Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nexus-7-im-test-mehr-optik-fuers-tablet-1308-100847.html    Veröffentlicht: 08.08.2013 09:54    Kurz-URL: https://glm.io/100847

Nexus 7 im Test

Mehr Optik fürs Tablet

Der gleichnamige Nachfolger des Google Nexus 7 stammt ebenfalls von Asus. Die erste Version glänzte durch ein recht gutes Display, mit dem Nachfolger will Auftraggeber Google noch Besseres anbieten - ohne das Gerät sehr viel teurer zu machen.

Mit dem neuen Nexus 7 (2013) - Codename "Flo" - wollen Google und Hersteller Asus den Vorgänger toppen. Ein Display mit noch höherer Auflösung, ein schickeres Gehäuse, eine Kamera und ein fast identischer Preis sollen dem 7-Zoll-Tablet einen würdigen Nachfolger bescheren. Das Update hat sich gelohnt, wie unser Test zeigt - bis auf ein paar Kleinigkeiten.

Schon beim ersten Nexus 7 hat Google weniger die Entwicklergemeinschaft anvisiert als künftige Kunden für sein Online-Medienangebot. Auch das neue Nexus 7 richtet sich nach den Kundenbedürfnissen. Ob die neue Version überhaupt für Entwickler interessant wird, bleibt abzuwarten. Im Streit um die Nichtveröffentlichung der Factory Images ist Jean-Baptiste Queru bei Google aus dem Android Open Source Project ausgetreten. Schuld soll der Chiphersteller Qualcomm sein, der Teile des Grafiktreiber-Codes nicht freigibt.

Das Gehäuse des neuen Nexus 7 ist leichter und schlanker, ohne an Stabilität und Wertigkeit einzubüßen. Es ist mit 8,7 mm fast 2 mm dünner und mit 114 mm statt 120 mm schmaler als sein Vorgänger, dafür mit 200 mm aber um 1,5 mm länger. Statt eines Rahmens mit metallischem Aussehen hat es ein komplett schwarzes Gehäuse. Die Rückseite ist aus mattem Kunststoff, der leicht angeraut ist. Das neue Nexus 7 wiegt mit 292 Gramm fast 40 Gramm weniger als sein Vorgänger. Auch deswegen liegt das Tablet gut in der Hand und wirkt insgesamt nicht so billig wie das erste Nexus 7.

Der seitliche Rahmen des Displays ist dünner als der des Vorgängers. Dafür sind die Ränder oben und unten breiter als zuvor. Damit haben die Hände mehr Platz, wenn das Tablet im Querformat gehalten wird. Die Displaygröße und -form hat sich hingegen nicht verändert. Allerdings zeigt der IPS-Bildschirm deutlich mehr Pixel an: 323 ppi bei einer Auflösung von 1.920 x 1.200 Bildpunkten sind es jetzt - mehr als doppelt so viele wie beim alten Nexus 7 mit einer Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln.

Mehr Farbtreue

Aber nicht nur die hohe Auflösung sorgt für ein gutes Bild, das blickwinkelstabil ist. Das Display ist auch deutlich heller als das des ersten Nexus 7, bei dem noch ein leichter Rotstich zu bemerken war. Auf dem neuen Gerät wirken Webseiten mit weißem Hintergrund kühler und farbechter. Das Displayglas spiegelt kaum und Inhalte sind auch draußen bei Sonnenlicht gut zu erkennen.

Das Display ist durch kratzresistentes Mineralglas von Corning geschützt. Dank der fettabweisenden Schicht und der geringen Spiegelung trüben auch Fingertapser nicht so schnell den Blick auf die Android-4.3-Oberfläche. Spuren eines Logins über die Mustererkennung sind allerdings sichtbar, vor allem auf einem sauberen Bildschirm. Wie beim Vorgänger sind die Funktionstasten in Android integriert. Hardwaretasten fehlen komplett.

Spaßkamera und Stereo

Der Ein- und Ausschalter sowie der Wippschalter für die Lautstärkeregelung sind wie bisher seitlich an der abgeschrägten Rückseite angebracht und nicht sichtbar, wenn direkt auf das Tablet gesehen wird. Beim Vorgänger monierten wir noch, dass sie auch schwer zu ertasten sind, da sie fast plan mit der Oberfläche waren. Jetzt ragen sie weiter hervor und sind weniger abgerundet und deshalb auch leichter zu erfühlen.

