Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vaio-pro-11-im-test-sonys-leichtgewicht-mit-router-netzteil-und-alt-java-1307-100320.html    Veröffentlicht: 29.07.2013 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/100320

Vaio Pro 11 im Test

Sonys Leichtgewicht mit Router-Netzteil und Alt-Java

Das Ultrabook Vaio Pro gehört zu den leichtesten Notebooks seiner Art und schafft dennoch lange Laufzeiten, hat Full-HD und einen Touchscreen. Bei der Software langt Sony leider daneben. Dafür ist der Klick-Router sehr praktisch und wir erlebten ein kleines Déjà-vu.

Wenn es um leichte und kompakte Notebooks geht, ist Sony ein Meister der Miniaturisierung. Kaum ein anderer schafft es, so dünne Geräte zu konstruieren wie die Japaner. Doch in der Regel führt das zu einem sehr hohen Preis, wie die Vaio-Z-Serie immer wieder zeigt. Das Vaio Pro ist hingegen ein vergleichsweise günstiges Notebook unter dem Ultrabook-Label und trotzdem in unserer 11,6-Zoll-Testvariante mit gerade einmal 870 Gramm ein extrem leichtes Gerät. Sony hat mit einem anklickbaren Router zudem ein interessantes Detail hinzugefügt.

Sony verspricht Akkulaufzeiten von rund 8 Stunden, einen Full-HD-Bildschirm - der wegen der kleinen Pixel und der Schwierigkeit, dort Licht hindurchzubekommen, nicht die sparsamste Displayvariante ist - und einen Touchscreen. Das macht das mit Kohlenstofffasern verstärkte Kunststoffnotebook für einen Test interessant, schließlich erreichte das letzte Notebook dieser Gewichtsklasse von Sony nur eine Laufzeit von 4 Stunden.

Das Sony Vaio Pro 11, das es auch als 13-Zoll-Modell gibt, ist ein Ultrabook der aktuellen Generation. Im Inneren arbeitet Intels Haswell alias Core i der vierten Generation, es hat moderne Anschlüsse und neue Komponenten sowie den zunächst seltsam anmutenden WLAN-Router im Netzteil. Die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen.

Geräuschentwicklung und Hardwareausstattung des Vaio Pro im Detail

In unserem Testmuster steckt ein Core i7-4500U von Intel. Unser Vaio Pro ist also nicht das günstige Einstiegsmodell mit dem Core i5. Der i7-4500U gehört zu den Ultra-Low-Voltage-CPUs, die mittlerweile vorwiegend in Ultrabooks verbaut werden. Mit einem TDP-Wert von 15 Watt ist der Anspruch an die Kühlung nicht besonders hoch, was sehr dünne Geräte ermöglicht. Die Taktfrequenz beträgt für beide Kerne 1,8 GHz und kann per Turboost auf 3 GHz angehoben werden, sofern thermisch noch Spielraum besteht. Kommt der Turboboost zum Einsatz, wird das Notebook schnell laut.

In ruhigen Umgebungen nervt der surrende Lüfter. Beim Nichtstun ist der Lüfter aber still. Wir vernehmen nur ab und an ein hochfrequentes Fiepen aus der Prozessorgegend, was bei Notebooks leider nicht ungewöhnlich ist. Vor allem junge Ohren hören diese Frequenzen noch.

Neues SSD-Format und nicht fester Arbeitsspeicher

Beim Arbeitsspeicher knausert Sony ein wenig, denn der ist nur 4 GByte groß und kann nicht erweitert werden. In der Regel reicht ein Speicher in der Größe zwar, aber heutzutage ist das schon die Untergrenze für moderne Notebooks. Sollte es zum Swapping kommen, ist das aber nicht allzu schlimm, denn im Inneren steckt eine SSD, und zwar im neuen Format M.2, vormals bekannt als NGFF (Next Generation Form Factor). Von dem Format berichteten wir bereits anlässlich des letztjährigen IDF ausführlich. Es handelt sich bei uns um eine 128-GByte-SSD von Samsung (MZNTDD128HAGM).

