Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-api-wine-1-6-erscheint-mit-nativem-mac-treiber-1307-100502.html    Veröffentlicht: 19.07.2013 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/100502

Windows-API

Wine 1.6 erscheint mit nativem Mac-Treiber

Über ein Jahr Entwicklung fasst das Team mit der Veröffentlichung von Wine 1.6 zusammen. Neu sind unter anderem ein Mac-OS-X-Treiber, Unterstützung für transparente Fenster und ein erweitertes Mono-Paket.

Im Schnitt alle zwei Wochen veröffentlicht das Wine-Team Entwicklungsschnappschüsse des Windows-API-Nachbaus. Mit dem Erscheinen von Wine 1.6 fassen die Programmierer nun 16 Monate Arbeit und etwa 10.000 einzelne Veränderungen an der Code-Basis zusammen.

So steht nun auch in der freien Variante der Winemac-Treiber zur Verfügung, der bereits in dem kostenpflichtigen, Wine-basierten Crossover 12 von Codeweavers erhältlich ist. Der Treiber macht die Nutzung von X11 unnötig, da er alle notwendigen Funktionen unterstützt, wie etwa OpenGL, die Fensterverwaltung oder das Cocoa-API zur Menüdarstellung. Der Winemac-Treiber kann erst ab Mac OS X 10.6 genutzt werden. Weiterhin unterstützt werden soll aber auch der X11-Treiber.

Fenster in Schichten und RandR

Zu den weiteren Änderungen gehört die vollständige Unterstützung sogenannter Layered Windows, die es seit Windows 2000 gibt. Damit werden übergeordnete Fenster transparent dargestellt, wenn sie über anderen Fenstern verschoben werden. Die Änderung wurde bereits in der Entwicklerversion 1.5.15 umgesetzt und jetzt vervollständigt.

Darüber hinaus kann mit Wine 1.6 die in X11 eingesetzte Erweiterung Resize, Rotate and Reflect (RandR) in den Versionen 1.2 und 1.3 genutzt werden. Ebenso haben die Entwickler das sogenannte Big-Lock, also alle X11-spezifischen Sperrfunktionen, aus dem Code entfernt und nutzen nun die X11-internen Funktionen. Für die meisten Nutzer sollte das nicht zu Problemen führen, mit alten Versionen der Xlib-Bibliothek wie unter RHEL 5 ist aber ein Upgrade des X-Servers empfohlen.

DIB-Engine-Verbesserung

Die seit Wine 1.4 enthaltene DIB-Engine hat nun eine OpenGL-Unterstützung. Mit der Unterstützung für Device Independent Bitmaps im grafischen Subsystem von Wine können DIBs über die APIs des GDI (Graphics Device Interface) oder direkt im Arbeitsspeicher verwendet werden.

Die DIB-Engine soll Windows-Anwendungen in Wine deutlich beschleunigen, denn zuvor mussten einzelne DIBs für den X-Server konvertiert werden, was zu vielen Darstellungsfehlern führte und deutlich langsamer war. Auch das Text-Rendering oder die Darstellung von Gradienten mittels DIB-Engine wurde beschleunigt.

Bessere .NET-Unterstützung, DOSBox, Windows 8

Die Laufzeitumgebung des freien .NET-Nachbaus Mono ist nun als MSI-Datei in Wine integriert und wird automatisch installiert, wenn ein Wine-Prefix aktualisiert wird. Zudem werden nun gemischte .NET-Assemblys unterstützt und die Installation von Microsofts .NET-4.0-Laufzeitumgebung soll nun möglich sein.

Für DOS-Anwendungen sucht die Wine-Kernel-Sicht zuerst nach einer vorhandenen Installation von DOSBox und die in Wine integrierte DOS-Unterstützung dient nur noch als Ausweichlösung. Mittelfristig soll die DOS-Unterstützung aus Wine entfernt werden. Außerdem kann sich Wine nun auch als Windows 8 melden.

DirectX-Verbesserungen

Mit der Implementierung einiger bisher noch fehlender Funktionen ist die Wine-Unterstützung für Direct3D 9Ex verbessert worden. Die überarbeitete Wine-Direct3D-Datenbank für Grafikkarten soll nun mehr Hardware erkennen. Das Team hat auch eine erste Version eines HLSL-Compilers erstellt.

Wine 1.6 verbessert nun auch den Umgang mit verschiedenen Direct3D-10-Shadern. Das zur 2D-Darstellung verwendete Directdraw sollte in einigen Fällen eine bessere Leistung bieten. Die Neuimplementierung von Directwrite kann allerdings dafür sorgen, dass Steam nicht mehr in der Lage ist, Text darzustellen. In diesem Fall sollte Steam ohne Directwrite gestartet werden.

Eingaben von Maus und Tastatur werden in Wine künftig direkt verarbeitet. Über den DBus-Dienst Udisks 2 können Speichergeräte von Wine dynamisch eingebunden werden. Für einen verbesserten Klang sorgt die Mehrkanalunterstützung im Alsa-Framework. Zudem haben die Entwickler die Portierung auf die 64-Bit-Variante der ARM-Architektur erweitert. Damit lassen sich einige Anwendungen für Windows RT in Wine nutzen.

Eine Liste weiterer Änderungen findet sich in der Release-Ankündigung. Der Quellcode von Wine 1.6 für verschiedene Unix-artige Systeme steht ab sofort zum Download bereit.  (sg)


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