Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-8-1-rapid-release-rapid-release-1306-100024.html    Veröffentlicht: 26.06.2013 19:41    Kurz-URL: https://glm.io/100024

Windows 8.1

"Rapid Release! Rapid Release!"

Microsoft hat zum Start seiner Entwicklerkonferenz Build eine Preview-Version von Windows 8.1 zum Download freigegeben. Dass Windows 8.1 schon ein Jahr nach Windows 8 erscheint, kündigte Microsoft-Chef Steve Ballmer mit den Worten "Rapid Release! Rapid Release!" an.

Mit Windows 8.1 will Microsoft einige Fehler korrigieren und geht auf viele Kritikpunkte an Windows 8 ein. Auf Microsofts Entwicklerkonferenz Build in San Francisco hat Microsoft-Chef Steve Ballmer die Preview von Windows 8.1 unter Preview.windows.com zum Download über den Windows Store freigegeben. ISO-Dateien mit der Preview von Windows 8.1 sollen morgen folgen.

Ballmer leitete die Ankündigung mit den Worten "Rapid Release! Rapid Release!" ein und nannte dies die wichtigste Veränderung bei Microsoft. Schließlich soll Windows 8.1 bereits etwa ein Jahr nach Windows 8 auf den Markt kommen. Zuletzt lagen rund drei Jahre zwischen neuen Windows-Versionen.

Ballmer stellte dabei auch neue kleine Tablets mit Windows 8 in Aussicht. Ein Surface-Tablet mit 8-Zoll-Display, mit dem viele gerechnet haben, kündigte Microsoft allerdings nicht an. Demonstriert wurde stattdessen Acers 8-Zoll-Tablet Iconia W3, das Microsoft auch an die Konferenzbesucher verschenkt.

Mit der Suchmaschine Bing sieht Ballmer Microsoft auf dem richtigen Weg. In Blindtests gewinne Bing in den USA gegen Google. Nun sei es Zeit, den nächsten Schritt zu gehen, und so kündigte Ballmer an, Bing als Plattform für Entwickler zu öffnen. Die Suchfunktion von Windows 8.1 nutzt ebenfalls Bing.

Bing Maps erweitert Microsoft um 3D-Darstellungen in hoher Auflösung. In Kombination mit Bing ist es dabei möglich, Informationen zu gerade angezeigten Gebäuden nachzuschlagen. Das ist auch mit natürlicher Spracheingabe möglich, so dass eine Frage wie "Wer ist der Architekt" zu einer passenden Antwort direkt in Bing Maps führt. Texte im Bild lassen sich direkt mit Bing übersetzen.

Entwickler können all diese Funktionen in ihren Apps ebenfalls nutzen.

Windows 8.1 enthält zahlreiche Neuerungen, sowohl an der Oberfläche als auch bei der darunterliegenden Technik. Ballmer nennt diese eine verfeinerte Mischung. Unter anderem kehrt der Start-Knopf zurück, es ist möglich direkt in den Desktop zu booten, und mit dem Internet Explorer 11 liefert Microsoft einen in wesentlichen Punkten verbesserten Browser mit.

Xbox Music mit Musik-Streaming

Microsofts App Xbox Music unterstützt unter Windows 8.1 Musik-Streaming, das direkt in Windows integriert ist. Damit ist der Zugriff auf die bei Xbox Music verfügbare Musik möglich. Zudem lassen sich aus Websites direkt Playlisten für Xbox Music erstellen.

Hands-Free-Modus

Windows 8.1 bietet einen Hands-Free-Modus. Dieser nutzt die integrierte Webcam, um Gesten zu erkennen. So ist es beispielsweise möglich, durch ein Kochrezept zu blättern, ohne den Bildschirm zu berühren.

Neue Werkzeuge sollen Apps effizienter machen

Entwicklern gibt Microsoft mit Visual Studio 2013 neue Analysewerkzeuge an die Hand, um herauszufinden, wie schnell eine App ist, wie effiziente sie Ressourcen wie das Netzwerk nutzt und welche Leistungsaufnahme sie verursacht. So lässt sich beispielsweise die Leistungsaufnahme einer App im Zeitverlauf in Milliwatt darstellen und anzeigen, wie lange ein App mit einer Akkuladung läuft.

