Abo
  • Services:

Zwiebelfreunde: Polizei durchsucht Räume von Tor-Aktivisten

Aufgrund einer vagen Verbindung durch eine E-Mail-Adresse hat die Polizei Wohnungen und Vereinsräume von Mitgliedern des Vereins Zwiebelfreunde durchsucht. Doch den Betroffenen wird nichts vorgeworfen, sie gelten lediglich als Zeugen.

Artikel veröffentlicht am , Anna Biselli
Die Zwiebel ist das Symbol des Tor-Netzwerks.
Die Zwiebel ist das Symbol des Tor-Netzwerks. (Bild: Oli Scarff/AFP/Getty Images)

Polizeibeamte haben Vereinsräume des Zwiebelfreunde e. V. und die Wohnungen von dessen Vorstandsmitgliedern in Berlin, Dresden, Augsburg und Jena sowie einen Augsburger Hackerspace durchsucht. Laut einem Bericht des Spiegel ordnete die Generalstaatsanwaltschaft München die Durchsuchungen am 20. Juni an, um die Urheber eines Blogs zu finden. Diese hatten dazu aufgerufen, den AfD-Parteitag in Augsburg zu stören, der am vergangenen Wochenende stattfand.

Stellenmarkt
  1. Loy & Hutz Solutions GmbH, Freiburg im Breisgau
  2. Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg, Augsburg

Eine direkte Verbindung zwischen dem Verein Zwiebelfreunde und der Website existiert nicht. Die Zwiebelfreunde haben sich der Förderung des Anonymisierungsnetzwerks Tor verschrieben, betreiben selbst Tor-Server und sind Ansprechpartner für Projekte, Presse und Behörden. Die Generalstaatsanwaltschaft sah jedoch einen indirekten Zusammenhang: Auf dem Anti-AfD-Blog war eine E-Mail-Adresse des Tech-Kollektivs Riseup als Kontakt angegeben. Die Zwiebelfreunde verwalten Spendengelder für die Gruppe, die unter anderem E-Mail-Accounts für linke Aktivisten und Gruppen anbietet.

Den Betroffenen wird nichts vorgeworfen

Der Mitgründer von Zwiebelfreunde, Moritz Bartl, sagte dem Spiegel, die von der Durchsuchung betroffenen Personen gelten nicht als Beschuldigte, sondern als Zeugen. Die Ermittlungsbeamten hätten gegenüber Bartl angegeben, dass sie die Blogbetreiber ermitteln wollten. Dafür hätten sie sowohl Vereinsgeräte und -dokumente als auch persönliche Gegenstände Familienangehöriger und Eigentum von Bartls Firma beschlagnahmt. Es sei ihm unmöglich, weiter seiner Arbeit nachzugehen.

Im Interview mit Netzpolitik.org berichtete Jens Kubieziel, laut dem Durchsuchungsbeschluss seien die Behörden davon ausgegangen, Nutzerdaten in den Wohnungen zu finden. Er ist einer der Vorstände der Zwiebelfreunde und war selbst von den Polizeimaßnahmen betroffen. Dabei sei klar gewesen, dass diese nicht bei ihm lagerten: "Schon ein einfacher Anruf oder Besuch eines Polizisten hätte die Lage schnell aufklären können", sagte Kubieziel. Seine Frau erwähnte, die Polizisten hätten ihr nahegelegt, dass Kubieziel als Vorstand zurücktreten solle - sonst könne eine weitere Hausdurchsuchung drohen.

Polizei interpretiert typisches Hackerspace-Inventar als Sprengstoffzutaten

Bei der Durchsuchung des Augsburger Hackerspaces Openlab hatten die Polizeibeamten Gegenstände gefunden, die ihnen verdächtig vorkamen: Chemikalien, chemische Formeln an einer Tafel und ein bombenförmiges Plastikspielzeug. Derartige Gegenstände lassen sich wohl in zahlreichen Hacker- und Makerspaces finden, doch für die Ermittler genügte das, um Bartl und andere Anwesende festzunehmen und eines geplanten Sprengstoffanschlags zu beschuldigen. Es stellte sich heraus, dass die Gegenstände für das Ätzen von Platinen und 3D-Druck gedacht waren. Das hatten die Betroffenen nach eigenen Angaben bereits währenddessen versucht zu erklären.

