Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/browser-preview-des-internet-explorer-11-fuer-windows-veroeffentlicht-1307-100628.html    Veröffentlicht: 26.07.2013 08:37    Kurz-URL: https://glm.io/100628

Browser

Preview des Internet Explorer 11 für Windows 7

Microsoft hat den Internet Explorer 11 jetzt auch für Windows 7 in einer Preview-Version veröffentlicht. Die neue Version des Internet Explorers unterstützt unter anderem WebGL sowie Googles Protokoll SPDY, ist auf Touch optimiert und setzt in noch mehr Bereichen auf Hardwarebeschleunigung.

Microsoft hat die erste Preview des Internet Explorer 11 Ende Juni 2013 als Bestandteil der Preview von Windows 8.1 veröffentlicht und schon damals angedeutet, dass auch eine Version für Windows 7 folgen wird. Nun steht eine Preview des IE11 für Windows 7 zum Download bereit. Dabei verspricht Microsoft den besten Browser für Windows, schließlich muss Microsoft nur eine Plattform unterstützen und daher keinerlei Kompromisse machen. So soll der IE11 schneller als Chrome und optimal auf Touch ausgelegt sein. Microsoft verweist auf den Benchmark Sunspider, den der Internet Explorer 11 auf einem nicht näher benannten System in 144 ms absolviert, während Chrome 28 dafür 209 ms benötigt.

Auch die Unterstützung des von Google entwickelten Protokolls SPDY v3.0 soll zu mehr Geschwindigkeit führen. SPDY ist auch die Grundlage für HTTP/2.0, an dessen Entwicklung sich unter anderem Google und Microsoft beteiligen.

3D-Inhalte mit WebGL

Zudem unterstützt der IE11 WebGL zur Darstellung von 3D-Grafik im Browser, auch unter Windows 7. Microsoft hatte bisher offiziell die Unterstützung von WebGL abgelehnt und vor allem argumentiert, die Technik sei zu unsicher.

Um Nutzer zu schützen, prüft der IE11 daher WebGL-Inhalte auf Muster, die auf einen Angriff hindeuten, und sperrt diese, wenn notwendig. Sollte es dennoch zu Problemen kommen, kann Windows allein die GPU neu starten, was Microsoft "Timeout Detection and Recovery" nennt. Systemabstürze sollen so verhindert werden. Zusammen mit GPU-Herstellern will Microsoft dafür sorgen, dass die verwendeten Treiber gegen Angriffe via WebGL gestärkt werden. Auf älteren Systemen, deren Treiber nicht abgesichert wurden, nutzt der IE11 einen Software-Renderer für WebGL-Inhalte.

Mehr Hardwarebeschleunigung

Darüber hinaus setzt der IE11 noch stärker auf Hardwarebeschleunigung. So wird das Zoomen per Pinch-and-Zoom sowie das gesamte Scrollen komplett in der GPU abgewickelt, was für eine schnelle Darstellung sorgt und die CPU entlastet. Auch das Decodieren von JPEG-Bildern wickelt der IE11 in der GPU ab.

Prefetching und Prerendering

Um Seiten möglichst schnell auf das Display zu bringen, unterstützt der IE11 Prefetching und Prerendering: Webentwickler können einzelne Links so markieren, dass der Browser sie bereits lädt, bevor der Nutzer sie anklickt. Das ist beispielsweise bei mehrseitigen Artikeln hilfreich, da der Inhalt bereits geladen ist, wenn der Nutzer ihn anklickt.

Der IE11 kann die Inhalte aber nicht nur vorab laden, Links werden auch vorab gerendert, so dass bei einem Klick die fertige Seite nur noch angezeigt werden muss, was extrem schnell geht. Chrome war der erste Browser, der Prerendering umsetzte.

Ähnlich verfährt der Browser auch, wenn ein Nutzer zu einer vorher besuchten Website durch Wischen zurückkehrt. In diesem Fall wird auch direkt die bereits gerenderte Version angezeigt, ohne dass diese neu geladen werden muss. Wird nach vorn gewischt, um zur nächsten Seite zu gelangen, kann der IE11 die Prefetching-Daten nutzen und zeigt beispielsweise direkt die zweite Seite eines Artikels an, die vorab geladen und gerendert wurde.

Ressourcen priorisieren

Als erster Browser unterstützt der IE11 Resource Priorities. Damit können Webentwickler festlegen, in welcher Reihenfolge die in einer Webseite eingebundenen Ressourcen geladen werden sollen, um dafür zu sorgen, dass beispielsweise direkt sichtbare Bilder und notwendige Schriften eher geladen werden als Bilder, die erst nach langem Scrollen erscheinen.

