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Zweifelhafte Studie: Untersuchung verknüpft Windräder und Herzerkrankungen

Eine vermeintlich wissenschaftliche Untersuchung vergleicht Gemeinden mit und ohne Windkraftanlagen und sieht ein Risiko durch Infraschall.
/ Mario Petzold
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Windräder in der Nähe einer Gemeinde (Bild: Pixabay/Emphyrio)
Windräder in der Nähe einer Gemeinde Bild: Pixabay/Emphyrio

Ein Poster(öffnet im neuen Fenster), ausgestellt auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin, findet sich derzeit vielfach auf sozialen Plattformen. Die vorgestellte Untersuchung soll einen direkten Zusammenhang zwischen dem Infraschall von Windkraftanlagen und Herzrhythmusstörungen sowie Herzinsuffizienz zeigen. Parallel wird dazu aufgerufen, diese Gefahr in der Bevölkerung bekanntzumachen.

Das Poster, das immer wieder als Studie bezeichnet wird, so auch im sehr konservativen Tichys Einblick(öffnet im neuen Fenster), weist jedoch neben inhaltlichen auch formale Mängel auf. Einige fallen sofort ins Auge.

Unter anderem lassen die extremen Schwankungen in der Veranschaulichung der aufgetretenen Neuerkrankungen darauf schließen, dass es hohe Abweichungen in den Zahlen der einzelnen Regionen gibt. Der vermeintlich gefährdete Ort Borchen südöstlich von Paderborn in Nordrhein-Westfalen war nach den Daten über Jahre viel sicherer als Hövelhof ohne Windräder nordwestlich von Paderborn, das im Jahr 2024 in der kleinen Grafik sogar das höchste Risiko für Herzerkrankungen aufzuweisen scheint.

Ergebnisse lassen keine Schlüsse zu

Hinzu kommt, dass in der Untersuchung davon geschrieben wird, dass möglichst identische Gemeinden mit ähnlicher Lage, Bevölkerungsstruktur und Lebensstandard gewählt worden seien. Allerdings liegen die laut des Posters gefährdeten Orte südöstlich einer Großstadt, so dass die in Deutschland vorherrschende Hauptwindrichtung Abgase und Luftverschmutzung regelmäßig dorthin trägt. Die beiden anderen Gemeinden hingegen liegen nordwestlich und sind entsprechend nicht so unmittelbar betroffen.

Die Tagesschau(öffnet im neuen Fenster) hat weitere Mängel gefunden. Bernd Kowall, Epidemiologe an der Uniklinik Essen, gab ihr gegenüber an, dass solche regionalen Vergleiche ohne genauere Betrachtung gar keine Schlüsse zulassen würden. Erst genauere Untersuchungen im Nachgang könnten auf Ursachen schließen lassen.

Zudem sei nicht klar, wie die statistische Auswertung erfolgt sei. Anders als bei einer Studie, die unabhängig auf wissenschaftliche Standards geprüft werden kann, ist das bei einem einseitigen Poster nicht möglich.

Universitätsmedizin Mainz war nicht beteiligt

Von Tagesschau anfragt wegen einer Zusammenarbeit gab die Universitätsmedizin Mainz an, nicht an der Untersuchung beteiligt gewesen zu sein. Der Autor Christian-Friedrich Vahl wäre seit seiner Pensionierung 2020 nicht mehr in die wissenschaftliche Arbeit eingebunden. Man sei im Austausch, um dies auf dem Poster zu korrigieren.

Auffällig sei zudem eine weitere Arbeit von Vahl, die bereits 2019 Infraschall von Windenergieanlagen und Herzerkrankungen in Zusammenhang setzen wollte. Der Schallpegel sei aber deutlich zu hoch gewählt gewesen im Vergleich zu Werten in der Umgebung von Windrädern.

Dabei gibt es Untersuchungen, die die negativen Auswirkungen von Infraschall wissenschaftlich beleuchten, wie das Umweltbundesamt(öffnet im neuen Fenster) schreibt. Windrädern, die zudem in der Zeit der Nachtruhe gedrosselt werden, zählen aber nicht dazu. Dafür Industrieanlagen, Diskotheken und vor allem der Straßenverkehr.


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