Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Zwift im Test: Radrennen im Wohnzimmer

Sportlich und warm durch den Winter: Mit dem Zwift Hub, dem Smart Trainer des Sportspiels Zwift , verlassen wir nicht das Haus und fahren trotzdem bekannte Radrennen - oder gleich in Fantasiewelten.
/ Dirk Koller
73 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Artwork des Zwift Hub (Bild: Zwift)
Artwork des Zwift Hub Bild: Zwift

Es gibt sie: Tapfere Biker, die den Temperaturen trotzen und auch im dunklen Winter Landstraßen oder verschneite Feldwege entlang jagen. Mit beheizten Handschuhen, Sturmhaube unter dem Helm und Überschuhen über den Schuhen. Allein: Richtig Spaß macht das nicht.

Draußen friert immer irgendein Körperteil, und ungefährlich ist es bei Glätte auch nicht. Und je nachdem, ob man mit oder ohne Schutzblech fährt, sind Rad, Fahrer oder beide danach komplett eingesaut.

Zum Glück gibt es Alternativen, um dem Hobby auch in der kalten Jahreszeit nachzugehen und den gefürchteten Trainingsrückstand zu vermeiden.

Die Rede ist von Indoor-Cycling. Dabei machen seit einigen Jahren virtuelle Trainingsmöglichkeiten der Präsenz im Fitnessstudio Konkurrenz. Während der Hochphase der Pandemie wurde Peloton ( Test auf Golem.de ) (g+) recht bekannt, eine Spinning-App mit Traineranbindung, die am besten mit einer speziellen Hardware, dem Peloton-Bike, zusammenarbeitet und einem Remote-Fitnessstudio ähnelt.

Anders funktioniert die App Zwift(öffnet im neuen Fenster) , mit der Radsport zum Computerspiel wird. Das ist nicht als Scherz gemeint: Zwift selbst bezeichnet seine Anwendung als Game.

Zwift: Radfahren in der 3D-Welt

Zwift basiert auf virtuellen 3D-Welten. Radler suchen sich eine Strecke in der Welt und treiben dort mit Hilfe des eigenen Rads den Radler-Avatar an. Als Strecken stehen neben der riesigen Fantasiewelt Watopia mit Vulkan, viel Lava und Unterwassertunnel auch bekannte Strecken etwa in New York, London oder Paris zur Verfügung.

Zwift - Trailer (What is Zwift)
Zwift - Trailer (What is Zwift) (02:02)

Jede Fahrt bringt Punkte (XP), die sich gemächlich zu einem höheren Zwift-Level summieren. Bis zum Zwift-Olymp bei Level 60 ist es ein weiter Weg. Der lohnt sich aber, weil bei jedem Level-Aufstieg virtuelle Gadgets wie Sonnenbrille oder peppige Zwift-Socken freigeschaltet werden. Man will ja nicht wie ein Level-1-Zwiftler aussehen ...

Der zweite Pfeiler neben diesem Gamification-Aspekt ist die Community. Hier unterscheidet sich Zwift endgültig vom guten alten Hometrainer aus den 80ern. Man ist in den Zwift-Welten mit zwei Millionen Benutzern nie allein und fühlt sich auch nicht so.

Reklame

Schwinn Speedbike IC8 mit Bluetooth Indoor Cycle

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Über die Companion-App wird gechattet und gelikt ( "Ride On" im Zwift-Jargon), was die Kette hält. Virtuelle Radclubs und Gruppenausfahrten bieten die Möglichkeit, Sportsfreunde mit ähnlichen Leistungsdaten (die Maßeinheiten in Zwift dafür sind FTP und Watt) zu finden.

Smart Trainer und anderes Zubehör

Neben dem eigenen Rad benötigt man für Zwift ein aktuelles Handy. Mit einem Tablet oder gar einem PC inklusive Monitor vor dem Rad ist das Fahrerlebnis wegen der Displaygröße aber deutlich intensiver.

Außerdem wird ein Rollentrainer gebraucht. Der günstigste Einstieg ist eine einfache Rolle ohne Hightech drin, auf der das Hinterrad läuft. Diese ist aber relativ laut und kann keine Höhenunterschiede simulieren.

Mehr Spaß macht ein sogenannter Smart Trainer. Dieser wird statt des Hinterrads eingebaut und enthält eine Kassette mit Ritzeln. Der Widerstand - also die Kraft, die zum Bewegen der Pedale notwendig ist - wird beim Smart Trainer von der Zwift-Anwendung gesteuert.

Smart Trainer gibt es von verschiedenen Anbietern, seit kurzem tritt auch Zwift selber als solcher auf. Der Zwift Hub ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Unternehmen Jet Black und gehört mit rund 500 Euro zu den eher günstigen Vertretern seiner Art. Der Preis ist eine Einladung, die virtuelle Plattform zu besuchen - Zwift verdient durch das Abomodell ja nicht nur an der Hardware.

Zwift Hub: Preis und Fazit

Der Aufbau des Smart Trainers (Anschrauben von zwei Querstreben, Auswahl und Einsetzen eines Achs-Adapters, Ersetzen des Hinterrads durch den Smart Trainer) ist unkompliziert und dank vier kurzer Herstellervideos auch von Nicht-Schraubern problemlos zu bewerkstelligen.