Auch andere Komponenten sind nagelneu. Die WLAN-Karte von Intel ist eine 7260, die Dual-Band nach den Standards 802.11b/g/n und 802.11a/n beherrscht. Zudem gehören NFC und Bluetooth 4.0 zur Ausstattung. Letzteres ist eine besondere Erwähnung wert, weil dieses Notebook das erste in unserer Umgebung ist, das problemlos mit einer Maus nach dem Standard Bluetooth 4.0 LE (Low Energy) funktioniert. Zuvor gelang uns die Verbindung der Mad Catz Rat M nur auf Umwegen (Dongle rein, Dongle raus, erst dann die Bluetooth-Kopplung probieren) und nur an einem Macbook Pro Retina unter Windows 8. Die Maus gehört zu den wenigen Bluetooth-Mäusen, die in der Regel nur mit dem beigelegten Dongle funktionieren.

Die Kombination von NFC und Bluetooth haben wir mit einem NFC-Lautsprecher ebenfalls ausprobiert. Im Unterschied zur Android-Implementierung auf Sonys Smartphones und Tablets verlangt Windows 8 nach dem Antippen eine Bestätigung durch den Nutzer - eine Sicherheitsfunktion. Die Bluetooth-Kopplung verläuft trotzdem angenehmer als über den herkömmlichen Weg über die Bluetooth-Einstellungen. Zudem stören bei der Kopplung keine anderen Bluetooth-Geräte aus der unmittelbaren Umgebung.

Die Schnittstellen sind ausreichend, zumindest für ein Ultrabook. Auf der rechten Seite befinden sich zwei USB-3.0-Schnittstellen sowie ein Headset- und ein HDMI-Anschluss. Letzterer kann auch analoge Signale übertragen, dazu liefert Sony einen Adapter mit. Auf der linken Seite gibt es nur den Stromanschluss sowie den Luftausstoß. Das Notebook besitzt trotzdem einen SD-Kartenschacht, der vorne, unterhalb des Trackpads, angebracht ist.

Anschluss für Extraakku und gute Gehäusekonstruktion

Auf der Unterseite ist zudem ein Anschluss für einen Sekundärakku vorhanden. Dieser ist als sogenannter Unterschnallakku vorgesehen. Diese Option gibt es sonst vor allem bei teuren Unternehmensnotebooks. Testen konnten wir sie nicht. Sony verspricht mindestens eine Verdoppelung der Laufzeit mit dem 36-Wattstunden-Akku. Das Gewicht steigt mit dem Zusatzakku um 290 Gramm auf dann 1.160 Gramm, was immer noch leicht ist.

Das recht große Touchpad ist durchklickbar und besitzt keine separaten Tasten. Wer etwa die Vor- und Zurück-Tastenkombinationen des Opera-Browsers nutzt, kann diese beim Sony Vaio Pro nicht nutzen, da das gleichzeitige Drücken zweier Mausersatztasten nicht vorgesehen ist. Es unterstützt dafür zahlreiche Windows-8-Touchscreen-Gesten, die bei uns jedoch häufig versehentlich ausgelöst werden. Grundsätzlich gilt: Wer die Gesten nutzen will, sollte bei der Benutzung des Touchpads insbesondere als Rechtshänder für normale Anwendungen lieber mit Abstand zum Rand ansetzen. Leider ist der Touchpad-Treiber nicht der beste. Er erkennt bei der Nutzung von zwei Fingern manchmal nicht beide und auch das Antippen des Touchpads ohne Durchklicken gelingt nicht immer. Gestenprobleme bei tastenlosen Touchpads sind nicht ungewöhnlich. Vermutlich will Microsoft deswegen gerne die Interpretation der Touchpad-Eingaben übernehmen.

Viel Platz neben der Tastatur

Die Tastatur nutzt erstaunlich wenig des vorhandenen Platzes. Links und rechts der Tastatur ist genug Platz, um mit dem Daumen das Notebook anzuheben. Trotzdem tippt es sich auf der Tastatur gut. Beengt fühlten wir uns nicht. Sehr angenehm ist die Hintergrundbeleuchtung der Tasten. Damit lässt sich leicht auch im Dunkeln arbeiten. Unter der Tastatur befinden sich die beiden Lautsprecher. Ist der Anwender nah genug, wird er einen Stereoeffekt bemerken. Zudem ist die Tonausgabe, trotz der beengten Platzverhältnisse, recht gut.

