Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/beyond-angespielt-maedel-mit-monster-1307-100587.html    Veröffentlicht: 24.07.2013 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/100587

Beyond angespielt

Mädel mit Monster

Ihre digitale Fast-Zwillingsschwester ist schon in The Last of Us aufgetreten, jetzt darf Hollywood-Schauspielerin Ellen Page in Beyond selbst ran. Golem.de konnte ausprobieren, wie sich das nächste Abenteuer von Quantic Dream (Heavy Rain) anfühlt.

Es ist vermutlich nur ein kurioser Zufall, dass die Hollywood-Schauspielerin Ellen Page in den letzten beiden hochkarätigen Exklusivspielen für die Playstation 3 eine so große Rolle hatte. In The Last of Us sah die Protagonistin Ellie Page verblüffend ähnlich - so ähnlich, dass Page sich sogar darüber beschwerte. In Beyond - Two Souls tritt sie nun tatsächlich selbst und offiziell auf, sprich: Es sind ihre Bewegungen, Gesichtszüge und ihre Stimme, mit denen Entwickler Quantic Dream die Hauptfigur Jodie Holmes zu digitalem Leben erweckt.

Beim Anspielen von Beyond hatten wir zunächst tatsächlich das Gefühl, Jodie schon zu kennen, eben aus The Last of Us. Allzu lange hielt der Eindruck aber nicht vor, denn Jodie und Ellie unterscheiden sich vom Typ her doch ziemlich. In Beyond waren wir zuerst in einem Level in Somalia unterwegs, in dem Jodie mit Kampfbemalung im Gesicht für die CIA antritt. In einem zweiten anspielbaren Level waren wir in Nordamerika unterwegs - und zwar als Gegner der CIA. Wie die beiden Level zusammenhängen und zur Gesamthandlung gehören, wollte Publisher Sony noch nicht verraten.

Gemeinsam mit dem mysteriösen Superwesen Aiden, mit dem Jodie seit ihrer Kindheit verbunden ist, soll sie in Somalia einen Banditen namens Jamaal töten. Neben Aiden haben wir dort noch einen weiteren Begleiter: einen geschätzt zehnjährigen Kindersoldaten namens Salim, der uns mit dem Maschinengewehr in der Hand begleitet - wobei von Anfang an klar ist, dass Salim kein schießwütiger Haudrauf, sondern ein bedauernswert-trauriger kleiner Tropf ist.

An einer Mauer können wir die Kräfte des unsichtbaren Geistes Aiden zuerst testen: Mit der Dreieck-Taste wechseln wir von Jodie zu ihm. Dann zeigt eine blaue Markierung, dass wir an der Wand etwas anstellen können. Also halten wir die L1-Taste des Controllers, ziehen gleichzeitig die beiden Analogsticks nach unten und lassen sie dann los. Auf diese Art schlägt Aiden zu und bringt die Mauer zum Einstürzen.

Als Aiden sehen wir die Welt mit einem atmosphärischen Schleier, außerdem gibt es weitere Markierungen. Eine orangefarbene Umrandung um Menschen bedeutet, dass wir in ihre Haut schlüpfen können. Dazu müssen wir die Analogsticks zusammendrücken, dann verdreht das Opfer seine Augen, so dass nur noch das Weiße zu sehen ist, und wir können ihn steuern. Eine rote Umrandung bedeutet, dass wir den Gegner als Geist erwürgen können.

Ist Jodie unsterblich?

In Somalia laufen wir dann endlich als Jodie ein paar Schritte aus der Deckung, um einen Trupp Afrikaner zu verfolgen. Zumindest in dem spielbaren Level war es so, dass wir uns von Abschnitt zu Abschnitt hangelten: Wir mussten überlegen, wie wir Scharfschützen umgehen oder eine verschlossene Tür überwinden. Dabei geht natürlich wenig ohne Aiden, der durch Hindernisse einfach durchfliegt.

Eine Besonderheit von Beyond ist, dass wir anscheinend nicht sterben können. Selbst in brenzligsten Situationen kommt durch eine überraschende Wendung doch noch Hilfe - beispielsweise in Form des kleinen Jungen, der einen Widersacher in letzter Sekunde erschießt. Ob es an anderer Stelle möglich ist, dass die Hauptfigur ihr Leben verliert, hat Quantic Dreams ebenfalls noch nicht gesagt.

Typisch für ein Spiel des französischen Entwicklerstudios: Wir müssen oft im richtigen Moment eine bestimmte Taste drücken, um weiterzukommen. Hardcorespieler schimpfen häufig über diese Quicktime-Event-Spielmechanik, in Beyond fühlt sie sich meistens sehr natürlich an. Etwa, wenn wir in Kämpfen eigentlich keine Geschicklichkeit beweisen müssen, sondern lediglich den in Zeitlupe ausgeführten Bewegungen der Protagonisten folgen. Wenn wir das nicht schaffen, macht das aber nichts, die Handlung verändert sich nur ein bisschen - dann landet Jodie zum Beispiel kurz in Polizeigewahrsam, aus dem sie sich aber, etwa mit einer tödlichen Attacke auf einen Cop, befreit.

In Somalia haben wir den bösen Jamaal nach einiger Zeit ausgeschaltet - allzu viel verraten wir dazu aber nicht, weil die Entwickler in diesem Auftrag noch einiges an Überraschungen eingebaut haben. Der zweite Level hat uns dann nach Nordamerika geführt, wo wir erst in einem Zug und dann in einer Kleinstadt gegen Polizisten und die CIA kämpften. Auch hier kam es in der insgesamt linearen Handlung vor allem darauf an, bei den Aktionen von Jodie das richtige Timing zu erwischen und die Superkräfte von Aiden sinnvoll an den dafür möglichen Stellen einzusetzen - was dann unter anderem dazu führt, dass der Geist mal eben eine halbe Kleinstadt in Schutt und Asche legt.

Grafisch überzeugt das Spiel. Die Umgebungen sehen zwar nur gut aus, aber die Animationen, Schnitte und vor allem die Gesichter sind extrem gut in Szene gesetzt. Für freiheitsliebende Sandbox-Puristen ist Beyond - Two Souls möglicherweise zu linear und zu sehr Drück-den-Knopf, dafür machen Handlung und Dramaturgie einen überragenden Eindruck. Außerdem scheint es sehr viel Abwechslung zu geben. Nach aktuellem Stand erscheint das Programm am 9. Oktober 2013 für die Playstation 3.  (ps)


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