Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/everquest-next-der-spieler-als-bezahlter-baumeister-1308-100775.html    Veröffentlicht: 05.08.2013 09:26    Kurz-URL: https://glm.io/100775

Everquest Next

Der Spieler als bezahlter Baumeister

Die Community von Everquest Next soll wichtige Elemente der Spielewelt selbst beisteuern können. Sony Online Entertainment geht damit deutlich weiter als andere Studios. Golem.de hat mit den Entwicklern darüber gesprochen und über ihre Erfahrungen mit bezahlten Spielerinhalten.

Es wirkt fast wie der Gegenentwurf zu Titan: Während Blizzard über sein nächstes MMORPG lange so gut wie nichts öffentlich gesagt hat, will Sony Online Entertainment bei Everquest Next die Spieler nach vergleichsweise kurzer Vorarbeit nicht nur regelmäßig über die Entwicklungsarbeiten informieren, sondern sie direkt beteiligen. "Wir machen das Spiel zusammen", sagte Firmenchef John Smedley bei der Präsentation auf einer Fan-Convention in Las Vegas. "Die Entwickler werden in engem Kontakt mit der Community stehen - und zwar nicht nur einmal die Woche oder so, sondern konstant."

Bei der Vorstellung von Everquest Next ist das Wort "Minecraft" zwar nicht gefallen, aber das erfolgreiche Spiel der schwedischen Firma Mojang ist wohl mehr als nur eine Inspiration für das, was Sony Online Entertainment vorhat. Schließlich haben Fans von Minecraft eine ganze Reihe von virtuellen Wunderwerken aus dem Boden gestampft, vom Inselparadies bis zu Mittelerde.

Auf ähnlich spektakuläre Bauten hoffen die Macher wohl auch für Everquest Next, zumal der Editor einige wichtige Möglichkeiten mehr bieten soll. So sollen sich die Klötzchen nahezu beliebig vergrößern und verkleinern lassen, was wesentlich filigranere Strukturen ermöglicht. Außerdem können die Oberflächen angeschrägt werden, so dass auch nahezu runde Bauten errichtet werden können und das Ganze optisch wenig mit dem typischen Würfel-Look von Minecraft zu tun haben dürfte. Losgehen soll es mit der Veröffentlichung von Everquest Next Landmark im Herbst 2013, einer kostenlos verfügbaren Welt, in der sich Spieler erstmals als Baumeister austoben können.

Ein paar Einschränkungen wird es in Norrath, der Welt von Everquest, allerdings geben. Chefdesigner Dave Georgeson frotzelte bei seiner Präsentation, dass nur das gebaut werden dürfe, was "der Kundendienst zulässt". Gemeint hat er damit wohl eher, dass weder rechtlich geschützte Inhalte (Mittelerde) noch möglicherweise anstößige Bauten (nackte Nymphen) erlaubt sein werden.

Do-it-Yourself für den Itemshop

In der Praxis soll es bei der Entwicklung von Everquest Next so laufen, dass die Spieler relativ klare Vorgaben bekommen, was im Baukasten von Landmark gewünscht ist. Wenn etwa in einer düsteren Umgebung ein Magierturm entstehen soll, soll es dafür klare Spezifikationen geben. Dann wird gebaut und der Gewinner voraussichtlich per Abstimmung innerhalb der Community ermittelt. Sony Online Entertainment plant außerdem runde Tische und den konstanten, direkten Austausch mit der Community.

Was der Gewinner und die anderen Teilnehmer für ihre Mühen erhalten, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass in Everquest Next für Inhalte von Spielern tatsächlich Geld fließen soll. Georgeson hat angedeutet, dass unter anderem für Beiträge zur Bibliothek mit Objekten echte Dollar zu verdienen sein sollen. Wer etwa eine Dachkonstruktion erstellt, die andere verwenden, soll dafür nicht unerhebliche Summen erhalten können. Wie das in Deutschland genau laufen soll, steht übrigens noch nicht fest - hierzulande gibt es bei diesem Thema einige rechtliche Hürden.

Derzeit sammelt Sony Online Entertainment erste Erfahrungen mit von Spielern erstellten Inhalten: Seit ein paar Tagen gibt es in Planetside 2 das sogenannte Player Studio. Damit können Spieler Gegenstände, etwa Helme, für den Itemshop selbst entwerfen und an andere verkaufen. Den Umsatz teilen sich Sony und der Spieler, Zahlen haben die Entwickler nicht genannt. Für die Objekte gibt es keinen Editor, bei den meisten Einsendungen kommt gängige Software wie Blender oder 3D Max zum Einsatz. Innerhalb der kurzen Zeit sollen es bereits ein paar Dutzend Einsendungen gewesen sein.

Wie Matthew Higby, Kreativchef von Planetside 2, im Gespräch mit Golem.de erzählte, ist die Qualität der Einsendungen sehr hoch. Sein Team müsse kaum nachbessern, sondern lediglich Assets wie die Symbole für den Itemshop und Ähnliches erstellen. Auch in Everquest Next soll es ein Player Studio wie in Planetside 2 geben. Nicht nur Fantasy-Architekten, sondern auch Fantasy-Schmiede und andere virtuelle Berufsgruppen können sich dann online etwas dazu verdienen.  (ps)


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