Der 11,6-Zoll-Bildschirm ist als 10-Finger-Touchscreen mit 1.920 x 1.080 Pixeln ausgeführt. Er spiegelt leider sehr stark. Das ist bei einem Touchscreen eigentlich nicht notwendig. Zudem stören die sichtbar abgestuften automatischen Helligkeitsanpassungen des Systems. Das System könnte etwas träger und feiner konfiguriert sein. Vor allem während der Benutzung des Touchscreens schaltet das Display ständig zwischen Helligkeitswerten um, da die Hand die Lichtmessung des Sensors beeinflusst.

Die hohe Pixeldichte macht die Fingerbedienung auf dem Desktop recht anstrengend. In der Modern-UI von Windows 8 ist die hohe Auflösung hingegen kein Problem. Das Display neigt dank IPS nicht zum Invertieren der Farben. Ein bisschen blickwinkelabhängig ist es aber dennoch: Die Farbintensität ist vom Blickwinkel abhängig.

Die gesamte Konstruktion ist flexibel. Das Gerät kann also durchaus etwas gebogen werden, das Glas bricht nicht sofort, wenn eine Belastung auftritt. Dabei knarzt es nirgends, was bei allzu starren Konstruktionen oft der Fall ist, wobei es auch stark auf die Umstände der Belastung ankommt. Die Flexibilität geht allerdings in einigen Bereichen zu weit. Die Maustaste des Touchpads kann beispielsweise von unten gedrückt werden. Wir fühlten uns dennoch etwas an unseren Chromebook-Test erinnert, den wir Plaste und Elaste mit Bauchtaste betitelt haben. So schlimm ist es bei Sonys Notebook aber bei weitem nicht, denn Sony hat dieses Problem bedacht. So wird zwar von unten ein mechanischer Klick ausgelöst, solange kein Finger auf dem Touchpad verweilt, wird er aber schlicht ignoriert.

Die Konstruktion ist insgesamt für das Gewicht sehr gut. Die Lüftung wird zusätzlich durch das Display unterstützt. Wird das Notebook aufgeklappt, wird die Basis durch die Gelenkkonstruktion etwas angehoben. Das bringt auf harten Oberflächen einen Vorteil. Auf der Couch hingegen kommt trotz des geringen Eigengewichts keine zusätzliche Luftzirkulation zum Einsatz, was aber kein Nachteil ist. Während unseres Tests ist das Gerät auch auf weichen Oberflächen nicht wegen Überhitzung abgestürzt.

Die Softwarebeigaben sind reichlich. Als Betriebssystem kommt immerhin Windows 8 in der Pro-Version zum Einsatz. Was wir sonst auf dem Vaio Pro entdeckten, versetzte uns allerdings in ziemlich ungläubiges Erstaunen.

Crapware und Sicherheitslücken

Unsere Leser fragen sich unter Artikeln zu Sicherheitslücken in Java immer wieder, wie Java als Webplugin auf so viele Rechner kommt. Die Antwort gibt Sony. Auf dem Vaio Pro ist im Auslieferungszustand Java 7 installiert. Und zwar nicht in einer wenigstens halbwegs aktuellen Version, sondern in der Version Update 13. Das Update 13 von Java 7 hat Oracle eilig Anfang Februar 2013 veröffentlicht und damit mehr als zwei Dutzend besonders schwerwiegende Sicherheitslücken geschlossen. Das Problem hierbei: Oracle musste bis zum Java Update 25 fast 90 Sicherheitslücken schließen, von denen die meisten einerseits gefährlich sind und andererseits laut Oracle auch leicht ausgenutzt werden können.

Mit Sonys Vaio Pro geht der Nutzer ein unnötig hohes Risiko einer Infektion mit Schadsoftware schon in den ersten Wochen ein. Schließlich gilt jede zehnte deutsche Webseite als infiziert und in der Regel nutzen infizierte Webseiten Sicherheitslücken in Java aus. Das Vaio Pro hat übrigens in den ersten Tagen keine Update-Routine für Java gestartet. Auf Oracles Auto-Updater sollte sich der Nutzer keinesfalls verlassen.

