Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-deus-ex-the-fall-hacken-mit-den-fingerspitzen-1307-100333.html    Veröffentlicht: 11.07.2013 15:38    Kurz-URL: https://glm.io/100333

Test Deus Ex The Fall

Hacken mit den Fingerspitzen

Square Enix schickt uns noch einmal ins Jahr 2027. Deus Ex: The Fall erzählt eine neue Geschichte in der Zukunftswelt von Human Revolution. Das aber weder für PC noch für alte oder neue Konsolen, sondern für iOS-Geräte.

Wer sich über Videospiele hinaus mit Deus Ex beschäftigt, kennt die Namen Ben Saxon und Anna Kelso bereits. Deus Ex: The Fall ist in weiten Teilen eine Umsetzung des Romans Icarus Effect, der vor und parallel zu den Geschehnissen aus Human Revolution angesiedelt ist. Der Spieler versucht als Superagent Saxon, dem Rätsel um ein mysteriöses Medikament nachzugehen und verstrickt sich dabei in ein für die Serie typisches Verschwörungsszenario.

Die Geschichte wird nie langweilig, erreicht schlussendlich jedoch nicht die Qualität der bisherigen Deus-Ex-Saga. Das liegt auch an der Erzählweise mit langatmigen Dialogen und starren Figuren. Alle Gespräche sind nur auf Englisch vertont worden, dafür immerhin deutsch untertitelt.

Bei der Level-Gestaltung kommt The Fall seiner Vorlage weitaus näher. Die minimalistische und doch stilvolle Architektur der Deus-Ex-Welt wurde technisch sauber auf mobilen Endgeräten umgesetzt. Treppenbildung ist beispielsweise nirgends zu sehen. Die Unity-Engine sorgt für atmosphärisch strahlende Neonlichter. Manche Orte wirken insgesamt etwas zu leer, dafür sind Details wie Fernseher mit wechselnden Nachrichtenreportagen auch aus der Nähe schön anzusehen. Dass viele Computerfiguren in der Welt identisch an jeder Ecke aufs Neue anzutreffen sind, fällt schon eher störend auf.

Nach dem spielerisch eingeschränkten Trainingslevel bietet der iOS-Titel die gewohnte Mischung aus Erkunden, Schleichen und Hacken in einer frei begehbaren Stadt. Wer in Deus Ex am liebsten durch Lüftungsschächte kriecht und Computersysteme umgeht, legt sein iPad oder iPhone so schnell nicht mehr beiseite.

Action keine Alternative



Wer dagegen keine Lust auf Heimlichtuerei hat, dem vermiest die Touchscreen-Steuerung den Spaß. Trotz zahlreicher Anpassungsmöglichkeiten und Bedienungskonzepte ist genaues Zielen in der Hektik des Kampfes nicht möglich. Das merkwürdige Verhalten der künstlichen Intelligenz trägt dazu bei, dass Schießereien unfreiwillig komisch aussehen - und für den Spieler meist ärgerlich enden.

Beim Huschen von Deckung zu Deckung gibt es keine Probleme, als Stealth-Titel geht The Fall gut von der Hand. Komfortabel ist besonders die Möglichkeit, automatisch zu einer doppelt angetippten Stelle auf dem Bildschirm zu laufen. Eingaben in Codefelder und das aus Human Revolution bekannte Hack-Minispiel machen mit direkter Fingereingabe auf dem Bildschirm sogar mehr Spaß als bei der großen Vorlage.

Der Spieler muss sich keine Sorgen um ein begrenztes Inventar machen. Waffen, Fähigkeitenpunkte und Munition darf er jederzeit im Hauptmenü für verdiente Credits erwerben - hier locken In-App-Kaufmöglichkeiten mit echtem Geld. Wer jede Mülltonne in Panama City gründlich durchsucht, ist auf den Einsatz dieser Option nicht angewiesen. Upgrades wie die Tarnfunktion kann der Spieler durch normales Aufleveln freischalten.

Das 1,6 Gigabyte große Deus Ex: The Fall ist seit 10. Juli 2013 im Appstore erhältlich. Es kostet 6 Euro und funktioniert laut Beschreibung nur auf iPad 3, iPad Mini, iPhone 4S, iPod Touch 5 und später erschienenen Geräteversionen. Wir haben es auf einem iPad der dritten Generation getestet und konnten es fast durchweg flüssig spielen.

Fazit

Square Enix überrascht mit einer mobilen Deus-Ex-Umsetzung, die als Minifortsetzung von Human Revolution durchgeht. Nur wer das futuristische Abenteuer als Actionheld erleben möchte, bekommt die Schwächen von Touchscreen-Steuerung und Gegnerintelligenz zu spüren.

Erkundungsfreudige Spieler sind gute fünf bis sechs Stunden im stimmig gestalteten Panama City unterwegs. Die Handlung ist zwar nicht so komplex wie bei den anderen Deus-Ex-Titeln, auch hier hat sich Entwickler NFusion Interactive aber mehr Mühe gegeben, als wir es von den meisten iOS-Spielen dieser Art gewohnt sind. Wir freuen uns auf zukünftige Episoden, die im Spielmenü und am Schluss von The Fall schon jetzt angekündigt werden.  (dp)


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