Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hamburger-grundschule-kein-essen-fuer-kinder-ohne-fingerabdruckscan-1308-100855.html    Veröffentlicht: 08.08.2013 10:50    Kurz-URL: https://glm.io/100855

Hamburger Grundschule

Kein Essen für Kinder ohne Fingerabdruckscan

Eltern in Hamburg sind wütend, weil ihre Kindern trotz Chipkarte ihren Fingerabdruck abgeben mussten. Ohne biometrische Erkennung soll es für die Grundschüler kein Essen gegeben haben.

Kinder einer Hamburger Grundschule mussten offenbar ihre Fingerabdrücke in einem biometrischen System scannen lassen, um Mittagessen zu bekommen. Nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts wurden dabei auch Fingerabdrücke von Kindern genommen, die sich mit RFID-Chipkarte anmelden wollten.

In einem Schreiben der IT-Firma People and Projects aus Elmshorn, das der Zeitung vorliegt, heißt es: "An Ihrer Schule verlief das Einlesen der Fingerprints für die zukünftige Essenausgabe turbulent. Im Eifer des Gefechts sind Fehler passiert." Die Verantwortlichen entschuldigten sich, die Daten würden gelöscht.

Eltern der Adolph-Schönfelder-Grundschule in Barmbek-Süd erklärten dem Abendblatt, ihre Kinder hätten nur gegen Fingerabdruck ihre Mahlzeit bekommen.

Die Schulleitung lehnte auf Anfrage von Golem.de einen Kommentar ab und verwies an die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB). Dort war für eine Stellungnahme niemand zu erreichen.

"Wenn es stimmt, dass Kindern mit leerem Magen gedroht worden ist, um an ihre Fingerabdrücke zu kommen, muss die Schulbehörde personelle Konsequenzen in Betracht ziehen", sagte Sebastian Seeger von den Hamburger Piraten. Schulkantinen fragten Daten ab, die ansonsten vor allem Strafverfolgungsbehörden erheben. Das Vorgehen sei nicht nur "unsensibel und Kindern gegenüber völlig unangemessen", sondern zeige auch, dass öffentliche Einrichtungen "nicht die nötigen Konsequenzen aus den jüngst enthüllten Abhörskandalen gezogen haben."

Nach Informationen der Piratenpartei nutzen im Großraum Hamburg weitere Schulen Bezahlsysteme mit biometrischer Erkennung.

People and Projects betont, dass die erforderlichen Daten in ein Template erhoben und nur auf dem Essensausgabe-Terminal mit einem dazugehörigen Index abgelegt würden. Bei einem Template werde nicht der Fingerabdruck als Bild, sondern die Position relevanter Punkte der Fingerlinien mathematisch in eine Formel umgewandelt und verschlüsselt auf dem Essensausgabe-Terminal gespeichert.

Nachtrag vom 8. August 2013, 16:38 Uhr

Die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) erklärte, zwei Drittel der Hamburger Grundschüler äßen mittags in der Schule. Bargeldlose Bezahlsysteme, ob mit Chipkarte, Fingerscan oder Essensmarken, ermöglichten sozial gestaffelte Essenspreise, ohne dass sich Kinder beim Bezahlen am Tresen als arm outen müssten. Bei der bislang üblichen Barzahlung oder unterschiedlichen Essensmarken sei am Kantinentresen schnell ersichtlich gewesen, wer beispielsweise Hartz-IV-Empfänger sei und reduzierte Preise zahle.

Behördensprecher Peter Albrecht: "Fingerscan gegen den Willen von Eltern ist verboten. Wir sind gegen Zwang, aber wenn eine Zustimmung der Eltern vorliegt, darf auch mit Fingerscan bezahlt werden."

Das Verfahren sei vom schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten freigegeben worden. Die Eltern wurden in Elternabenden über beide Alternativen informiert. Von rund 350 Kindern haben mehr als 90 Prozent das Fingerscanverfahren gewählt, die anderen die Bezahlung per Chipkarte. Der Caterer habe versehentlich bei einigen Kindern mit Chipkarte ebenfalls Fingerscans erhoben.  (asa)


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