Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/huawei-ascend-mate-im-test-gross-in-fast-jeder-hinsicht-1308-100714.html    Veröffentlicht: 02.08.2013 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/100714

Huawei Ascend Mate im Test

Groß in fast jeder Hinsicht

Das Android-Smartphone Ascend Mate von Huawei kann mit einem 6,1 Zoll großen Display fast schon als Tablet durchgehen. Und groß fällt auch der Akku aus.

Das Huawei Ascend Mate ist eines der größten verfügbaren Smartphones. Mit 6,1 Zoll hat sein Display beinahe Tablet-Format, dennoch passt es in die meisten Hosentaschen. Auch die Akkuleistung ist besonders, wie unser Test zeigt.

Das Display hat eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln, was einer Pixeldichte von 240 ppi entspricht. Trotz der Größe werden Inhalte scharf dargestellt, eine Treppchenbildung ist nicht zu erkennen. Als Displayglas dient Cornings Gorilla-Glas, das besonders bruch- und kratzfest ist.

Das Display mit IPS-Panel fällt mit seiner satten Farbdarstellung positiv auf. Beim Neigen des Ascend Mate konnten wir aber einen leichten Grünstich feststellen, außerdem wird das Display merklich dunkler. Eine Anti-Fett-Beschichtung besitzt das Huawei-Smartphone nicht. Aus diesem Grund sind Inhalte trotz der hohen Displayhelligkeit bei einstrahlendem Sonnenlicht nicht immer gut zu erkennen.

In den Einstellungen des Smartphones lässt sich der sogenannte Handschuhmodus aktivieren. Bei diesem wird die Empfindlichkeit des Touchscreens erhöht. Deshalb soll sich das Smartphone auch mit Handschuhen bedienen lassen. In der Praxis stellt sich diese Funktion als unausgereift heraus, denn nur bei ganz dünnen Stoffhandschuhen reagiert der Touchscreen, bei Leder- oder dickeren Stoffhandschuhen nicht.

Schwacher Quadcore

Im Inneren des Ascend Mate arbeitet wie schon im Ascend G615 ein K3V2-Quad-Core-Prozessor. Der K3V2 stammt von der Huawei-Tochter Hisilicon. Die vier auf ARMs Cortex-A9-Architektur basierenden Kerne takten mit bis zu 1,5 GHz. Im Vergleich zu anderen Prozessoren ist der von Huawei entwickelte K3V2 deutlich schwächer. So schafft das Huawei-Smartphone im Geekbench nur 1.707 Punkte, das HTC One mit dem Qualcomm APQ8064T mit 2.650 Punkten fast 1.000 Punkte mehr. Auch das Galaxy Note 2, in dem der Exynos 4412-SoC von Samsung arbeitet, erreichte mit durchschnittlich 1.989 Punkten einen höheren Wert.

Als GPU dient im K3V2 eine Vivante GC4000, die laut Huawei 16 Kerne besitzt. Auch sie ist schwächer als die GPU in vergleichbaren Smartphones. Im Icestorm-Benchmark von Futuremarks 3DMark erreicht das Ascend Mate 3.126 Punkte. Das Xperia Z von Sony erreicht hier 10.058 Punkte, auch das HTC One erreicht einen ähnlichen Wert. Den Gl-Grafikbenchmark konnten wir trotz zahlreicher Versuche nicht durchführen, unser Testgerät stürzte immer ab. Im Octane-Benchmark kommt das Smartphone auf eine Punktzahl von 1.296 Zählern.

Im Winter bleiben die Hände warm

Bei höherer Systemlast wird das Smartphone an der Oberseite schnell warm. Unter Volllast stieg die Temperatur der Rückseite auf 45° C. Selbst bei Alltagsanwendungen wurde das Smartphone fast 40° C warm. Im Winter kann das Ascend Mate dadurch als Taschenwärmer verwendet werden. Im Sommer sind diese Temperaturen allerdings nicht sehr angenehm.

Der Arbeitsspeicher ist 2 GByte groß, der interne Speicher 8 GByte. Dem Nutzer stehen davon rund 4,68 GByte tatsächlich zur Verfügung. Das Gerät hat einen Steckplatz für eine Micro-SD-Karte. Der Einschub für diese ist wie der für die Micro-SIM am Gehäuserand zu finden.

Zwei Tage ohne Steckdose

Trotz der Abmessungen von 163,5 x 85,7 mm lässt sich das Smartphone noch gut in einer Hand halten. Durch die leicht gewölbte Rückseite aus angerautem Polycarbonat fällt die Dicke von 9,9 mm kaum auf. Vergleichbare Geräte wie das Galaxy Note 2 und das Galaxy Mega von Samsung sind mit 9,4 mm und 8 mm kaum dünner. Kleinere Smartphones, beispielsweise das iPhone 5, wirken im Vergleich zum Ascend Mate wie Winzlinge.

