Zwangsabschaltung und Prepaid wird einfacher

Für einige Verbraucher könnte der Anschluss an ein Messsystem sogar direkte Nachteile haben. Denn in Kombination mit einer Schaltbox ist es für den Versorger nun viel einfacher, einem säumigen Kunden den Strom abzustellen. Allerdings ermöglicht dieses System auch Prepaid-Tarife, bei denen die Kunden wie bei ihrem Smartphone ihr Stromkonto aufladen können, wenn aufgrund finanzieller Probleme kein sicherer Bankeinzug möglich ist. Ein solches Angebot wird sogar von der Linkspartei-Chefin Katja Kipping als sinnvoll gelobt, weil dadurch die anfallenden Kosten für Sperrung und Entsperrung der Zähler reduziert würden. Zudem hätten die Verbraucher es selbst in der Hand, ihre Stromversorgung schnell wieder zu aktivieren.

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In welchem Umfang die Versorger die Kleinverbraucher an die teuren Messsysteme anschließen wollen, ist derzeit unklar. Eine gewisse Hürde sieht der Gesetzentwurf vor, indem er vorschreibt, dass der Versorger dem Kunden eine "Visualisierung des Verbrauchsverhaltens" ermöglichen muss. Zwar schreibt der Entwurf nicht vor, wie dies umgesetzt werden soll, doch könnte es gerade in Mietshäusern aufwendig werden, Verbrauchern einen Zugriff auf die Verbrauchsdaten zu ermöglichen.

Da die Daten nur einmal im Jahr aus der Ferne ausgelesen werden sollen, ist ein Umweg über das Internet nicht möglich. Eine Datenverbindung zwischen dem Gateway im Keller und den einzelnen Wohnungen herzustellen, könnte für die Versorger zu aufwendig sein. Sollte diese Leistungsanforderung aus dem Gesetz gestrichen werden, gäbe es noch einen Grund weniger, der einen Zwangsanschluss von Verbrauchern an ein Messsystem rechtfertigen würde, aber einen Hinderungsgrund weniger für die Versorger, dies dennoch zu tun. Nach dem Willen des BDEW sollen kleine Privathaushalte möglichst wenig belastet werden. "Generell sollte der Einbau intelligenter Messsysteme nur dort erfolgen, wo Kosten und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen", sagte der Sprecher.

Verteilnetzbetreiber wollen Daten aggregieren

In einem weiteren Punkt scheint die Kritik des BDEW jedoch auf offene Ohren zu stoßen. Dabei geht es um die Frage, wer die Daten aggregieren soll, die mit den intelligenten Messsystemen erhoben werden. Der Gesetzentwurf sieht in den Paragrafen 66 und 67 des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) eine etwas merkwürdige Aufgabenverteilung zwischen den vier großen Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) und den Stromversorgern vor. Demnach sollen die ÜNB wie Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW die Daten der intelligenten Messsysteme "vorverdichten", während die Verteilnetzbetreiber wie gehabt die Daten der herkömmlichen Zähler (Ferraris-Zähler) und elektronischen Zähler aggregieren sollen.

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Nach Ansicht des BDEW ist dies jedoch ein umständliches Vorgehen, denn die einzelnen Beteiligten müssten sich dann gegenseitig die aggregierten Daten hin- und herschicken. Zudem seien die kleinteiligen Daten der einzelnen Messstellen für die ÜNB von wenig Interesse und nicht so leicht zu plausibilisieren. Der Versorger könne sie dagegen sinnvoller nutzen. Dabei geht es jedoch nicht darum, dass die Versorger die Verbraucherdaten "nicht umstandslos an die vier Betreiber des Übertragungsnetzes abtreten" wollen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb. "Jeder Beteiligte soll die Daten bekommen, die er braucht", sagte der BDEW-Sprecher. Das sehe auch der Gesetzentwurf vor.

Nur große Verbraucher von Datenweitergabe betroffen

Die Botschaft scheint in der großen Koalition angekommen zu sein. So sagte der CDU-Politiker Koeppen im Bundestag: "Ich meine, dass es besser wäre, wenn die Daten ein Stadtwerk auswertet und nicht die vier großen Netzbetreiber. Ich glaube, das Vertrauen der Menschen in die Verteilnetzbetreiber ist größer als das in die Übertragungsnetzbetreiber." Eine solche Änderung halte er für besser, "insbesondere was die Akzeptanz durch die Menschen angeht".

Ähnlich äußerte sich der SPD-Abgeordnete Florian Post. Der Bundestag wolle sich "die Vor- und Nachteile, die mit einer solchen Verlagerung vom Verteilnetzbetreiber zum Übertragungsnetzbetreiber verbunden sind, noch einmal in Ruhe anschauen". Es stelle sich die Frage, "ob das wirklich so stattfinden soll". Die Weitergabe der Daten betrifft im Grunde nur Kunden mit einem Verbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr. In allen anderen Fällen soll der Stromverbrauch wie bisher nur einmal jährlich abgelesen werden - solange der Kunde nichts anderes wünscht.

Derzeit kann man wohl davon ausgehen, dass es im Laufe der Beratungen noch an Änderungen am Gesetzentwurf kommt. Möglicherweise sind diese aber eher kosmetischer Natur und nicht unbedingt im Sinne der Verbraucher oder nicht so weitgehend, wie die Verbraucherschützer es fordern. Eine Zwangsbeglückung mit einem vernetzten Stromzähler wird vielen Stromkunden ebenso wenig gefallen wie der Rundfunkbeitrag für alle Haushalte.

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 CDU fordert flexiblere Tarife
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chefin 13. Apr 2016

Wenn es Gesetz wird, nutzt dir das leider nichts. Der Betreiber nimmt den alten Zähler...

chefin 13. Apr 2016

Und nichts von den von dir verbauten Geräten ist geeicht. Das müssen sie aber um...

chefin 13. Apr 2016

Was bringt dir der Wechsel, wenn jeder dir so einen Zähler setzen muss? Zumal du garnicht...

plutoniumsulfat 11. Apr 2016

Stimmt, hab ich gar nicht dran gedacht. Da läuft ja das ganze System etwas anders ;)



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