Zuschauerzahlen: Netflix gaukelt Offenheit vor

Netflix hat eine Liste mit den beliebtesten Filmen und Serien veröffentlicht - die Aussagekraft ist gleich null.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Die Top-10-Liste von Netflix hat keine Aussagekraft.
Die Top-10-Liste von Netflix hat keine Aussagekraft. (Bild: Pixabay/Montage: Golem.de/Pixabay-Lizenz)

Der Netflix-CCO Ted Sarandos hat auf einer Konferenz in den USA eine Übersicht der beliebtesten Filme und Serien auf Netflix veröffentlicht. Darüber berichten unter anderem Deadline und The Verge übereinstimmend. Leider haben die veröffentlichten Zahlen überhaupt keine Aussagekraft.

Stellenmarkt
  1. (Senior) Solution Architect (m/w/d) Softwareentwicklung
    DKMS gemeinnützige GmbH, Tübingen, Köln
  2. IT Senior Compliance Analyst (m/w/d)
    DLR Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (GfR) mbH, Oberpfaffenhofen
Detailsuche

Denn bei Netflix zählt ein Film oder eine Serie schon als gesehen, wenn Abonnenten mindestens zwei Minuten dabeigeblieben sind. Diese Zählweise wurde Anfang 2020 eingeführt, davor wurden Zuschauer erst gezählt, wenn sie mindestens 70 Prozent eines Titels angeschaut hatten.

Selbst die 70-Prozent-Zählweise lässt viel Raum für Interpretationen, ist aber im Vergleich zur Zwei-Minuten-Regel um einiges aussagekräftiger. Zumindest werden dabei keine Abonnenten als Zuschauer gezählt, die einen Film oder eine Serie nach wenigen Minuten abgebrochen haben.

Netflix-Zahlen sagen kaum etwas über die Beliebtheit aus

Die von Netflix veröffentlichten Zahlen sollen zeigen, welche Titel im Abodienst besonders beliebt sind. Allerdings ist es durch die spezielle Zählweise durchaus möglich, dass auch besonders unbeliebte Filme in der Liste landen. Es müssen nur genügend Abonnenten den Film für ein paar Minuten laufen lassen und dann wieder abschalten.

Golem Karrierewelt
  1. DP-203 Data Engineering on Microsoft Azure: virtueller Vier-Tage-Workshop
    24.-27.10.2022, virtuell
  2. C++ Programmierung Basics: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    24.-28.10.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Zudem hat Netflix auf Smart-TVs und Streaming-Geräten seit langem eine automatische Wiedergabe implementiert. Sobald das Steuerelement einige Sekunden auf dem Icon für einen Film oder einer Serie ruht, startet die Wiedergabe. Abonnenten können das nicht abschalten. Es ist nicht bekannt, ob Inhalte auch dann von Netflix gezählt werden, wenn diese mittels automatischer Wiedergabe abgespielt und dann erst nach mehr als zwei Minuten abgebrochen wurden.

Top 10 von Netflix listet nur Eigenproduktionen

Die Tabellen von Netflix listen außerdem ausschließlich Eigenproduktionen des Anbieters. Die Top-10-Listen umfassen keine Lizenztitel. Aus welchem Grund nur Netflix-Produktionen aufgeführt sind, ist nicht bekannt. Das Sortiment von Netflix umfasst viele Serien und Filme, die als Lizenztitel in den Katalog aufgenommen werden - darunter auch beliebte Kinofilme.

Es könnte sein, dass Abonnenten stärker an den Eigenproduktionen interessiert sind als an den Lizenztiteln. Es könnte aber auch sein, dass Lizenztitel viel besser laufen, Netflix das aber gezielt nicht veröffentlichen will. Auch in dieser Hinsicht werfen die Zahlen von Netflix mehr Fragen auf, anstatt Antworten zu liefern.

Es ist eine absurde Situation: Streaming-Anbieter haben sehr genaue Daten über das Verhalten der Abonnenten. Die Nutzung der Streaming-Dienste lässt sich technisch bedingt viel genauer beobachten, als es beim linearen Fernsehen möglich ist. Aber alle Streaming-Anbieter scheuen sich davor, Zuschauerzahlen zu nennen. Nachfragen dazu bleiben bei allen Anbietern üblicherweise unkommentiert.

Prime Video 30 Tage gratis testen

Netflix bleibt selbst aus Sicht von Sarandos weiterhin eine Blackbox

Mit den veröffentlichten Zuschauerzahlen gaukelt Netflix Offenheit lediglich vor: Die Top-Listen sagen eben nicht, welche Inhalte viele Menschen besonders gut fanden, sondern sie zeigen nur die Filme und Serien, die für zwei Minuten geschaut wurden.

Es ist schon ausgesprochen zynisch, wenn Sarandos die gezeigten Zahlen so kommentiert: "Wir versuchen, für den Markt, die Talente und alle anderen transparenter zu sein." Denn eigentlich ändert sich nichts. Netflix bleibt "größtenteils eine große Blackbox", räumt Sarandos ein.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Achranon 04. Okt 2021

Für 1080p Inhalte ist die Mindestbitrate 10 Mbit/s und für 4K Inhalte 25 MBit/s. Man kann...

Achranon 04. Okt 2021

Ich habe dieses nervige und nutzlose Feature auch schon vor langem auf die Art...

terraformer 03. Okt 2021

Gute Frage, mich nervt das auch. Netflix ist so ein Beispiel (von vielen), bei dem sich...

terraformer 03. Okt 2021

Ich fasse mal zusammen: So daneben ist die Kritik des Golem Autors also nicht. Wenn unter...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Streit mit Magnus Carlsen
Schachgroßmeister Niemann soll über 100 Mal betrogen haben

Schachweltmeister Magnus Carlsen wirft dem Großmeister Hans Niemann Betrug vor - eine neue Untersuchung stärkt die Vorwürfe.

Streit mit Magnus Carlsen: Schachgroßmeister Niemann soll über 100 Mal betrogen haben
Artikel
  1. Airpods Pro 2 im Test: Apple schaltet Lärm und Konkurrenz aus
    Airpods Pro 2 im Test
    Apple schaltet Lärm und Konkurrenz aus

    Mit sinnvollen Änderungen sind die Airpods Pro 2 das Beste, was es derzeit an ANC-Hörstöpseln gibt. Aber Apples kundenfeindliche Borniertheit nervt.
    Ein Test von Ingo Pakalski

  2. Vodafone und Telekom: Zwei Netzbetreiber melden Datenrekord auf Oktoberfest
    Vodafone und Telekom
    Zwei Netzbetreiber melden Datenrekord auf Oktoberfest

    Die Telekom liegt beim Datenvolumen klar vor Vodafone. Es gab in diesem Jahr besonders viel Roaming durch ausländische Netze.

  3. Dr. Mike Eissele: Es kann immer wieder technologische Revolutionen geben
    Dr. Mike Eissele
    "Es kann immer wieder technologische Revolutionen geben"

    Chefs von Devs Teamviewer-CTO Dr. Mike Eissele gibt einen tiefen Einblick, wie man sich auf eine Arbeitswelt ohne Bildschirme vorbereitet.
    Ein Interview von Daniel Ziegener

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Günstig wie nie: Inno3D RTX 3090 Ti 1.199€, MSI B550 Mainboard 118,10€, LG OLED 48" 799€, Samsung QLED TVs 2022 (u. a. 65" 899€, 55" 657€) • Alternate (Acer Gaming-Monitore) • MindStar (G-Skill DDR4-3600 16GB 88€, Intel Core i5 2.90 Ghz 99€) • 3 Spiele für 49€ [Werbung]
    •  /