Schärfere Spiele mit DirectX 11.2

Mit DirectX 11.2, das mit Windows 8.1 eingeführt wird, soll Grafikspeicher effizienter genutzt werden. Texturen können ausgetauscht werden, wenn ein Nutzer stärker in eine Darstellung hereinzoomt, so dass für den jeweiligen Ausschnitt Texturen mit optimaler Auflösung verwendet werden können. Die Technik kommt auch bei der Xbox One zum Einsatz.

Internet Explorer 11

Mit dem Internet Explorer 11 macht Microsoft einen Schritt in Sachen HTML5 und Webstandards. So unterstützt Microsofts neuer Browser WebGL zur Darstellung von 3D-Inhalten. Microsoft hatte bisher offiziell die Unterstützung von WebGL abgelehnt und vor allem argumentiert, die Technik sei zu unsicher. Diese Darstellung war aber selbst bei Microsoft intern umstritten.

Zudem unterstützt Microsoft mit dem Internet Explorer 11 erstmals das von Google entwickelte Protokoll SPDY, auf dessen Grundlage derzeit HTTP/2.0 entwickelt wird, unter Beteiligung unter anderem von Microsoft und Google. Der Internet Explorer 11 wird wie unter anderem Chrome, Firefox und Opera SPDY dabei in der aktuellen Version 3.0 unterstützen.

Das soll auch dazu beitragen, dass der Internet Explorer 11 (IE11) Webseiten schneller lädt als sein Vorgänger. In der Modern IE genannten Metro-Variante kann auf Wunsch die URL-Zeile immer eingeblendet werden. Offene Tabs werden über mehrere Geräte synchronisiert.

Darüber hinaus unterstützt der IE11 Dynamic Adaptive Streaming over HTTP, kurz MPEG DASH.

Der Startknopf kehrt zurück

Weitere Details zu Windows 8.1 hat Microsoft bereits Ende Mai 2013 enthüllt. Dazu gehört unter anderem die Rückkehr des Startknopfes. So hat Microsoft nach eigenen Angaben die Bedienung mit Maus und Tastatur optimiert: Wann immer der Mauszeiger in die linke untere Ecke eines Displays kommt, wird ein Knopf mit Windows-Logo eingeblendet. In der Taskleiste auf dem Desktop ist der Startknopf immer sichtbar. Über das Menü ist es dann auch wieder möglich, das System herunterzufahren.

Über die Einstellungen können Nutzer das Verhalten der Ecken zudem verändern: Wer also lieber eine Übersicht über alle Apps als die neuen Kacheln sehen will, kann Windows 8.1 so einstellen, dass statt des Startbildschirms immer die App-Übersicht aufgerufen wird.

Snap-View: Mehr als zwei Apps nebeneinander

Das Konzept Snap View erweitert Microsoft mit Windows 8.1. So können Apps, die nebeneinander laufen, künftig in ihrer Größe beliebig verändert werden, was mehr Möglichkeiten schafft, mehrere Apps gleichzeitig anzuzeigen. Dadurch wird es in Windows 8.1 möglich sein, zwei Modern-UI-Apps in gleicher Größe nebeneinander anzuzeigen. Wahlweise lassen sich auf jedem Display, das angeschlossen wird, bis zu drei Modern-UI-Apps darstellen. Auf jedem Display kann so auch eine andere Windows-Store-App laufen. Es ist auch möglich, den neuen Startbildschirm immer auf einem bestimmten Display anzuzeigen. Dabei kann Windows 8.1 für jedes Display einen anderen Skalierungsfaktor nutzen, so dass bei Nutzung mehrerer Displays mit unterschiedlicher Auflösung die Darstellung auf allen optimal angepasst werden kann.

Darüber hinaus ermöglicht es Windows 8, zwei Fenster einer App aneinanderzuketten, beispielsweise Fenster des Internet Explorer 8, die nebeneinander dargestellt werden.