Auf die Problematik angesprochen, sah Sony keine Probleme mit der Java-Installation. Die Firma teilte uns mit, dass "bei der Produktion der Vaio-Modelle grundsätzlich die jeweils aktuellsten Softwareversionen, die zum Produktionszeitpunkt verfügbar sind", verwendet würden. "Zusätzlichen Virenschutz" gibt es laut Sony außerdem "durch die vorinstallierte 30-tägige Testversion der Virenschutzsoftware von McAfee."

Flash ist nicht vorinstalliert

Sony verzichtet vorbildlicherweise auf die Installation von Adobes Flash, so dass Anwender, die das Plugin brauchen, gezwungen sind, die aktuelle Version zu installieren. Der Adobe Reader 11, den Sony installiert, hat hingegen viel Staub angesetzt. In der Version 11.0.0 erschien die PDF-Software im Jahr 2012 und hat ebenfalls zahlreiche bekannte Sicherheitslücken. Aktuelle Softwareversion kann das wohl kaum genannt werden. Das Windows-Image ist übrigens deutlich jünger und von Mitte Juni 2013. Sony hat also nicht etwa ein veraltetes Image des Betriebssystems auf das Vaio Pro angewandt. Insgesamt ist das eine sehr seltsame Kombination, und Sony sollte an den Prozessen bei der Softwareintegration arbeiten, um aktuelle Software zu ermöglichen, oder die Beigaben gleich ganz weglassen.

Sony installiert noch weitere Software. Dazu gehören Intels McAfee-Anti-Theft-Software, das XNA-Developer-Framework, vermutlich für die Spiele, die teils Updates benötigen und von Wildtangent stammen. Die Wildtangent-Software arbeitet mit gefälschten Download-Buttons in der Werbung, um sich zu finanzieren. So kann der Anwender mit Werbung etwa Plants vs. Zombies spielen und wird dabei dazu verleitet, den iLivid-Video-Download herunterzuladen, der sich wiederum im Internet Explorer festsetzt und die berüchtigte Ask-Software als Suchmaschine sowie den Torch-Browser installiert. Einen Link zum Download von fTalk gibt es ebenfalls dazu. Der unbedarfte Anwender bekommt also genug Möglichkeiten angeboten, sein System mit unerwünschter Software zu bestücken.

Bluescreens beim WLAN-Betrieb durch alten Treiber

Wir haben nicht schlecht gestaunt, als uns der erste Bluescreen unter Windows 8 mit einem Smiley entgegenblickte. Reproduzierbar konnten wir mit wenigen Schritten das ganze Notebook zum Absturz bringen. Für uns war das der erste Bluescreen unter Windows 8 überhaupt. Selbst bei unserer Vorschau der Windows 8.1 Preview kam es nicht zu Abstürzen. Zum Glück ließ sich das Problem lösen.

Das Problem war schnell geortet. Die WLAN-Komponente ist schuld. Wenn wir uns von einem Büro in ein anderes bewegten und dabei den Standby nutzten, funktionierte das WLAN am neuen Ort nicht mehr. Die Verbindungseinstellungen behaupteten steif und fest, dass die alte Verbindung des ersten Ortes noch bestehe.

WLAN-Reset führt zum Bluescreen

Ein üblicher Trick ist es, in solchen Fällen einfach in den Flugmodus zu wechseln. Alle Betriebssysteme resetten dadurch das WLAN und normalerweise funktioniert dann wieder alles. Beim Vaio Pro war das allerdings anders: Schalten wir das WLAN wieder ein, kommt es in jedem Fall zu einem Bluescreen und ungespeicherte Arbeiten am Rechner gehen verloren. Immerhin bootet der Rechner ziemlich fix.

Die Treiber der noch neuen Intel-WLAN-Karte 7260 waren schuld. Leider gab es während des Tests weder über das Windows-Update noch über das Vaio-Update neue Treiber. Es half nur das manuelle Update von der Version 16.0.1.1 auf die Version 16.0.5 über die Intel-Webseite. Aber auch das war nicht so einfach, denn eine einfache Upgrade-Installation scheiterte.

