Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/chaos-computer-club-whistle-im-ist-fuckup-as-a-service-1308-101072.html    Veröffentlicht: 19.08.2013 15:41    Kurz-URL: https://glm.io/101072

Chaos Computer Club

"Whistle.im ist 'Fuckup as a Service'"

Vom Chaos Computer Club Hannover wird der Messenger Whistle.im grundlegend kritisiert. Das ganze System sei "broken beyond Repair".

Nexus vom Chaos Computer Club Hannover kritisiert das Projekt Whistle.im, das einen verschlüsselten Messenger anbieten will. Nach dem NSA-Skandal spielten "solche Projekte mit dem gesteigerten Problembewusstsein der Bevölkerung, ohne dass sie einen wirklichen Schutz liefern".

Der Dienstanbieter betreibe einen Keyserver, auf dem die RSA-Keys aller Kommunikationsteilnehmer abgelegt seien. Wenn der Anbieter die Schlüssel an die Nutzer austeilt, könnten gefälschte Schlüssel ausgeliefert und somit die Kommunikation mitgelesen werden.

Ein weiterer Schwachpunkt: Die privaten Schlüssel der Kommunikationsteilnehmer lägen - wenn auch verschlüsselt - auf dem Server des Dienstanbieters. Wenn der Betreiber das Passwort erfährt, könne nachträglich die gesamte Kommunikation entschlüsselt werden.

Bei einem zentralen Dienst könne der Dienstanbieter auch herauszufinden, wer wann mit wem für wie lange kommuniziert. "Die kryptographischen Verfahren mögen als Javascript vorliegen. Nicht aber die Applikation. Das Wort 'Open Source' stiftet mehr Verwirrung als Klarheit. Was die Applikation an sich tut, bleibt verborgen", so der Chaos Computer Club.

Grundlegende Konzepte aktueller Verschlüsselungsverfahren seien nicht verstanden worden. Die Serverkommunikation sei nicht ausreichend gegen Man-in-the-Middle-Angriffe geschützt. "Ein Angreifer kann problemlos eine Session 'hijacken' und damit selbst Kommunikationspartner werden", so Nexus.

Zwei Studenten aus Köln und Bonn arbeiten an dem Messenger Whistle.im. In der aktuellen Betaversion bietet Whistle.im verschlüsselte Textnachrichten und ist im Browser und unter Android und bald auch unter Apples iOS lauffähig.

Das Team von Whistle.im erklärte Golem.de: "Wir bei Whistle.im fragen uns, warum dem CCC offenbar daran gelegen ist, den noch jungen deutschen Messenger, der sich erst seit wenigen Wochen in der Entwicklung beziehungsweise Beta-Phase befindet und darauf ausdrücklich hinweist, mit einem derart plakativen Artikel im Keim zu ersticken, anstatt durch konstruktive Kritik, die wir stets dankend annehmen, zur Verbesserung beizutragen."

Dennoch würden alle Hinweise aus dem Artikel ernstgenommen, um Whistle.im "noch sicherer zu machen". So werde die Möglichkeit zum Generieren eines frischen Schlüsselpaars sowie die Option zur manuellen Verwaltung des privaten Schlüssels bald angeboten werden.  (asa)


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