Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/blackberry-q5-im-test-tippen-bis-zum-morgengrauen-1308-100794.html    Veröffentlicht: 06.08.2013 12:16    Kurz-URL: https://glm.io/100794

Blackberry Q5 im Test

Tippen bis zum Morgengrauen

Blackberrys Q5 ist günstiger als das Q10 und soll Vieltippern das Leben erleichtern: Zwar ist es etwas leistungsschwächer, die lange Akkulaufzeit sollte aber den Schreibefluss nicht so schnell bremsen. Ob auch die Tastatur etwas taugt, zeigt es im Test.

Blackberry hat kurz nach der Veröffentlichung des Q10 ein weiteres Tastatursmartphone mit dem Betriebssystem Blackberry 10 (BB10) in den Handel gebracht. Das Q5 ist eine etwas leistungsschwächere Variante des Q10, die dementsprechend weniger kostet. Dabei unterscheidet sich das Q5 vor allem in der Leistungsfähigkeit des Prozessors, der Kameraqualität und der Wahl des Gehäusematerials vom Q10. Das Tastaturlayout ist identisch.

Die Tastatur dominiert wie beim Q10 die Vorderseite des Q5. Die Tasten sind in vier Reihen angeordnet, wobei sich die Buchstaben in den oberen drei Reihen befinden. Zahlen liegen nicht wie bei vielen anderen Tastaturen als Zweitbelegung auf der obersten Reihe, sondern in einem Block auf der linken Seite der Tastatur. Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, dafür können Zahlenkolonnen bequem und schnell mit nur einem Finger eingegeben werden.

Großbuchstaben erhält der Nutzer, indem er länger auf eine Buchstabentaste drückt oder die Umstelltaste verwendet. Die Zweitbelegung der Tasten mit Sonderzeichen und Zahlen erreicht der Anwender, indem er vorher die Alt-Taste drückt. Es gibt nur eine auf der linken Seite, was das Tippen mit einem Finger etwas lästig macht: Selbst um ein Komma einzugeben, muss die Alt-Taste vorher gedrückt werden, weshalb Rechtshänder oft bis zur gegenüberliegenden Seite der Tastatur greifen müssen. Über die Symboltaste können alle Sonderzeichen auch auf dem Touchscreen eingeblendet und ausgewählt werden.

Tastatur mit gutem Druckpunkt

Die Tasten stehen nicht allzu sehr aus dem Gehäuse hervor und haben einen angenehmen Druckpunkt. Trotz der geringen Größe lassen sich auch längere Texte nach kurzer Eingewöhnungszeit schnell und sicher tippen. Dabei ist das Tippen mit beiden Händen deutlich schneller, zuverlässiger und dank der für Satzzeichen nötigen Alt-Taste auch bequemer. Bei dunkler Umgebungsbeleuchtung schaltet das Q5 automatisch die dezente Hintergrundbeleuchtung der Tastatur ein.

Kaum für den Nutzer spürbar sind die Tasten leicht abgeflacht: Auf der linken Seite fallen sie nach links ab, auf der rechten nach rechts. Zum Rand des Smartphones hin ist diese Abflachung stärker, was beim beidhändigen Tippen ergonomisch von Vorteil sein könnte. Wie andere BB10-Geräte kann auch das Q5 bei der Texteingabe Wörter vorausahnen: Kontextabhängig macht es dem Nutzer Vorschläge für das nächste Wort. Bei einfachen Texten ist die Funktion durchaus zuverlässig.

Kleines Display mit hoher Pixeldichte

Aufgrund der fest eingebauten Tastatur ist das IPS-Display mit 3,1 Zoll verglichen mit dem anderer Smartphones relativ klein. Es hat eine Auflösung von 720 x 720 Pixeln, was eine Pixeldichte von 329 ppi ergibt. Blackberrys teureres Tastatursmartphone Q10 hat einen gleich großen Bildschirm mit der gleichen Auflösung, dort ist es allerdings ein Super-Amoled-Display.

Der Bildschirm des Q5 stellt dank der hohen Pixeldichte Inhalte scharf dar, die Farben wirken natürlich bei guten Kontrasten. Auch bei kleiner Schrift ist mit bloßem Auge kein Treppeneffekt sichtbar. Die Helligkeit ist hoch genug, damit Bildschirminhalte auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut erkennbar sind. Das Displayglas des Q5 lässt sich leicht von Fingerabdrücken reinigen.

Der durch die Bauart des Q5 recht kleine, quadratische Touchscreen dürfte für manchen Nutzer gewöhnungsbedürftig sein. Beim Browser kann beispielsweise die Navigationsleiste nicht ausgeblendet werden, weshalb das sowieso schon recht kleine Bild noch kleiner ist. Internetseiten ohne spezielle mobile Ansicht zu betrachten, ist daher mit dem Q5 häufig etwas lästig. Bei anderen Anwendungen wie Facebook oder dem Blackberry Hub fiel es uns leichter, uns an die geringe Displaygröße zu gewöhnen. Hier muss der Käufer zugunsten der physischen Tastatur einen Kompromiss eingehen.