Auch in den meisten Hosentaschen findet das Gerät - wenn auch nicht immer komfortabel - Platz. Mit einem Gewicht von 198 Gramm ist das Ascend Mate zwar deutlich schwerer als andere Smartphones wie das HTC One mit 143 Gramm oder das Nexus 4 mit 138 Gramm. 7-Zoll-Tablets wie das Asus Fonepad mit 318 Gramm oder Nexus 7 mit 332 Gramm wiegen aber deutlich mehr. Allgemein wirkt das Smartphone durch die verwendeten Materialien sehr stabil. Es ist verwindungssteif und auch leichter Druck am Gehäuse macht ihm kaum etwas aus.

Für die Verbindung ins Netzwerk steht ein HSPA+-Modul zur Verfügung. Außerdem kann sich das Ascend Mate über WLAN nach 802.11 a/b/g/n verbinden und deckt damit auch die 5-GHz-Frequenz ab. Bluetooth 4.0+EDR, GPS und NFC sind ebenfalls verbaut. Das Huawei-Smartphone ist außerdem DLNA-zertifiziert. Dadurch können Inhalte wie Bilder und Videos an ebenfalls zertifizierte Geräte - wie zum Beispiel Fernseher - gestreamt werden.

Überdurchschnittliche Akkulaufzeit

Der Akku wird über die Micro-B-USB-Buchse geladen. Bis die volle Nennladung von 4.050 mAh erreicht war, dauerte es mit dem beigelegten Ladegerät nur 2 Stunden. Bei durchschnittlicher Nutzung - telefonieren, ein paar Youtube-Videos ansehen, E-Mails austauschen, auf den sozialen Netzwerken surfen, ein bisschen spielen - hielt der Akku bei voller Bildschirmhelligkeit zwei Tage durch. Für ein Smartphone ist das ein sehr guter Wert. Bei niedriger Bildschirmhelligkeit ist sogar noch mehr rauszuholen - bis zu 2,5 Tage hielt das Ascend Mate durch, ohne geladen zu werden.

Bei der ununterbrochenen Wiedergabe eines 1.080p-Videos bei maximaler Helligkeit war der Akku nach 8,5 Stunden leer. Zum Vergleich: Das Nexus 4 von Google hat bei einem 720p-Video nur 4 Stunden durchgehalten. Im Antutu-Battery-Benchmark wurde nach 2,5 Stunden ein Akkustand von 14 Prozent erreicht. Anders als der Akku konnte uns die Kamera nicht ganz überzeugen.

Schnappschussqualität

Auf der Rückseite des Smartphones ist eine 8-Megapixel-Kamera mit Autofokus und einem LED-Licht verbaut. In den Standardeinstellungen nimmt die Kamera durchschnittliche Bilder auf, die schon bei nicht mehr ganz idealen Lichtbedingungen rauschen. Artefakte sind auf den Bildern kaum zu finden. In 1.080p nimmt die Rückkamera Videos auf, die Qualität ist dabei in Ordnung. Einzig der Autofokus reagiert ein wenig träge. Die 1-Megapixel-Frontkamera nimmt Videos in 720p auf - für Videotelefonie reicht sie aus.

Huawei hat in die Kamera-App einige Effekte eingebaut, mit denen die Bilder wärmer oder aber kälter wirken. Ganz klassisch gibt es auch noch die Möglichkeit, Schwarz-Weiß- oder Sepia-Aufnahmen zu fertigen. Einige Spaßeffekte, bei denen das Gesicht verzerrt wird, sind auch zu finden. Diese funktionieren allerdings nur bei Aufnahmen von einer einzigen Person.

Dolby Digital Plus

Das Huawei-Smartphone ist mit dem Mehrkanal-Tonsystem Dolby Digital Plus ausgestattet. Das ursprünglich für den Einsatz beim HD-Fernsehen und den DVD-Nachfolger konzipierte Tonsystem soll für einen klareren und natürlich klingenden Sound sorgen. Die Mehrkanalkomponente fällt beim Ascend Mate weg, da es nur eine Stereo-Klinken-Buchse besitzt.

In der Praxis ist tatsächlich eine leichte Verbesserung im Vergleich zu anderen Smartphones zu hören. Insgesamt klingt es wesentlich klarer und detailreicher. Viel interessanter ist die Möglichkeit, in den Softwareeinstellungen den Equalizer an verschiedene Musikstile anzupassen. Den Equalizer manuell zu konfigurieren, ist leider nicht möglich.

