Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-dark-vampir-wider-willen-mit-schleichproblemen-1307-100276.html    Veröffentlicht: 09.07.2013 14:44    Kurz-URL: https://glm.io/100276

Test Dark

Vampir wider Willen mit Schleichproblemen

Ein düsteres Szenario, ein unfreiwilliger Blutsauger, zahlreiche Spezialfähigkeiten: Dark könnte ein packendes Abenteuer bieten - und das sogar vom Start weg mit Unterstützung für Oculus Rift. Leider entpuppt sich das Spiel als ziemlich frustrierend.

Eric Bane hat Pech. Nicht nur, dass er sein Gedächtnis verloren hat und gar nicht so genau weiß, wie er in diesen dunklen Nachtclub gekommen ist und wer all die Personen um ihn herum sind, die ihn offensichtlich kennen. Viel schwerer wiegt in Dark, dass Eric seit kurzem Vampir ist - und leider keine Ahnung hat, wer ihn ins Reich der Blutsauger befördert hat. Dabei ist eben dieses Wissen essenziell für seine weitere Zukunft als Untoter: Findet er seinen Erschaffer nicht, wird er zum seelenlosen Ghul.

Da Eric bis zur Auflösung seiner Geschichte auch bei Gesundheit bleiben muss, bietet sich das Blut anderer Vampire als Zwischenmahlzeit an. Das hat noch einen weiteren Vorteil: Eric gelangt so in den Besitz einiger nach und nach auszubauender Vampir-Fähigkeiten. So ist es ihm möglich, schnell von einem Ort zum anderen zu teleportieren, Feinde durch Gedankenmanipulation abzulenken oder sich unsichtbar zu machen.

Der Weg zum Blut ist dabei nicht einfach: Eric setzt nie auf Fernwaffen, sondern erledigt Kontrahenten immer aus nächster Nähe und von hinten. Es gilt also, Schatten und Gegenstände als Deckung zu nutzen, um sich unbemerkt anzuschleichen und in Clubs, Büros oder Museen Jagd auf Wachen und Vampire zu machen.

Leider funktioniert das Schleichen in vielerlei Hinsicht nicht so, wie es für ein gelungenes Spiel nötig wäre. Das beginnt bei der hakeligen Steuerung, die Eric immer wieder zu weit oder falsch laufen oder an Vorsprüngen hängenbleiben lässt - wenn dann mal wieder der Alarm ausgelöst wird, obwohl der Spieler sich keiner Schuld bewusst ist, kommt rasch Frust auf.

Hardware und Fazit

Außerdem sind die Haupt- und Nebenmissionen sehr linear. Der dennoch hohe Schwierigkeitsgrad resultiert nicht aus der künstlichen Intelligenz der meist vorhersehbar agierenden Gegner, sondern der schieren Masse an Feinden, die später auch auf immer mehr Hilfsmittel wie Bewegungssensoren und UV-Licht zurückgreifen.

Immer wieder wird Eric entdeckt, obwohl er sich eigentlich in Sicherheit befinden müsste - da scheinen dann manche Wachen ebenfalls übersinnliche Fähigkeiten zu haben. Weil der Spieler im normalen Schwierigkeitsgrad nicht beliebig häufig zwischen Checkpoints speichern darf, bleibt das häufige Wiederholen vieler Passagen so nicht aus.

Optisch ist Dark Geschmackssache. Vielen Umgebungen mangelt es an Details und Feinschliff bei den Animationen, dafür ist der Cel-Shading-Stil durchaus schön anzusehen. Auch atmosphärisch bietet Dark viel Schatten und wenig Licht: Die düsteren Schauplätze und die begleitende Musik sind teilweise durchaus stimmig, die deutsche Sprachausgabe wirkt dafür übertrieben blutleer.

Oculus Rift ist Darks kleiner Lichtblick

Dark unterstützt viele stereoskopische 3D-Systeme, interessanter ist aber die Integration von Oculus Rift. Wir haben uns mit der Entwickler-Version der Virtual-Reality-Brille wortwörtlich in der Spielwelt umgesehen.

Weil Dark nicht aus der Ich-Perspektive gespielt wird, rotiert der Nutzer mit seinem Blickfeld nur die Kamera. Die Laufrichtung wird davon nicht beeinflusst, die Steuerung fühlt sich kaum anders an als beim Spielen vor einem konventionellen Monitor. In Zwischensequenzen irritiert allerdings die ständig wechselnde Kamerasicht, während der Spieler gleichzeitig den Blick schweifen lässt.

Trotz der niedrigen Auflösung des Entwickler-Kits wertet Oculus Rift das Erlebnis durch ein überzeugendes Mittendringefühl auf. Für ein paar Minuten fasziniert sogar Dark aus dieser ungewohnt echt wirkenden Perspektive. Leveldekoration, an der wir ohne die Brille achtlos vorbeigelaufen sind, schauen wir uns nun interessiert aus der Nähe an. Auch Beleuchtung, die uns direkt ins Gesicht scheint, ist aufgrund der guten 3D-Konvertierung ein atmosphärischer Effekt.

Die nicht ganz so tolle Grafik rückt so zumindest anfangs in den Hintergrund. Schade, dass sich Dark ganz schnell wieder in ein frustrierendes Schleichspiel verwandelt, sobald der Nutzer den Nachtclub vom Spielbeginn verlässt.

Das Spiel ist für Windows-PC und Xbox 360 verfügbar. Es kostet 40 (PC) beziehungsweise 50 Euro (Xbox 360) und hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten.

Fazit

Nach dem vielversprechenden Beginn von Dark folgt rasch der Absturz - schon nach kurzer Zeit ist es einem relativ egal, ob Eric seinen Erschaffer findet und was seine Geschichte ist. Die Story liefert kaum noch interessante Ereignisse, die Schleichmechanik hakt an vielen Stellen, die Technik ist durchschnittlich. Auch größte Vampir-Fans werden sich da bald nach anderen Unterhaltungsmöglichkeiten umsehen.  (tw)


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