Da das Q5 einen quadratischen Bildschirm hat, muss der Nutzer das Smartphone nicht im Querformatmodus verwenden - ein Lagesensor ist daher nicht nötig. Der Helligkeitssensor arbeitet ohne merkliche Verzögerung.

Snapdragon-Prozessor mit 1,2 GHz

Im Inneren des Q5 arbeitet ein Qualcomm-Snapdragon-S4-Dual-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,2 GHz. Damit unterscheidet sich der Prozessor von dem des teureren Q10 nicht, lediglich die Taktrate ist beim Q10 mit 1,5 GHz höher. Wie das Q10 hat das Q5 2 GByte Arbeitsspeicher. Der eingebaute Flash-Speicher ist 8 GByte groß, ein Steckplatz für Micro-SD-Karten bis 32 GByte ist eingebaut. Das Q10 hat im Vergleich 16 GByte Flash-Speicher.

Das Blackberry Q5 ist 120 x 65,9 mm groß und mit 11,1 mm dicker als andere aktuelle Smartphones. Dies dürfte auch an der eingebauten Hardwaretastatur liegen. Das Smartphone wiegt 118 Gramm.

Gehäuse aus Kunststoff

Das Gehäuse ist aus Kunststoff, auf dem nicht abnehmbaren Rückdeckel ist das Blackberry-Logo eingelassen. Das Material fühlt sich weniger hochwertig an als die Oberfläche der anderen aktuellen Blackberry-Geräte wie des Z10. Dennoch ist das Q5 gut verarbeitet, das Gehäuse ist verwindungssteif und knarzt nicht. Metallelemente wie beim Q10 sucht der Nutzer beim Q5 vergeblich.

An der Oberseite des Smartphones befinden sich der Einschalter, ein Kopfhörereingang und eine Mikrofonöffnung. Links wird das Micro-USB-Ladekabel eingesteckt, hier finden sich auch die Einschübe für eine Micro-SIM- und eine Micro-SD-Karte. Deren Abdeckklappe sitzt nicht besonders fest und klappert daher ein wenig. Am rechten Rand ist die Lautstärkewippe angebracht, unten befinden sich eine weitere Mikrofonöffnung und ein einzelner Lautsprecher.

Kein HDMI-Ausgang, kein MHL

Der einzelne Lautsprecher an der Unterseite hat nur dezente Bässe. Die Höhen sind etwas scharf, reißen aber kaum aus. Die Lautstärke ist nicht allzu hoch, aber ausreichend. Hält der Nutzer das Q5 in der Hand, werden die Höhen etwas unangenehmer. Insgesamt klingt der Lautsprecher dann allerdings dumpfer.

Anders als das Q10 und auch das tastaturlose Z10 hat das Q5 keinen Micro-HDMI-Ausgang. Mit einem handelsüblichen MHL-Adapter konnten wir keine Bildschirminhalte an einen Fernseher übertragen. Allerdings ist das Q5 DLNA-fähig, kann also Videos und Bilder drahtlos an geeignete externe Geräte ausgeben.

5-Megapixel-Kamera

Auf der Rückseite des Q5 ist eine 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus und LED-Fotolicht eingebaut. Die mit ihr aufgenommenen Bilder haben recht harte Kontraste und bei Sonnenlicht eine übertrieben starke Sättigung. Bei Innenraumaufnahmen zeigen sich auch bei guter Beleuchtung schnell Artefakte. Die Schärfe der Fotos ist eher durchschnittlich, feine Strukturen wie Baumkronen verwaschen recht schnell.

Wie mit dem Q10 und Z10 können mit dem Q5 Personenaufnahmen gemacht werden, aus denen anschließend die jeweils besten Gesichter ausgesucht werden können. Blackberry nennt diese auch von anderen Herstellern bekannte Funktion "Timeshift-Modus". Die Frontkamera mit 2 Megapixeln hat einen Fixfokus und eignet sich außer für Videotelefonie auch für Selbstporträts.

Auslieferung mit BB10.1

Das Q5 wird mit BB10 in der Version 10.1 ausgeliefert. Golem.de hat Blackberrys neues mobiles Betriebssystem im Langzeittest des Blackberry Z10 ausführlich beschrieben. Auch das Q5 lässt sich mit BB10 schnell intuitiv bedienen: Funktionen wie die Gestensteuerung, der Blackberry Hub als zentrale Nachrichtenanlaufstelle und die übersichtliche Anordnung der aktiven Apps erleichtern auch beim Q5 die Benutzung.

Ebenso wie bei den anderen BB10-Geräten kann der Nutzer auch beim Q5 mit Blackberry Balance private Daten von beruflichen trennen. Die App-Auswahl im hauseigenen Store ist mittlerweile zwar größer, aber immer noch geringer als die der Konkurrenz von Android und iOS.