Der Klang des internen Lautsprechers ist trotz Dolby Digital Plus etwas dünn, Bässe sind so gut wie nicht vorhanden. Liegt das Smartphone auf einem Tisch, wird der Ton ein wenig dumpf. Immerhin: Stimmen sind deutlich zu verstehen und klingen natürlich.

Besondere Tastatur

Das Ascend Mate wird mit der Android-Version 4.1.2 alias Jelly Bean ausgeliefert. Darüber installiert Huawei seine eigene Benutzeroberfläche Emotion UI, die in der Version 1.5 läuft. Für das Ascend Mate sind noch einige Funktionen hinzugekommen, die das Arbeiten mit dem Gerät erleichtern sollen.

Damit auf dem großen Smartphone auch mit einer Hand komfortabel Texte getippt werden können, hat Huawei eine optionale Tastatur hinzugefügt, die nur rund zwei Drittel der Bildschirmbreite nutzt. Um sowohl Rechts- als auch Linkshändern die Bedienung zu erleichtern, lässt sich die Tastatur verschieben. Eine solche Tastatur ist nicht nur beim Tippen von Texten verfügbar, sondern auch beim Wählen von Telefonnummern.

Ein schon länger bekannter Fehler der Huawei-Tastatur wurde leider immer noch nicht behoben: Im Standardbrowser muss der Nutzer bei jeder Eingabe die Tastatur neu auf das deutsche Layout umstellen. Andere Apps merken sich hingegen die Einstellungen.

Huawei hat in der Emotion UI die App-Übersicht weggelassen. Neue Apps werden auf der jeweils letzten Seite hinzugefügt. Dieses Konzept erinnert an Apples mobiles Betriebssystem iOS. Das Aussehen des Emotion UI kann leicht und schnell angepasst werden. Insgesamt stehen 16 verschiedene Designs zur Auswahl, die nochmals vom Nutzer angepasst werden können.

Alle Details zu Huaweis Benutzeroberfläche sind in unserem Artikel zum Ascend Y300 zu finden.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Huawei Ascend Mate ist als schwarze und weiße Version im Onlinehandel ab rund 360 Euro verfügbar.

Fazit

Das Huawei Ascend Mate schließt mit seinem 6,1 Zoll großen Display die Lücke zwischen großen Smartphones und kleinen Tablets. Es ist wesentlich kompakter und leichter als ein kleines Tablet und hat im Vergleich zu aktuellen Smartphones eine bessere Akkulaufzeit. Erst nach zwei Tagen muss es wieder geladen werden.

Einzig der Quad-Core-Prozessor hinkt leistungstechnisch der Konkurrenz hinterher. Im Alltag reicht die gebotene Leistung dennoch vollkommen aus, um alle gängigen Apps flüssig zum Laufen zu bringen. Mit 8 GByte ist der interne Speicher nicht besonders groß. Immerhin lässt sich eine Micro-SD-Karte nachrüsten.

Huaweis Benutzeroberfläche macht es möglich, das große Android-Smartphone auch noch mit einer Hand zu bedienen. Dennoch ist die Größe manchmal hinderlich, vor allem beim Transport in der Hosentasche.

Insgesamt macht das Huawei Ascend Mate einen guten Eindruck. Für den Preis von 360 Euro bekommt der Käufer ein tolles Gerät, das aufgrund der Größe sowohl als Smartphone als auch als Tablet dienen kann.

Nachtrag vom 11. September 2013

Das Ascend Mate unterstützt App2SD, so dass sich entsprechend angepasste Apps auf einer Speicherkarte auslagern lassen. Allerdings erkennen das nicht alle App2SD-Apps, mit AppMgr III ist es möglich, mit Easy App2SD hingegen nicht. Prinzipiell erfolgt das Verschieben der App-Daten über die Android-Einstellungen, so dass es in jedem Fall geht. Aber eine App wie AppMgr III liefert einen Überblick, welche der installierten Apps das Verschieben erlauben.

Als Besonderheit bietet Huawei die Möglichkeit, die Speicherkarte zum internen Speicher umzumünzen. In den Android-Einstellungen zum Speicher gibt es den Menüpunkt Standard-Speicherort. Darin kann der Nutzer zwischen dem Flash-Speicher und der Speicherkarte wählen. Da der interne Flash-Speicher mit 8 GByte nicht gerade üppig ist, kann dieser mit diesem Kniff tatsächlich erweitert werden.

Bevor die Speicherkarte zum internen Speicher umgewandelt wird, gibt es für den Anwender noch einen Hinweis, dass alle laufenden Apps geschlossen werden und dass einige Apps ihre Daten nicht mehr finden könnten. Wenn dann eine App per App2SD verschoben wird, landet diese auch auf der Speicherkarte, wenn diese als interner Speicher eingebunden ist.  (sw)


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