Wir mussten erst die alte Intel-Software deinstallieren. Für den Anwender ist das unnötig anstrengend, aber dafür sind wir dadurch alle Abstürze losgeworden. Allerdings wollte das Gerät beim Zuklappen nicht immer in den Standby-Modus wechseln oder konnte nach dem kurzen Aufwachen beim Connected Standby teilweise nicht wieder einschlafen. Das Notebook wird dann beispielsweise im Rucksack unangenehm warm.

Auf Nachfrage gab Sony an, dass zum Produktionszeitpunkt der 16.0.5-Treiber noch nicht zur Verfügung stand. Mittlerweile stellt Sony sogar einen neueren Treiber bereit. Der 16.1.0.14-Treiber sollte mittlerweile auch über das Vaio-Update verfügbar sein. Er kam für unseren Test aber zu spät.

Der anklickbare WLAN-Router ist Gold wert

Eine clevere Idee für Geschäftskunden ist die Möglichkeit, einen Minirouter immer dabeizuhaben. Das Netzteil hat dazu einen USB-Anschluss, und zum beigelegten Zubehör gehört ein WLAN-Router, der sich anklicken lässt und optisch zum Netzteil passt. Er sitzt zudem recht fest. Da wackelt nichts, auch wenn ein Netzwerkkabel an das Netzteil angeschlossen wird. Allerdings wird dann der USB-Anschluss blockiert, mit dem der Nutzer sein Smartphone aufladen kann.

Dafür versorgt der Nutzer sein Smartphone auf Reisen per WLAN mit Daten, was sehr praktisch ist, wie wir in der Praxis feststellten. In einem südkoreanischen Hotel war der Zugang zum Internet ohne nervige Anmelderei auf dem langsamen WLAN nur per Kabel möglich, und so schlossen wir schnell den Router ans Netzwerkkabel. Dabei mussten wir nichts einrichten. Der Router konfigurierte sich passend selbst, und über den WPS-Knopf mussten wir auch keine Passwörter vom Router herausfinden. Es reicht, den Knopf etwas länger gedrückt zu halten, und schon ist die Verbindung aufgebaut. Sollte das Passwort doch benötigt werden, lässt sich unter Windows einfach in den Verbindungseinstellungen eines WPS-Geräts abschreiben.

Interessante Konfiguration

Interessanterweise bekamen drei angeschlossene Geräte unterschiedliche Konfigurationen. Dem Vaio Pro wurde als erstes verbundenes Gerät eine lokale IP zugewiesen (192.168.zufall.zufall), es nutzte den Router auch als Router. Ein Elitebook sowie ein iPhone 5 hingegen bekamen eine IP-Adresse des Hotelnetzwerks, so dass der Router nur ein simpler Access Point war. In der Situation gelang es uns bei keinem der Geräte, auf den Router zuzugreifen, um ihn etwa zu konfigurieren. Das ging erst bei abgezogenem Netzwerkkabel.

Als reiner Router betrachtet, ist das VGP-WAR100 genannte Gerät nicht spektakulär. Für den Einsatzzweck, nämlich Nahfunk-WLAN, reicht die Nutzung des 2,4-GHz-Bandes vollkommen aus. Bemerkbare Störungen durch andere WLANs gab es in der Praxis nicht. Ausgehandelt werden maximal 150 MBit/s brutto (802.11n).

Der Router kann zwei SSIDs ausstrahlen. Wer will, kann beispielsweise eine zweite SSID versteckt mit WPA oder WEP aktivieren. Letzteres ist natürlich sehr unsicher, aber für den Anschluss eines Nintendo DS unumgänglich. Der Router beherrscht zudem eine MAC-Konfiguration, um zumindest Gelegenheitshacker auszusperren. Der Router versucht selbst herauszufinden, ob er als Router agieren oder als reiner Access-Point arbeiten soll. PPPoE wird genauso unterstützt wie diverse DHCP-Einstellungen, IPv6 Pass Through oder UPnP. Für den mobilen Einsatz ist das mehr als ausreichend. Die Firmware steht unter der GPL. Vielleicht reicht die Verbreitung der Vaio-Modelle mit Router irgendwann für eine Router-Community mit eigener Software.