Im Openlab ist auch der Augsburger Ableger des Chaos Computer Club beheimatet. In einer Mitteilung verurteilte der CCC die Maßnahmen der Polizei: "Sowohl die initiale Verdachtsgewinnung gegen die Vorstände der Zwiebelfreunde als auch die nachfolgende Verdächtigung in Richtung Sprengstoff sind entweder inkompetent oder böswillig." Wenn das als Verdachtsmoment ausreiche, müsse "bald jeder Schüler sein Chemiebuch gut vor den Augen neugieriger Polizisten verstecken".

Der CCC kündigte außerdem an, dass in der kommenden Folge des Podcasts Logbuch:Netzpolitik einer der Betroffenen über den Vorfall berichten wird. Die Folge erscheint am 6. Juli.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-71%) 11,50€
  2. (-76%) 11,99€
  3. 46,99€
  4. 49,95€

bombinho 07. Jul 2018

Schau an, ich habe neuerdings einen klebrigen TOR-Node, welcher bei Hetzner gehostet ist...

narfomat 06. Jul 2018

mmd. :)

bombinho 06. Jul 2018

Sollte es aber selbst einer Polizei problemlos moeglich sein das TOR Netzwerk nach...

OmranShilunte 06. Jul 2018

ein verdacht ist keine "tatsache". genau genommen ist es noch nicht einmal spekulation...

OmranShilunte 06. Jul 2018

ich finde es (im regelfall) auch eher blöd. aber genau so blöd ist es, dass es in...


Folgen Sie uns
       


Alexa-App für Windows 10 ausprobiert

Wir stellen Alexa über die neue Windows-10-App einige Fragen und natürlich erzählt sie auch wie immer einen Witz.

Alexa-App für Windows 10 ausprobiert Video aufrufen
Deutsche Darknet-Größe: Wie Lucky demaskiert wurde
Deutsche Darknet-Größe
Wie "Lucky" demaskiert wurde

Alexander U. hat das Forum betrieben, über das die Waffe für den Amoklauf in München verkauft wurde. BKA-Ermittler schildern vor Gericht, wie sie ihm auf die Schliche kamen.
Von Hakan Tanriverdi

  1. Digitales Vermummungsverbot Auch ohne Maske hasst sich's trefflich
  2. Microsoft Translator Neuerungen versprechen bessere Übersetzungen
  3. Sci-Hub Schwedischer ISP blockt Elsevier nach Blockieraufforderung

Aufbruch zum Mond: Die schönste Fake-Mondlandung aller Zeiten
Aufbruch zum Mond
Die schönste Fake-Mondlandung aller Zeiten

Hollywood-Romantiker Damien Chazelle (La La Land) möchte sich mit Aufbruch zum Mond der Person Neil Armstrong annähern, fördert dabei aber kaum Spannendes zutage. Atemberaubend sind wie im wahren Leben dagegen Armstrongs erste Schritte auf dem Mond, für die alleine sich ein Kinobesuch sehr lohnt - der Film startet am Donnerstag.
Eine Rezension von Daniel Pook

  1. Solo - A Star Wars Story Gar nicht so solo, dieser Han
  2. The Cleaners Wie soziale Netzwerke ihre Verantwortung outsourcen
  3. Filmkritik Ready Player One Der Videospielfilm mit Nostalgiemacke

NGT Cargo: Der Güterzug der Zukunft fährt 400 km/h
NGT Cargo
Der Güterzug der Zukunft fährt 400 km/h

Güterzüge sind lange, laute Gebilde, die langsam durch die Lande zuckeln. Das soll sich ändern: Das DLR hat ein Konzept für einen automatisiert fahrenden Hochgeschwindigkeitsgüterzug entwickelt, der schneller ist als der schnellste ICE.
Ein Bericht von Werner Pluta


      •  /