Neu ist eine Benachrichtigungs-LED. Die vorderseitige 1,2-Megapixel-Videokamera ist von der Mitte etwas nach rechts gewandert. Auf der Rückseite ist die Linse für die 5-Megapixel-Kamera verbaut, die dem Vorgänger komplett fehlte. Auf einen Blitz hat Asus aber verzichtet. Bei der mittelmäßigen Kamera sind auch die damit aufgenommenen Fotos nicht besonders gut. Die Farben wirken blass und beim Hereinzoomen in eine Aufnahme verpixeln die Details schnell. Für Schnappschüsse reicht die Qualität gerade so. Bei schwierigen Lichtverhältnissen ist ein deutliches Bildrauschen sichtbar. Die mit der Kamera aufgenommenen 1080p-Videos sind nicht besonders gut, genügen aber für kurze Spaßfilme.

Besserer, aber noch nicht perfekter Sound

Statt nur einem hat das neue Nexus 7 zwei Lautsprecher, die sich oben und unten an der abgeschrägten Rückseite befinden. Der Klang ist deutlich besser als beim Vorgänger, mit ausgewogenen Höhen, die erst bei voller Lautstärke leicht ausfransen. Tiefe Töne geben die Lautsprecher aber kaum von sich. Laut Google kommt der Ton von Fraunhofers Cingo 5.1.

In Benchmarks schneidet das Nexus 7 durchweg besser ab als sein Vorgänger. Die alte Version des Tablets hat einen Tegra-3-SoC von Nvidia, der mit maximal 1,3 GHz getaktet ist. Das aktuelle Modell hat ebenfalls einen Vierkernprozessor, aber einen Snapdragon APQ 8064 S4 Pro von Qualcomm mit Krait-Kernen und einer Taktrate von 1,5 GHz.

Gute Benchmark-Werte

Im Benchmark Geekbench 2 liegt das neue Nexus 7 mit 2.592 Punkten damit deutlich vor dem ersten Nexus 7 mit 1.431 Punkten. Im Javascript-Benchmark Octane Revision 22 liegt die neue Version mit 2.132 Punkten ebenfalls vor dem alten Modell mit 1.120 Punkten.

Auch die Grafikeinheit des aktuellen Google-Tablets - eine Adreno 320 - ist deutlich besser. Im OpenGL-Benchmark T-Rex 2.7 Offscreen von Gfx Bench liegt das neue Nexus 7 mit 16 Bildern pro Sekunde weit vor dem Vorgänger, der nur 3,2 Bilder pro Sekunde schafft. In Egypt 2.5 Offscreen liegt die Bildrate des neuen Nexus 7 bei satten 40 fps statt den 9,8 fps des Vorgängers. Auf beiden läuft Android 4.3, das OpenGL ES 3.0 enthält und das Rendering GPU-beschleunigter 3D-Grafik effizienter macht.

Im OpenGL-Benchmark Ice Storm von 3D Mark schaffte das aktuelle Nexus 7 dann auch 11.500 Punkte und eine durchschnittliche Bildrate von 50 fps. Das Ergebnis des CPU-lastigen Physiktests lag bei 10.500 respektive 35 fps. In Ice Storm Extreme lag der Wert erwartungsgemäß niedriger. Hier schaffte das Nexus 7 6.550 Punkte mit durchschnittlich 27 fps, das Ergebnis der Physikengine lag bei 9.600 Punkten respektive 30 fps. Einen aktuellen Vergleichswert mit seinem Vorgänger gibt es nicht, denn dort lief das Testprogramm unter Android 4.3 nicht durch. In einem Testlauf Ende Mai 2013 schaffte das alte Nexus 7 mit Android 4.2 durchschnittlich 3.500 Punkte.

Lange Laufzeit

Unser Nexus 7 hat 32 GByte Flash-Speicher, eine kleinere Variante mit 16 GByte Speicher gibt es ebenfalls. Auf einen Steckplatz für Micro-SD-Karten hat Google wie beim Vorgänger und überhaupt bei nahezu allen bisherigen Nexus-Geräten verzichtet.