Wir finden die Idee gut. Das kleine Zusatzgerät nimmt kaum Platz ein und ist gerade dann sehr wertvoll, wenn nur ein einzelner, kabelgebundener Netzwerkanschluss vorhanden ist. Hier würden wir allerdings auch etwas proprietäre zusätzliche Technik nicht schlecht finden. Die Datenleitung am Netzteil beispielsweise direkt über den Stromanschluss im Notebook zu führen, wäre sicher interessant. Auch eine Ladung per 802.3at (PoE+) wäre dann sicher machbar. Aber so weit ist anscheinend noch kein Hersteller, sieht man von Thinclients ab.

Benchmarks und lange Akkulaufzeiten

Die Akkulaufzeiten des Sony-Ultrabooks sind insgesamt sehr gut, insbesondere, wenn das Gewicht von nur 870 Gramm berücksichtigt wird. Mit dem Powermark erreichten wir im Produktivitätstest mit angenehmen 75 Prozent Helligkeit und aktiviertem WLAN 6 Stunden und 52 Minuten.

Diablo 3 (volle Helligkeit, WLAN an, externe Maus an) konnten wir 1:59 Stunden spielen, bevor wir abschalten mussten. Wer das Notebook gar ohne Display betreibt, bekommt rund 20 Stunden Laufzeit angezeigt. Hier zeigt sich gut, wie tief Intels neuer Haswell schlafen kann, ohne dass das System in einen Standby muss. Aber auch dieser Wert ist rein akademischer Natur. Immerhin hat das den Vorteil, dass der Anwender auch mal vergessen kann, den Rechner abzuschalten, ohne allzu viel Akkulaufzeit einzubüßen.

In den Benchmarks zeigt sich Intels Notebook als ausreichend schnell für die meisten Aufgaben. Allerdings konnten wir das Sony Vaio Pro nicht vollständig vermessen. Im Cinebench R10 (32 Bit) erreichte das Notebook im GPU-Test 6.744 Punkte und im xCPU-Test 7.124. Während des Tests fiel uns auf, dass die GPU-Werte massiv schwanken. Unmittelbar nach einem CPU-Test sinken sie auf um die 6.200 Punkte. Die Grafik wird durch die hohe Temperatur offenbar ordentlich gedrosselt. Der Cinebench R11.5 startete nicht im 64-Bit-Modus. Nur der 32-Bit-Modus funktionierte, doch den benutzen wir nicht. Ein Durchlauf des nicht mehr ganz so aktuellen 3DMark 11 gelang uns ebenfalls nicht. Beim Test der GPU und der CPU stürzte die Anwendung einfach ab. Hier hat Sony offenbar noch kleinere Probleme zu beseitigen. Im Super Pi 1.5 XS erreicht das Notebook 61,2 Sekunden für vier Millionen Iterationen.

In Diablo 3 zeigt sich, dass Intels HD 4400 genannte interne Grafik nicht besonders schnell ist. Auf dem Vaio Pro lässt sich Diablo 3 in den Standardeinstellungen in der Full-HD-Auflösung nur ruckelnd mit 10 Bildern pro Sekunde spielen. Etwas besser wird es in 720p mit etwa 18 fps. Für noch bessere Werte muss die Bildqualität weiter reduziert werden. Für Gelegenheitsspiele reicht die Grafik damit trotzdem. Der Anwender sollte jedoch die Details und gegebenenfalls auch die Auflösung reduzieren. Da ist selbst der Slate-PC Surface Pro mit Ivy Bridge (Core i der dritten Generation) besser zum Spielen geeignet.

Insgesamt ist das Notebook von Sony etwas langsamer als die Ivy-Bridge-Ultrabooks der letzten Generation. Die Leistung ist aber für die meisten Arbeiten unterwegs mehr als ausreichend.

M.2-SSD ohne PCI Express

Im Unterschied zu zukünftigen M.2-SSDs, die mit SATA fast nichts mehr zu tun haben, ist die SSD im Vaio Pro noch per mSATA angeschlossen. Zukünftige Modelle werden stattdessen PCIe-Lanes über den Schacht verwenden und statt AHCI auf NVM Express setzen, das sehr niedrige Latenzen erreichen kann. Durch mSATA sind also keine besonders hohen Werte zu erwarten. In einem kurzen Test erreichten wir per Crystaldiskmark 3 Lesewerte von rund 500 MByte/s. Beim Schreiben ist die SSD mit 131 MByte/s recht langsam. Wer also Daten per USB 3.0 auf den Rechner spielt, muss mitunter auf die SSD warten. Mit unserem USB-3.0-Stick (Sony USM32GQ), der 177 MByte/s schafft, macht sich das in der Praxis recht schnell bemerkbar. Dann laufen die Puffer voll und das System drosselt auf unter 100 MByte/s herunter.