HTML5 Video mit DRM

Videos kann bereits der Internet Explorer 10 über das entsprechende HTML5-Tag abspielen. Beim IE11 erweitert Microsoft die Videounterstützung um neue Standards für Untertitel und adaptives Streaming mittels Dynamic Adaptive Streaming over HTTP (MPEG DASH). Damit kann die Videoqualität dynamisch an die verfügbare Bandbreite angepasst werden. Die HTML5-Version von Youtube unterstützt MPEG DASH bereits.

Zudem unterstützt der IE11 die umstrittenen Encrypted Media Extensions, um per DRM geschützte Videoinhalte abzuspielen. Microsoft demonstrierte das mit einer Webversion des US-Video-Anbieters Netflix, die komplett im Browser läuft, obwohl die Inhalte kopiergeschützt sind. Die Technik nutzt Netflix auch für seine App für Google Chrome OS, das ebenfalls die notwendige DRM-Technik unterstützt.

Kein WebRTC

WebRTC zur Echtzeitkommunikation im Web unterstützt der IE11 nicht, Chrome und Firefox tun dies bereits. Microsoft beteiligt sich aber an der Entwicklung von WebRTC und stellt in Aussicht, dass die Technik künftig auch im IE zur Verfügung stehen wird. Noch ändere sich die Spezifikation aber recht häufig, so Microsoft.

F12-Entwicklerwerkzeuge grundlegend überarbeitet

Von Grund auf neu entwickelt hat Microsoft die "F12" genannten Entwicklerwerkzeuge des Internet Explorers. Neben einem neuen User Interface und Workflow gibt es nun Werkzeuge, um die Reaktionsgeschwindigkeit von Apps und Speichernutzung zu untersuchen, sowie Emulatoren und neue Funktionen für die bereits existierenden Werkzeuge.

So untersucht das neue UI-Responsiveness-Tool Webseiten, während sie laufen, zeigt auf, wann sie langsam sind und welche Prozesse zu viel CPU-Ressourcen benötigen. Entwickler können auch sehen, wie sich CPU-Auslastung, Framerate und Verhalten der Seite in Beziehung zueinander verhalten.

Das neue Memory-Tool gibt Aufschluss über die Speichernutzung im Zeitverlauf und legt Snapshots an, um zu zeigen, wie die Speichernutzung zu bestimmten Zeitpunkten im Detail aussah. Durch einen Vergleich der Snapshots soll erkennbar sein, woraus eine erhöhte Speichernutzung resultiert. Zudem werden verwaiste Elemente hervorgehoben, um aufzuzeigen, wie sich die Speichernutzung reduzieren lässt.

Konsole und DOM-Explorer unterstützen in der neuen Version Autovervollständigung beim Tippen von Javascript-, HTML- und CSS-Code. Die neuen Emulatoren zeigen, wie eine Seite auf unterschiedlichen Displaygrößen aussieht, vom 240 Pixel breiten Smartphone-Display bis hin zum Breitbildfernseher mit 4K-Auflösung. Mittels GPS-Emulation lässt sich ermitteln, wie sich eine Web-App in anderen Teilen der Welt verhält.

Ein Rechtsklick ermöglicht es, einzelne Elemente direkt im DOM Explorer zu öffnen.

Verbesserte Kompatibilität

Ein neuer User-Agent-String und weitere Veränderungen sollen für eine verbesserte Kompatibilität des Internet Explorer 11 sorgen. Der neue UA-String soll sicherstellen, dass der Browser nicht mit einer älteren Version verwechselt wird. Zudem rendert der Browser nun standardmäßig im Edge-Modus, der die meisten neuen Webstandards unterstützt. Auch wurden einige veraltete Techniken aus dem Browser entfernt und das URL-Encoden von Zeichen so geändert, dass es dem Verhalten anderer Browser entspricht.

Microsoft führt darüber hinaus Unterstützung für HTML5-Data-Attribute ein, unterstützt das neue Flexbox-Modell sowie Mutation-Observers und Pointer Events. In Sachen Javascript unterstützt der IE11 nun ECMAScript 6 und "__proto__".

Die Do-Not-Track-Funktion des Browsers hat Microsoft erweitert, so dass Webseiten eine Ausnahme erfragen können. Gewährt der Nutzer diese, sendet der Browser einen entsprechenden Header, der das Tracken erlaubt.

Microsoft liefert den Internet Explorer 11 in einer Vorabversion derzeit mit der Preview von Windows 8.1 und als Download für Windows 7 aus. Voraussichtlich wird der Browser künftig auch für Windows Phone und die Xbox One zur Verfügung stehen.  (ji)


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