Über WLAN verbindet sich das neue Nexus 7 nach 802.11 a/b/g/n im Dualband. Außerdem unterstützt es dank der aktuellen Android-Version 4.3 Bluetooth AVRCP 1.3 (Audio Video Remote Control Profile), mit dem über Bluetooth angeschlossene Geräte ferngesteuert werden können. Mit Bluetooth 4.0 Low Energy lassen sich Sensoren oder Uhren ansteuern, die einen niedrigen Energieverbrauch haben. Der Micro-USB-Stecker kann nicht als HDMI-Anschluss verwendet werden und auch die Bildausgabe über einen MHL-Adapter funktioniert nicht. Stattdessen unterstützt das Nexus 7 die Slimport-Schnittstelle. Inhalte auf dem Tablet können über DLNA im Netzwerk verteilt werden.

Der Helligkeitssensor reagiert etwas verzögert, aber zuverlässig. Der Lagesensor registriert schnell, ob sich das Gerät im Quer- oder Hochformat befindet, und schaltet die Bildschirminhalte um. Android 4.3 startet auf dem Nexus 7 in 25 Sekunden.

Weniger Akku, längere Laufzeit

Die Nennladung des Lithium-Ionen-Akkus beträgt 3.950 mAh, weniger also als die 4.325 mAh des Vorgängers. Die Laufzeiten waren dennoch beeindruckend. Im Test mit einem 1080p-Video, zuvor heruntergeladen aus dem Google-Fundus, machte das Tablet bei voller Displayhelligkeit erst nach 6,5 Stunden schlapp. Der Extremtest bei voller CPU-Last endete nach 2 Stunden und 15 Minuten.

Bei normaler Nutzung hielt das Tablet eineinhalb Tage durch, dabei war die Bildschirmhelligkeit auf maximal gestellt, wir surften im Internet, riefen Twitter und E-Mails ab, nutzten Google Maps für etwa eine Stunde und spielten eine Stunde. Bei Nichtbenutzung über Nacht verringerte sich die Akkuladung um nur etwa 1 Prozent. Anders als sein Vorgänger lässt sich das neue Nexus 7 drahtlos aufladen und unterstützt dabei den Standard Qi.

Verfügbarkeit und Fazit

Wann das Nexus 7 in Deutschland auf den Markt kommen wird, ist noch nicht bekannt. Google hat einen Verkaufsstart für die kommenden Wochen angekündigt und bietet Kaufinteressenten mittlerweile an, sie per E-Mail über die Verfügbarkeit zu informieren. Der Preis des Gerätes in Euro ist ebenfalls noch unbekannt, bisher hat Google den Preis in US-Dollar 1:1 umgerechnet.

In den USA kostet das Nexus 7 mit 16 GByte 230 US-Dollar, mit doppelt so viel Speicher 270 US-Dollar. Die Version mit LTE und 32 GByte Speicher kostet 350 US-Dollar. Auch die LTE-Version soll in Deutschland verkauft werden und die Frequenzen 800, 850, 1.700, 1.800, 1.900, 2.100 und 2.600 MHz unterstützen.

Fazit

Das Nexus 7 von 2013 ist wie der Vorgänger ein weitgehend minimal ausgestattetes Tablet, das vor allem für Konsumenten von Googles medialen Angeboten gedacht ist und damit in Konkurrenz zu den ebenfalls niedrigpreisigen Kindle-Fire-Tablets von Amazon steht. Ob es für Entwickler von Interesse sein wird, ist noch ungewiss.

Die Kamera lässt zu wünschen übrig. Mit 5 Megapixeln ist sie kaum noch zeitgemäß. Das Fehlen eines Blitzes reduziert die Funktionalität der Kamera noch weiter. Für lustige Aufnahmen oder das Einlesen von QR-Codes reicht sie aber aus.

Das hochauflösende Display ist das herausragendste Merkmal des neuen Tablets. Mit gestochen scharfen Schriften, Farbtreue und einer hohen Helligkeit, lässt sich das Tablet hervorragend zum Lesen und Surfen nutzen. Selbst das Anschauen detailreicher und farblich opulenter Filme ist ein Genuss. Die Lautsprecher sind zwar besser geworden, etwas mehr Bässe könnte das als Medienabspielgerät ausgerichtete Tablet aber vertragen. Die lange Akkulaufzeit rundet den positiven Eindruck des neuen Nexus 7 ab.

Mit einem Update seines ersten Google-Tablets hat Asus fast alles richtig gemacht. Das Nexus 7 sieht in der neuen Version schicker aus und ist deutlich leichter geworden - und das, obwohl sich am Preis wenig geändert hat.  (jt)


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