Den SDXC-Schacht haben wir mangels schneller Karte nur kurz angemessen. Wir mussten auf Micro-SD-Karten mit UHS-1-Modus zurückgreifen. Durch den dann notwendigen Adapter kann es zu Geschwindigkeitseinschränkungen kommen. Wir können aber immerhin sagen, dass der Kartenleser den UHS-1-Modus beherrscht. Sowohl eine Samsung-SDXC als auch eine Sandisk-SDHC-Karte kamen im Adapter auf 46 MByte/s lesend. Der Kartenleser wurde also nicht einfach per USB 2.0 angeschlossen.

Vom Vaio-X-Netbook zum Vaio-Pro-Ultrabook - oder: was vier Jahre Entwicklung ausmachen

Als wir uns das Vaio Pro anschauten, erlebten wir ein kleines Déjà-vu. Denn wir haben vor vier Jahren ein ähnliches Notebook getestet: Sonys Luxusnetbook Vaio X im Dezember 2009. Es ist ebenfalls extrem leicht, besteht aus einer dünnen Konstruktion und hatte eine gute Ausstattung für den mobilen Nutzer. In manchen Belangen ist das alte Vaio X dem neuen Vaio Pro sogar überlegen.

Doch zunächst einmal zu einem Vergleich einiger Ausstattungsmerkmale. Der größte Unterschied ist der Prozessor. Beim Vaio X ist es ein Atom Z540, bei unserem Vaio Pro ein Core i7-4500U alias Haswell. Intels alter Atom hat einen TDP-Wert von 2,4 Watt, der Haswell-Prozessor 15 Watt. Ein Vergleich ist aber nicht so einfach, weil bei der Z-Serie damals noch einige Komponenten dazugerechnet werden mussten. So fehlt dem Z540 etwa die Grafikeinheit. Die Taktfrequenzen sind hingegen nahezu identisch. Beim Atom lag der Wert bei 1,86 GHz, und der Haswell startet bei 1,8 GHz. Nun sind dies zwei grundsätzlich unterschiedliche Architekturen. Dem Atom wird bis heute nachgesagt, dass der Prozessor sparsam arbeite. Damals war das auch so. Trotzdem brachte es das Vaio X nur auf Akkulaufzeiten von 3 bis 4 Stunden. Da ein Atom der alten Z-Serie so langsam war, dass er eigentlich immer am Limit war, und es keine tiefen Schlafmodi, insbesondere für die anderen Chipsatzkomponenten, gab, waren nur geringe Laufzeitunterschiede zwischen Last und Ruhe zu erkennen. Das Vaio Pro kommt hingegen auf 2 bis fast 7 Stunden.

Sony macht hier allerdings auch einen Kompromiss. Das Vaio Pro ist immerhin 90 Gramm schwerer als das 780-Gramm-Netbook der Luxusklasse mit dem X.

Mit Schnittstellen war das Vaio X teils besser und teils schlechter ausgestattet. So entschied sich Sony beim Vaio X, nur Single-Band-WLAN zu verbauen, was wir kritisierten, da der Anwender bei einem 1.500-Euro-Gerät mehr Flexibilität erhalten sollte. Dafür hat das Vaio X ein Mobilfunkmodem, das global gut einsetzbar ist. Beim Vaio Pro vermissen wir dies. Den SD-Kartenschacht findet der Nutzer beim Vaio X genauso wie beim Vaio Pro unter dem Trackpad. Damals war sogar noch der Memory Stick wichtig und hatte einen eigenen Schacht. Die aufklappbare RJ-45-Buchse für Netzwerke hat Sony beim Vaio Pro nicht übernommen, ebenso wenig den direkten VGA-Ausgang oder das leicht entspiegelte Display.