Mit der Zwift Companion App fürs Handy lässt sich danach eine Bluetooth-Verbindung zum Trainer herstellen und die Firmware auf den aktuellen Stand bringen.

Anschließend wird das "Game" , also die Fahranwendung, gestartet, und der Spaß kann beginnen.

Für den Einstieg bietet sich eine kleine Tour der Kategorie "Einfach nur Fahren" an. Dazu lässt sich aus zahlreichen Strecken verschiedener Länge und Steigung wählen.

Der Smart Trainer funktioniert in diesem (SIM-)Modus wie erwartet: Bei Steigungen bis zu 16 Prozent fällt das Treten schwerer, den Berg runter leichter. Und wie beim echten Radfahren lassen sich diese Differenzen mit der Gangschaltung ausgleichen.

Im ERG-Modus, der bei Workouts verwendet wird, entfällt das Schalten. Der Smart Trainer passt den Widerstand automatisch an die Trittfrequenz oder das vorgegebene Wattziel an. Das Fahren ist im Vergleich zum Fahren auf einer nicht-smarten Rolle relativ leise und sollte die Nachbarn nicht stören.

Bei den ersten Fahrten merkt man schnell, dass ein weiteres Zubehörteil unentbehrlich ist: Zwift ist wegen des fehlenden Fahrtwindes sehr schweißtreibend - und ohne Handtuch geht gar nichts.

Vielfahrer setzen deshalb auf einen Ventilator, womöglich sogar mit pulsgesteuertem und variablem Fahrtwind. Schließlich bietet sich für ungestüme Stehend-Passagen noch eine Vorderradstütze für ein paar Euro an, die etwas mehr Stabilität verleiht.

Quäl dich!

Bei all den Gaming-Elementen könnte man auf den Gedanken kommen, dass es sich nicht um eine seriöse Trainingsmöglichkeit handelt. Das Gegenteil ist der Fall. Wer schon immer mal mit Radsport-Legenden wie Mark Cavendish oder dem Ironman-Weltmeister Jan Frodeno (Zwift-Level 51!) eine schnelle Runde drehen wollte, bekommt auf Zwift die Gelegenheit dazu.

Selbstverständlich empfiehlt sich vorher einer der zahlreichen Trainingspläne oder eines der Workouts, die für alle Fitnessgrade angeboten werden. Danach kann man bei den rund um die Uhr stattfindenden Rennen herausfinden, ob die eigene Leistung schon tourwürdig ist. Mit Zwift lässt sich ausgesprochen fokussiert trainieren, Intervalltrainings lassen sich ohne Fußgänger, Hunde, Ampeln, Bahnübergänge und Kurven einfach besser absolvieren.

Und wer findet schon die zahlreichen angebotenen Streckenprofile vor der eigenen Haustür? Etwa den Alpe du Zwift, einen Nachbau des von der Tour de France bekannten Anstiegs. 12 km Anstieg, über 1.000 Höhenmeter und 21 Kehren lassen das Radlerherz höher schlagen.

Reklame

Schwinn Speedbike IC8 mit Bluetooth Indoor Cycle

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Letzteres lässt sich mit gängigen Sportuhren oder Brustgürteln überwachen, die Zwift-Anwendung verbindet sich per Bluetooth mit diversen Gadgets. Nach getaner Arbeit lässt sich die Aktivität automatisch auf die gängigen Sportplattformen wie Strava oder Garmin hochladen. Die ersten Fahrten in Watopia lassen die Kontakte auf der Plattform mit einem Stirnrunzeln zurück.

Fairer Preis

Zwift macht Spaß - und ja, der hat seinen Preis. Nach der siebentägigen Testphase werden monatlich rund 15 Euro fällig. Das ist eine Menge, aber immer noch günstiger als der Beitrag fürs Fitnessstudio.

Wenn im Frühjahr wieder draußen geradelt werden soll, kann die Zwift-Mitgliedschaft pausiert werden. Leider geht das aber nur zwei bis acht Wochen und damit wohl an den Bedürfnissen der meisten Kunden knapp vorbei.

Aber immerhin: Wenn man das Abo kündigt, werden auf Wunsch die Daten weiterhin gespeichert. Kündigen im Frühjahr und Wiedereinstieg im Winter ohne Verlust der virtuellen Trainingsfortschritte ist also möglich.

In der faszinierenden Welt von Zwift gibt es noch eine Menge mehr zu entdecken. Läufer etwa, die zu Hause auf ihren Laufbändern in den Wohnzimmern die gleichen virtuellen Strecken nutzen. Auch das ein oder andere Handbike trifft man unterwegs.

Es gibt Rennen, bei denen den Siegern neben virtuellem Siegertrikot (echtes) Geld winkt. Und in der Zwift Academy werden jährlich talentierte Radfahrer, Läufer oder Triathleten gesucht und mit einem Profivertrag gefördert.

Eine spannende Welt, die das nasskalte Wetter vergessen macht und in der immer angenehme Temperaturen herrschen. Ride on!


Relevante Themen