Den von früheren Blackberry-Tastaturgeräten bekannten Scrollball gibt es beim Q5 nicht mehr. Da der gesamte Touchscreen gut mit dem Daumen erreichbar ist, ist er aber auch nicht mehr nötig. Außer mit dem Finger kann der Nutzer auch viele Funktionen über die Tastatur steuern. Mit der Leertaste kann er beispielsweise in vielen Apps nach unten scrollen, ein Druck auf die B-Taste scrollt bis zum Ende eines Textes (Bottom). Die T-Taste scrollt bis zum Anfang (Top), im Browser kann mit P zurückgeblättert werden. Oft werden auch mögliche Tastaturbefehle auf dem Bildschirm eingeblendet, wenn sie verfügbar sind.

Lange Akkulaufzeit

Direkt vom Startbildschirm aus kann der Nutzer beim Q5 durch einfaches Lostippen nach Apps, Dateien, Kontakten und Kalendereinträgen auf dem Smartphone suchen. Auch eine Suche nach Orten in der Karten-App oder eine Internetsuche bei verschiedenen Suchseiten ist möglich.

Blackberry gibt für das Q5 im 3G-Modus eine Sprechzeit von 12,5 Stunden und eine Standby-Zeit von 14 Tagen an. In unserem Test spielt das Smartphone 1.080p-Videos über acht Stunden ab, bevor der Akku leer ist. Das ist ein überdurchschnittlich guter Wert - das Nexus 4 schafft bei 720p-Videos nur vier Stunden. Einer der Gründe für diese lange Laufzeit ist sicherlich der kleine Bildschirm. Der Nachteil ist, dass es auf dem quadratischen Display des Q5 keinen Spaß macht, Filme zu schauen, da ein 16:9-Bild hier einfach unglaublich klein ist. Zwar gibt es einen zweistufigen Zoom-Modus, bei dem jedoch die Ränder einfach abgeschnitten werden. Bei durchschnittlicher Benutzung - E-Mails abfragen, im Internet surfen und ab und an spielen - hält das Q5 gut anderthalb Tage ohne Aufladen durch.

Stabiles und schnelles System

Das Q5 läuft flüssig und schnell. Apps werden schnell gestartet, der Übergang zwischen den einzelnen Seiten des Startbildschirms zeigt keine Ruckler. Auch bei mehreren geöffneten Apps verliert das Smartphone nicht an Geschwindigkeit. Der native BB10-Browser zeigt auch auf dem Q5 Internetseiten flüssig und ohne Ruckler an.

Im Gerätebenchmark Geekbench 2 erreicht das Blackberry Q5 einen Wert von 1.462 Punkten. Im Vergleich zu Top-Android-Smartphones wie dem Samsung Galaxy S4 mit 3.164 Punkten und dem HTC One mit 2.650 Punkten ist dieser Wert deutlich niedriger, allerdings hat das Q5 auch nur einen Dual-Core-Prozessor. Im Javascript-Benchmark Octane schafft es eine Punktzahl von 584 Punkten.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Blackberry Q5 in Schwarz kostet im Onlinehandel momentan knapp über 340 Euro. Damit ist es über 160 Euro günstiger als das Q10.

Mit dem Q5 hat Blackberry eine gute preiswerte Alternative zu seinem Top-Tastatur-Smartphone Q10 geschaffen. Mit der Tastatur können nach kurzer Eingewöhnung gut auch längere Texte geschrieben werden, auch wenn Satzzeichen wie beim Q10 auch etwas umständlich eingegeben werden müssen.

Der Bildschirm des Q5 ist aufgrund der fest eingebauten Tastatur klein, jedoch von guter Qualität. Als Multimediagerät taugt das Q5 dadurch aber nicht besonders gut, auch wenn Blackberry das Q5 auch als solches bewirbt. Filme zu schauen, macht auf dem Gerät kaum Spaß, auch beim Surfen nervt das kleine Display manchmal. Aufwendige Spiele laufen zwar flüssig, machen aber auch weniger Spaß als auf Geräten mit größerem Bildschirm. Dafür hält der Akku dank des kleinen Displays überdurchschnittlich lange durch.

Das Q5 ist daher eher ein Gerät für Vieltipper, die unbedingt eine physische Tastatur haben wollen. Für diejenigen, die diese nicht unbedingt benötigen und auf BB10 verzichten können, gibt es im Handel bessere Alternativen: Ein Galaxy S3 von Samsung beispielsweise kostet momentan im Onlinehandel mit zwischen 350 und 360 Euro fast genauso viel wie das Q5, hat einen größeren Bildschirm und ist deutlich leistungsfähiger.

Unter den Tastatursmartphones ist das Q5 allerdings trotz abgespeckter Hardware eines der technisch anspruchsvolleren Geräte: Dank Blackberry 10 bietet es Vieltippern deutlich mehr Möglichkeiten als Konkurrenzprodukte. Für Nutzer, die auf eine Tastatur, ein leistungsfähiges Betriebssystem und einen nicht allzu hohen Preis Wert legen, dürfte das Q5 momentan jedoch alternativlos sein. Aufgrund des im Vergleich zum Q10 niedrigeren Preises könnte das Smartphone zudem auch für Nutzer abseits von Blackberrys klassischem Unternehmenskundenkreis interessant sein.  (tk)


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