Das Vaio Pro ist eigentlich der Nachfolger des Vaio X

Für damalige Verhältnisse extrem groß war die SSD. Stolze 128 GByte verbaute Sony im Jahr 2009. Für heutige Verhältnisse war die SSD lahm und erreichte nur knapp die 90 MByte/s. Die Konkurrenz waren allerdings eher 1,8-Zoll-Festplatten, die heute kaum noch eingesetzt werden. Im Jahr 2013 gehören 128 GByte zur Mindestausstattung des Vaio Pro.

Vaio X und Vaio Pro zeigen wie kaum eine andere Notebookkombination, wie viel sich in den vergangenen vier Jahren getan hat. Beide sind sehr leicht. Der Unterschied bei der Leistung des neuen und des vier Jahre alten Geräts zeigt deutlich, wie viel Mehrleistung nun bei gleicher Gewichtsklasse möglich ist und auch, warum Netbooks nur noch bei günstigen Preisen ihre Daseinsberechtigung haben. Für uns sieht es so aus, als hätte Sony das alte Vaio-X-Design noch einmal überarbeitet, als sich die Gelegenheit ergab, einen Haswell-Prozessor einzusetzen.

Fazit und Verfügbarkeit von Sonys Vaio Pro

Unser Testmuster kostet im Handel etwas weniger als 1.250 Euro. Der Einstiegspreis liegt mit langsamerer CPU bei knapp über 1.000 Euro. Es gibt zudem ein ähnlich ausgestattetes 13-Zoll-Modell des Vaio Pro 11, das wir nicht getestet haben. Beide Notebooks sind bereits verfügbar.

Fazit

Schick ist es, das Vaio Pro 11. Wird nur die Hardware betrachtet, gibt es vor allem für Freunde leichter Notebooks kaum etwas Besseres. Selbst Tablets mit Tastatur sind zum Teil schwerer. Lange Akkulaufzeit bei kompakten und vor allem sehr leichten 870 Gramm bekommt sonst kaum ein Hersteller hin. Das Notebook ist zudem für die meisten Arbeiten unterwegs schnell genug. Selbst gelegentliches Spielen alter Titel ist mit dem Vaio Pro möglich. Sony gelingt es, die Vorzüge des ziemlich teuren, aber auch leistungsstärkeren Vaio Z in ein bezahlbares Ultrabook zu packen - wenn auch mit Abstrichen, denn der stark spiegelnde Touchscreen widerspricht dem Pro-Label dieser Vaio-Notebooks. Gewünscht hätten wir uns bei einem Pro-Notebook zudem die Option für ein Mobilfunkmodem, denn das Vaio Pro ist für den Einsatz unterwegs wie geschaffen.

Dass Sony einer der Ersten mit Haswell-Notebook und neuen Komponenten ist, haben wir leider im Test allzu deutlich bemerkt. Zum Glück ließen sich die WLAN-Probleme mit Hilfe neuer Treiber beseitigen. Die installierte Crapware ist hingegen ärgerlich und die Installation völlig veralteter Java- und Adobe-Reader-Versionen halten wir für fahrlässig. Die Februar-Patchtage dürften vielen noch in Erinnerung sein, und zumindest Java sollte kein Notebook-Hersteller mehr installieren, wenn er im Produktionsprozess nicht für aktuelle Versionen sorgen kann.

Wer sich mit Rechnern auskennt und weiß, was er patchen muss, bekommt mit dem Vaio Pro trotzdem ein schönes Ultrabook. An der Hardware selbst gibt es kaum etwas auszusetzen. An das Können von Sony, mit kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff als Werkstoff leichte Notebooks zu konstruieren, wird so schnell keiner herankommen. Für den mobilen Einsatz gibt es kaum ein besseres Gerät. Damit ist das Vaio Pro besonders für Reisende geeignet, die wenig Gepäck mit sich führen wollen und denen der Internetzugang per WLAN im Hotel ausreicht, da ein Mobilfunkmodem nicht eingebaut ist. Der anklickbare Router ist zudem eine praktische Lösung, um unterwegs auch mal sein Smartphone mit einer schnellen Hotelleitung zu versorgen. Wir wünschen uns, dass die Idee des Nahfunk-WLAN viele Nachahmer findet.  (ase)


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