Neue Funktionen für den Startbildschirm

So wird es mit Windows 8.1 möglich sein, das Desktop-Hintergrundbild auch als Hintergrund für den Startbildschirm festzulegen, für den die Farbauswahl erweitert wurde. Außerdem wurden die Bearbeitungsmöglichkeiten auf dem Startbildschirm erweitert und es stehen mehr Standardgrößen für die App-Kacheln zur Verfügung. Es gibt eine neue große Kachel und eine neue besonders kleine Kachel. Damit soll der Nutzer die Anwendungen auf dem Startbildschirm besser verwalten können.

Das Umbenennen und Umsortieren der Kacheln soll mit der neuen Windows-Version einfacher als mit Windows 8 funktionieren. Mehrere Kacheln können mit einem Mal in der Größe verändert, umsortiert oder auch gleich deinstalliert werden. Zudem soll das versehentliche Verschieben von Kacheln mit der neuen Version verhindert werden.

Vom Startbildschirm kann der Nutzer mit Windows 8.1 bequemer als in Windows 8 die Liste aller installierten Anwendungen aufrufen. Dazu muss er lediglich von unten in den Startbildschirm hineinwischen. Zudem gibt es mehr Kategorisierungen. Der Nutzer kann seine Anwendungen nach dem Namen, dem Installationsdatum oder der Nutzungshäufigkeit sortieren. Dadurch wird eine neu installierte Anwendung nicht mehr standardmäßig auf dem Startbildschirm abgelegt, sondern in der Liste aller Programme. Dort sind dann neu installierte Anwendungen markiert und der Nutzer kann selbst entscheiden, ob er diese auf dem Startbildschirm haben möchte.

IT-Abteilungen erhalten die Möglichkeit, das Aussehen des Startbildschirms auf den von ihnen verwalteten Clients festzulegen, beispielsweise um direkt auf unternehmenseigene Apps zugreifen zu können. Verbinden Mitarbeiter ihre eigenen Geräte mit dem Unternehmensnetz, greifen auf Unternehmensinhalte zu und speichern diese, sollen Administratoren die Möglichkeit haben, solche Inhalte auf den Geräten zu löschen, ohne die privaten Daten anzutasten.

Microsoft integriert zudem Open ODM (Open Mobile Alliance Device Management) in Windows 8.1. Damit soll es möglich sein, Windows-Geräte mit Systemen von Drittanbietern wie MobileIron oder Airwatch zu verwalten.

Die neue Funktion "Assigned Access" ermöglicht es, Windows-Geräte auf einzelne Apps zu beschränken, beispielsweise eine Lern-App für ein Kind oder eine Kunden-App in einem Geschäft.

Mehr Möglichkeiten für den Sperrbildschirm

Auf dem Sperrbildschirm von Windows 8.1 kann der Nutzer auch eine Diashow anzeigen, um etwa ein Windows-Tablet als digitalen Bilderrahmen zu verwenden. Die Bilder können entweder lokal auf dem Gerät oder in Microsofts Onlinefestplatte Skydrive liegen. Ferner können mit einer eingebauten Kamera direkt vom Sperrbildschirm aus Aufnahmen gemacht werden, ohne dass sich der Nutzer erst anmelden muss.

Auch Skype kann direkt vom Sperrbildschirm aus genutzt werden, um eingehende Videotelefonate anzunehmen.

Die Suchfunktion ist in Windows 8.1 direkt an Microsofts Bing-Suche gekoppelt, über die eine Internetrecherche gestartet werden kann. Zudem werden sogenannte Quick Actions in die Suche integriert, damit der Nutzer direkt etwas mit bestimmten Dateien machen kann, zum Beispiel aus der Suche heraus eine Musikdatei wiedergeben oder ein Video abspielen. Auch damit soll der Umgang mit dem Betriebssystem vereinfacht werden.

Für die Anmeldung beim System werden moderne Zugriffskontrollsysteme unterstützt, beispielsweise Fingerabdrucksensoren oder eine Multi-Faktor-Authentifizierung mit virtuellen Smartcards.



