Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/xbox-one-und-ps-4-dieser-konsolenwechsel-ist-anders-1308-101041.html    Veröffentlicht: 19.08.2013 11:06    Kurz-URL: https://glm.io/101041

Xbox One und PS 4

"Dieser Konsolenwechsel ist anders"

Wer gewinnt - die Xbox One, die Playstation 4 oder gar die Wii U? Das Rennen sei vollkommen offen, sagt der Entwickler und Produzent Don Daglow im Interview mit Golem.de und erläutert, vor welchen besonderen Herausforderungen die Hersteller stehen.

Don Daglow hat schon viele Wechsel von Konsolengenerationen miterlebt: Daglow ist seit 1971 Teil der Branche. Seitdem hat er unter anderem für Intellivision, Electronic Arts und Stormfront Studios gearbeitet. Zu seinen Werken gehören Sportserien wie Tony La Russa Baseball, Rollenspiele wie Neverwinter Nights und fast alles dazwischen. Auf der Games Developer Conference Europe 2013 in Köln spricht er zum Thema This Time It's Different: Treasures and Traps in the Next Gen Transition.

Golem.de: Warum ist dieser Konsolenwechsel anders als die vielen anderen, die Sie schon miterlebt haben?

Don Daglow: Es gibt zwei entscheidende Gründe: Der eine hat etwas mit dem Wettbewerb im Markt zu tun, der andere damit, dass die Technologie mittlerweile sehr ausgereift ist.

Anders als früher findet dieser Wechsel zu einer Zeit statt, wo wir neben dem klassischen Konsolenmarkt noch einen weiteren, eigenständigen Bereich haben. Das bedeutet, dass die neuen Geräte nicht nur miteinander konkurrieren, sondern mit ganz anderen Arten von Spielemöglichkeiten.

Als wir an den frühen Konsolen gearbeitet haben, brachte uns jede neue Hardwaregeneration deutlich bessere Grafik- und Audioqualität. Mein erstes kommerzielles Spiel Utopia war eine 4K-Cartridge und wurde in GI1610-Assembly geschrieben. Mehr Speicher und größere Datenmengen haben uns dann ermöglicht, jeweils grundlegend neue Arten von Spielen zu produzieren.

Jetzt stoßen wir an die Grenzen dessen, was ein Fernseher überhaupt darstellen kann, so dass diese Verbesserungen bei der Grafik eine immer kleinere Rolle spielen. Wir haben es eher mit einer Evolution als mit einer Revolution zu tun. Ich finde das sehr gut, weil dadurch das Gameplay an Bedeutung gewinnt, nicht nur die Effekte.

Golem.de: Gibt es trotzdem ein paar Lektionen, die wir aus den früheren Wechseln lernen können?

Daglow: Dass es wenig bringt, der Marktführer in der Vor-Generation zu sein. Wie beim Profisport ist es selten so, dass man zweimal nacheinander Erster wird.

Ich habe die Theorie, dass das eine Folge des globalen Aktienmarktes ist. Große Firmen sind davon angetrieben, ihren Aktienkurs kontinuierlich zu erhöhen. Das bedeutet, dass sie planbare Einnahmen benötigen. Planbarkeit bekommt man aber nicht durch Innovation. Folge: Die Marktteilnehmer, die wenig zu verlieren haben, gehen die größeren Risiken ein. Die meisten zahlen sich nicht aus, aber wenn doch - wie bei der Wii in der letzten Generation - verändern sie die ganze Branche.

Wir erleben das im Geschäftsleben genauso wie bei der Tour de France: Die, die versuchen, die Anführer anzugreifen, haben eher die technischen Überraschungen - aber sie sind auch die, die am ehesten spektakuläre Unfälle bauen. Die Anführer wählen eher den sicheren Weg, was im Radsport allerdings besser funktioniert als im Geschäftsleben.

Smartphones, Tablets und Browsergames sind die eigentliche Konkurrenz

Golem.de: Werden die Kunden ihre Konsolen diesmal schneller gegen neue Geräte austauschen?

Daglow: Beim letzten Mal hat die Wii alle Vorhersagen durcheinandergewirbelt, die für die Xbox 360 und die Playstation 3 gemacht wurden. Diesmal kommt dieses frische Element von woanders - insbesondere Smartphones, Tablets und Browsergames sind sehr attraktiv für Spieler.

Letztes Mal kam das frische Element von den neuen Eingabemöglichkeiten. Diesmal sind es eher neue Geschäfts- und Vertriebsmodelle.

Übrigens steckt eine gewisse Ironie dahinter, dass Microsoft ja eigentlich einen geradezu revolutionären Plan in Richtung cloudbasierte Spielumgebungen hatte. Es war der Nutzerprotest, nicht das sonst eher konservative Konzernverhalten, das sie zu der Kehrtwende hin zu einem eher traditionellen Geschäftsmodell bewegt hat.

Golem.de: Erwartet ein alter Hase auf Veranstaltungen wie der GDC Europe und der Gamescom eigentlich noch, wirklich neue Sachen zu sehen? Worauf freuen Sie sich?

Daglow: Ich finde es besonders interessant zu sehen, wie sich die Konsolenhersteller darauf einrichten, ihre Zäune niederzureißen und Onlinesachen wie Clash of Clans, Minecraft und World of Tanks auf ihre Systeme zu lassen.

Bisher haben es nur einige wenige dieser großen Marken auf die Konsolen geschafft. Die Hersteller möchten gerne auch dieses riesige Publikum für sich gewinnen, aber das bedeutet für sie eine große kulturelle Herausforderung und echte Risiken.

Dabei ist es extrem wichtig für die Firmen, neue Spieler für die Konsolen zu gewinnen. Nach dem letzten Übergang haben wir gelernt, dass es langfristig nicht genug Umsatz bringt, wenn lediglich die Zielgruppe der Core-Gamer da ist, weswegen die Konsolenhersteller und viele Publisher nicht ausreichend Gewinne gemacht haben.

Golem.de: Wie halten Sie es denn - Xbox One oder Playstation 4?

Daglow: Ich gebe Ihnen die gleiche Antwort wie immer bei solchen Gelegenheiten in den letzten 33 Jahren: Alle - denn wer in dieser Branche arbeitet, muss alle Enkel in der Familie kennen.  (ps)


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