kooperation mit EA Sports, die aus zwei wesentlichen Punkten besteht. Zum einen soll jeder vorbestellten Xbox One in Europa ohne Aufpreis ein Code für Fifa 14 zum Herunterladen beiliegen. Zum anderen wird dessen Ultimate-Team-Modus nur auf Microsofts Konsolen mit "Legenden" des internationalen Fußballs angereichert, also ehemaligen Weltklassespielern, die ihre aktive Zeit als Profisportler längst hinter sich haben. Das alleine ist für Microsoft schon Grund genug, die Xbox-Plattformen als neue "Heimat des Fußballs" zu bezeichnen. Dass Fifa 14 auch auf Playstation 4 und anderen Systemen veröffentlicht wird, schien für Phil Harrison und Phil Spencer auf der Bühne gar keine Rolle zu spielen.

Mehr Hand und Fuß hat Microsofts Vorstoß, Indie-Entwicklern bald unkomplizierteren Zugang zu Dev-Kit-Konsolen anzubieten. In naher Zukunft soll sich sogar jede handelsübliche Xbox One zum Entwicklersystem umfunktionieren lassen. Golem.de hat über diesen Teil der Keynote bereits ausführlich in einer eigenen Meldung berichtet.

Das Minecraft-Studio Mojang hat passend dazu seinen bunten Sidescroller Cobalt für Xbox 360 und Xbox One angekündigt. Das mittlerweile von Electronic Arts aufgekaufte Popcap bringt seine Downloadtitel Peggle 2 und Plants vs. Zombies: Garden Warfare jeweils zuerst für Xbox One auf den Markt, ehe andere Plattformen beliefert werden - Ersteres zum Konsolenstart im November 2013, Letzteres irgendwann im Frühjahr 2014 und beide mit exklusiven Inhalten für Multiplayer-Nutzer.



Verkaufsstart weiter ungewiss

Exklusives gibt's auch in Call of Duty: Ghosts, das nur auf der Xbox One den Blitz-Modus bieten wird. Spieler müssen darin die gegnerische Startzone erreichen, um einen Punkt für ihr Team zu sammeln. Außerdem wird der Onlinemodus dedizierte Server aus der Cloud unterstützen und das Spiel soll zusammen mit der neuen Konsole im Bundle angeboten werden. Beim kurzen Anspielen ist uns das neue Gamepad der Xbox One sehr positiv aufgefallen. Obwohl sich im Vergleich zum Vorgänger an der Form nur Nuancen geändert haben, liegt der leichter gewordene Controller noch etwas angenehmer in den Händen. Das macht sich bei einem schnellen Shooter natürlich besonders bemerkbar. Auch Call of Duty selbst hat im Mehrspielermodus mit seinem gewohnt hohen Spieltempo überzeugt und ist grafisch wieder näher an die Battlefield-Reihe herangerückt. Insbesondere aufgrund der größeren Level hat uns Dices Frostbite-Shooter auf der EA-Pressekonferenz technisch trotzdem mehr beeindruckt.

Den kreativsten und blutigsten Einsatz von Fahrzeugen auf der diesjährigen Gamescom attestieren wir vorab schon einmal Dead Rising 3. Eine Dampfwalze mit Motorradsitz und Flammenwerfern haben wir jedenfalls noch nie gesehen - weder in Filmen noch in Spielen. Ein Grund mehr für Zombies, sich an die Verkehrsregeln zu halten und nicht immer laut stöhnend quer über die Straße zu schlurfen. Fast genauso brutal geht es im Gladiatorenmodus von Ryse: Son of Rome zu, der den Spieler in Arenen um sein Leben kämpfen lässt.

Einen vielversprechenden Eindruck hat auch die Rückkehr von Killer Instinct gemacht. Die flüssigen Animationen der Kämpfer sehen toll aus und die Steuerung per Arcade Stick ist ähnlich leicht zugänglich wie bei Dead or Alive. Inzwischen hat Microsoft das umfangreiche Preismodell des Beat 'em Up bekanntgegeben. Wem Jago als einziger Charakter reicht, der kann den Titel kostenlos herunterladen und spielen. Weitere Figuren kosten einzeln jeweils fünf Euro, für 20 Euro gibt's die ersten acht Kämpfer zum Sparpreis gleich alle auf einmal. Die 40 Euro teure Ultra Edition bietet neben allen zum Start verfügbaren Charakteren weitere Inhalte wie Extrakostüme und Killer Instinct in seiner klassischen Arcade-Variante von 1994.

Das aufgrund seiner jüngeren Zielgruppe eher unter "ferner liefen" geführte Zoo Tycoon versprüht grafisch ein wenig Sim-City-Charme, scheint spielerisch allerdings viel eingeschränkter zu sein. Eine lustige Idee ist der Koopmodus, denn hier kann ein Besucher mit dem Fotoapparat den Zoo erkunden, während der Besitzer im selben Moment Umbaumaßnahmen ergreifen und ihm neue Gehege direkt vor die Nase setzen kann.

Der vergleichbar bunte Spielebaukasten Project Spark macht bei Fantasy-Welten im Shrek-Stil eine gute Figur. Dass der Nutzer via Kinect eine rudimentäre Form von Motion Capture durchführen und seinen Charakteren so individuelle Animationen aufsetzen kann, ist sogar ziemlich einfallsreich. Die bisherigen Konzeptbeispiele fertiger Selfmade-Titel des Entwicklerteams lassen nichtsdestoweniger den Charme und Abwechslungsreichtum von Sonys Little Big Planet vermissen.

Auch Kinect Sports Rivals nutzt den neuen Kamerasensor der Xbox One zur Charaktergestaltung. Wer möchte, lässt automatisch einen 3D-Avatar nach Vorbild des eigenen Körpers entwickeln. Die vereinfachten Comic-Figuren der Minispielesammlung strotzen zwar nicht gerade vor Details, wir haben uns nach der Prozedur auf dem Bildschirm aber durchaus selber wiedererkannt. Kinect-Gesten sind trotzdem auch weiterhin nicht unbedingt unsere bevorzugte Jetski-Lenkmethode.

Der Master Chief und sein auf der E3 versprochenes Next-Gen-Halo haben sich in Köln nicht zu einem Überraschungsbesuch hinreißen lassen. Immerhin gab es auch dieses Jahr wieder den üblichen Forza-Simulator im Sportwagen-Chassis mit Lenkrad und Rennfahrersitz, jetzt eben mit einer Fünf im Titel. Eine ganz bestimmte andere Zahl wurde uns noch nicht offenbart - nämlich das genaue Datum für den Launch der Xbox One. Das hat Microsoft - Heimat des Fußballs hin oder her - auch in der Heimatstadt von Lukas Podolski nicht verraten wollen.  (dp)


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