Neue Funktionen für die mit Windows 8 gelieferten Apps

Die mit Windows 8 mitgelieferten Apps werden mit Windows 8.1 ebenfalls aktualisiert. So bekommt die App Fotos neue Funktionen zum Bearbeiten von Bildern, die auch dann zur Verfügung stehen, wenn Bilder in anderen Apps wie Mail oder Skydrive geöffnet werden. Die Musik-App hat Microsoft komplett neu gestaltet, damit Nutzer einzelne Titel in ihrer Sammlung schneller finden können. In den kommenden Wochen will Microsoft mehr Details zu den Updates der Windows-Apps veröffentlichen.

Windows Store sorgt für Updates im Hintergrund

Der Windows Store in Windows 8.1 soll mehr Informationen zu Apps anzeigen als bisher, darunter detaillierte Listen der beliebtesten freien Apps, Neuerscheinungen und ausgewählten Apps. Auch werden nun zu einer App ähnliche Apps angezeigt. Apps werden im Hintergrund aktualisiert.

Enge Cloud-Anbindung

Microsoft verzahnt Windows 8.1 stärker mit seinen Cloud-Diensten: So ist es möglich, Dateien direkt auf Skydrive zu speichern. Über die überarbeitete Skydrive-App haben Windows-Nutzer Zugriff auf lokale sowie in der Cloud gespeicherte Dateien, die dadurch auch offline verfügbar sind.

Meldet sich ein Nutzer mit seinem Microsoft-Account an einem neuen Windows-Gerät an, wird dieses automatisch für ihn konfiguriert. Sämtliche Einstellungen und Apps stehen direkt zur Verfügung. Das soll den Wechsel zwischen Geräten sehr einfach machen.

Alle Einstellungen an zentraler Stelle

In den PC-Einstellungen soll es künftig möglich sein, sämtliche Einstellungen für ein Gerät vorzunehmen, wie Microsoft verspricht. Es soll nicht mehr notwendig sein, die Systemsteuerung oder den Desktop aufzurufen. Die Displayauflösung und die Stromsparoptionen können künftig über die PC-Einstellungen gewählt werden. Auch das PC-Modell wird hier angezeigt, es ist möglich, den Produktschlüssel zu ändern, Windows Update aufzurufen, sich einer Domäne anzuschließen oder nachzuschauen, wie viel freier Speicherplatz noch zur Verfügung steht.

Neue drahtlose Netzwerktechnik

Auch unterhalb der Oberfläche bietet Windows 8.1 Neues. Dazu zählt unter anderem NFC-Pairing für Drucker, so dass Mitarbeiter in Unternehmen ihr Windows-Gerät nur kurz an einen Drucker im Unternehmensnetz halten müssen, um damit zu drucken. Dabei ist es nicht notwendig, einen speziellen Drucker zu kaufen, vorhandene Geräte können mit einem NFC-Tag versehen werden.

Dank Wi-Fi Direct Printing soll es zudem möglich sein, ohne Installation zusätzlicher Treiber über WLAN zu drucken. Drucker und Gerät bilden dabei ein Peer-to-Peer-Netzwerk, um Daten auszutauschen.

Native Miracast-Unterstützung sorgt dafür, dass beliebige Inhalte über das Netz auf andere Geräte gestreamt werden können. Auch hier kann NFC zum Pairing oder Bluetooth genutzt werden, um die Geräte ohne weiteres zu konfigurieren. Durch Miracast werden die Daten dann per WLAN übertragen.

Mittels "Broadband Tethering" soll es möglich sein, mit jedem PC oder Tablet einen WLAN-Hotspot aufzuspannen und anderen seine Internetverbindung zur Verfügung zu stellen. Und mit "Auto-triggered VPN" können einzelne Apps explizit eine Verbindung per VPN anfordern, bei der sich Nutzer dann mit einem Klick einloggen können. Das soll auch mit VPN-Clients von Drittanbietern funktionieren.

Die in Windows integrierte Anti-Viren-Lösung Windows Defender soll künftig auch den Netzwerkverkehr überwachen, um Malware zu erkennen. Der Internet Explorer wird binäre Erweiterungen wie ActiveX-Controls mit dem Virenscanner prüfen.  (ji)


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